Ein Tesla Model S lädt an einer Ladesäule
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Immer mehr Fuldaer fahren ein Elektroauto. Doch gibt es ausreichend Ladesäulen? (Symbolbild)

Ausbau in der Region Fulda

E-Autos im öffentlichen Raum zu „tanken“, birgt Hindernisse: Gibt es genug Ladesäulen?

  • Daniel Krenzer
    VonDaniel Krenzer
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Die Zahl der Elektrofahrzeuge nimmt auch auf Osthessens Straßen stetig zu. Und es ist politisch gewollt, dass dieser Trend immer schneller voranschreitet. Doch hält der Aufbau der Ladeinfrastruktur noch mit?

Region - Wer zuhause oder an der Arbeit sein Elektroauto laden kann, für den sind öffentliche Ladepunkte eher zweitrangig. An den meisten ist der Strompreis sowieso viel höher als an der heimischen Wallbox – und die kostenlosen Lademöglichkeiten werden auf absehbare Zeit wohl ebenfalls verschwinden. So haben unter anderem Ikea und mehrere Discounter schon durchklingen lassen, bald Strom an den Ladesäulen nur noch kostenpflichtig abgeben oder in irgendeiner Form an tatsächlich getätigte Einkäufe knüpfen zu wollen. Die Zeit des Strom schnorrenden Herumlungerns auf Parkplätzen wäre damit beendet.

E-Autos zu „tanken“, birgt Hindernisse: Halten die Ladesäulen noch mit?

Wer aber zuhause nicht laden kann, weil er zum Beispiel im dritten Stockwerk eines Stadthauses ohne Parkplatz vor der Tür wohnt, der ist darauf angewiesen, zuverlässig im öffentlichen Raum sein Fahrzeug aufladen zu können. Und da sind die Hürden nicht zu verachten: An normalen Ladesäulen dauert das vollständige Aufladen mitunter viele Stunden – mit der wachsenden Zahl an Elektrofahrzeugen steigt derzeit das Risiko, dass die Ladeplätze über Stunden besetzt sind.

Schnellladesäulen gibt es noch nicht allzu viele, auch wenn sich hier derzeit viel bewegt. Auch Tankstellenketten wie Aral und Shell investieren intensiv in ihr Fortbestehen in einer gewünschten postfossilen Zeitrechnung. Allerdings ist das Laden dort recht kostspielig, der Preis pro 100 Autobahnkilometer kann sich da schnell auf 20 Euro summieren – was selbst bei aktuell hohen Spritpreisen deutlich mehr ist als mit den meisten Benzinern.(Lesen Sie hier: Wasserstoff-Busse und Schnelllade-Stationen - Fuldaer Kreistag will mehr „saubere Mobilität“)

Sollen die politischen Ziele einer elektromobilen Zukunft im Land aber auch nur annäherungsweise umgesetzt werden, müssen in den kommenden Jahren auch für Menschen, die nicht im Eigenheim mit Wallbox leben, zuverlässige, schnelle und erschwingliche Lademöglichkeiten im großen Stil geschaffen werden. Erst wenn das Aufladen im Alltag für fast jeden Autobesitzer beiläufig geschehen kann und nicht zur Last fällt, wird die Bereitschaft ein Elektroauto zu erwerben solche Sphären erreichen, wie es für das Erreichen dieser politischen Ziele notwendig ist. Dass dieser Ausbau an Lademöglichkeiten im privaten wie öffentlichen Raum zudem mit enormen Herausforderungen für die Stromnetzbetreiber einhergeht, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte hat in der Region spürbar zugenommen.

Laden in Osthessen

Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte hat in der Region spürbar zugenommen. Mit Abstand die höchste räumliche Dichte gibt es wenig überraschend in Fulda, wo allerdings die Nachfrage auch mit weitem Abstand die größte sein dürfte. Im ländlicheren Raum sind die Unterschiede groß.

Während manche Kommunen den Ausbau schon aktiv vorangetrieben haben, setzen andere darauf, dass Handel und Arbeitgeber aktiv werden. Vor dem Thema verschließen dürften sich in Zukunft aber die wenigsten können. In der Karte dargestellt sind alle der Bundesnetzagentur gemeldeten Ladepunkte – unabhängig von der Zahl der dort verfügbaren Lademöglichkeiten. Darüber hinaus kann es noch private, aber zumindest zeitweise öffentlich nutzbare Ladepunkte geben, die allerdings nicht an die Bundesnetzagentur gemeldet wurden.

In Osthessen schreitet der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur weiter voran, wie die Karte mit den bei der Bundesnetzagentur gemeldeten Ladepunkten zeigt. Während in der Stadt Fulda, aber auch in Vorreiterkommunen wie Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) oder Eiterfeld überdurchschnittlich viele Lademöglichkeiten bestehen, gibt es aber nach wie vor zahlreiche weiße Flecken.

Schnellladesäulen, die vor allem für Durch- und Fernreisende relevant sind und fast ausschließlich für reine Elektroautos sinnvoll sind, gibt es inzwischen nicht mehr nur an den A7-Rast- und Autohöfen in Eichenzell, Uttrichshausen und Großenmoor sowie am Distelrasen. In Fulda wurden jüngst an den Kaiserwiesen sowie am Rasthof Fulda-Nord neue, leistungsstarke Ladesäulen platziert. Zudem betreibt Aldi an der Alten Ziegelei in Petersberg eines der erwähnten Schnorrer-Mekkas.

Video: Ladesäulen für E-Autos müssen Kartenzahlung ermöglichen

Ein weiteres Problem beim öffentlichen Laden: Es gibt eine ganze Reihe an Anbietern und Verbundnetzen, bei denen zwar viele miteinander kompatibel sind, es aber nach wie vor immer wieder vorkommt, dass sich die angesteuerte Ladesäule mit der eigenen Karte nicht freischalten lässt. Bei wenig Restreichweite im Akku kann das schnell zum ausgewachsenen Problem werden.

Und so haben viele E-Auto-Fahrer derzeit noch mehrere Karten und Transponder im Geldbeutel sowie mehrere Apps auf dem Smartphone, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein – das muss man mögen. Zum Glück wird sich das aber in absehbarer Zeit ändern. Bis zum 1. Juli 2023 muss an jeder Ladesäule auch die Zahlung per Kreditkarte möglich sein, hat das Bundeskabinett kürzlich entschieden.

Die RhönEnergie, die viele Standard-Ladesäulen in der Region betreibt, hat aktuell Plugsurfing als Verbundpartner. Der Ladevorgang lässt sich aber unter anderem noch mit den Karten des ehemaligen Partners NewMotion – jetzt Shell Recharge – freischalten.

Doch nicht nur diejenigen, die ihr Auto laden möchten, sondern auch Kommunen, die dies ermöglichen wollen, kämpfen – unter anderem mit der Bürokratie. So verwundert es nicht, dass noch immer zahlreiche Kommunen den Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht ganz oben auf der Agenda führen.

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