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Ebersburg schafft besondere Übertragungsanlage für Hörgeräte-Träger an

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Ebersburg - Wer ein Hörgerät trägt, der kennt auch die Probleme, die manchmal damit einhergehen. Damit Störgeräusche das Hören nicht erschweren, hat die Gemeinde Ebersburg jetzt eine besondere Übertragungsanlage angeschafft.

Wenn man etwas akustisch nicht verstanden hat – dann fragt man noch mal nach. Im Gespräch mit wenigen Personen ist das recht einfach. Schwieriger wird es bei Veranstaltungen – wie etwa einer Theateraufführung. Bei den Vorstellungen der Laienspielgruppe Ebersberg in Weyhers hatten Hörgeschädigte jetzt ein anderes Erlebnis. Das berichtet Bürgermeisterin Brigitte Kram (CDU).

Denn dort kam erstmals die neue Übertragungsanlage der Gemeinde zum Einsatz. „Und sie hat sich bewährt“, weiß die Bürgermeisterin. Bei den Theateraufführungen im Bürgerhaus Weyhers haben Besucher mit Hörbeeinträchtigung sich mit Empfängern ausgerüstet. Das sind Sender, die wie ein Schlüsselband umgehängt werden.

„Jetzt kann ich wieder mitlachen“

Die Empfänger sind mit der neuen Anlage verbunden. So wird das Gesprochene auf der Bühne unmittelbar auf die Hörgeräte oder auf mitgebrachte Kopfhörer gesendet. „Alle Besucher, die diese Technik erstmals nutzten, waren von der hohen Qualität der Tonübertragung begeistert“, erzählt die Bürgermeisterin.

Ein älterer Zuhörer habe zu ihr gesagt: „Jetzt kann auch ich wieder mitlachen.“ Denn er habe sonst oft auch wegen der Umgebungsgeräusche Probleme gehabt, gerade die pointierte Komik der Laiendarsteller akustisch zu verstehen. „Manche sind sogar gar nicht mehr zu solchen Veranstaltungen hingegangen, weil sie sagen, dass sie ohnehin nichts verstehen“, sagt sie.

Kosten von 15.000 Euro

Die Neuanschaffung hat 15.000 Euro gekostet – wurde aber zu 90 Prozent aus dem Landesprogramm der EU-Behindertenrechtskonvention bezuschusst. Mit der Anlage will die Gemeinde „den Menschen mit Hörbeeinträchtigung nicht nur eine bessere Teilhabe, sondern auch eine höhere Lebensqualität ermöglichen“, betont Kram. „Denn wir wissen alle, dass die Sprache ein wichtiger Schlüssel für soziale Kontakte ist.“ Dies komme nicht nur älteren Menschen zugute – in allen Generationen würden von Jung bis Alt Hörschädigungen auftreten.

Weil es sich um eine drahtlose Übertragungsanlage handelt, kann diese mobil in allen Bürgerhäusern der Gemeinde eingesetzt werden. Die Vereine wurden bereits in einer gesonderten Veranstaltung über die Arbeitsweise und Funktion sowie über Einsatzmöglichkeiten informiert. „Die nächsten Veranstaltungen mit der neuen Übertragungstechnik sind bereits in Planung“, berichtet Kram.

Nutzen auch für die Vereine

Auch Susanne Beh von Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal freut sich über die Neuanschaffung. Sie informiert bei Führungen in der Alten Post in Weyhers, in Vortragsveranstaltungen und Kursen über verschiedene technische Angebote, die den Alltag – besonders den von Senioren – erleichtern können.

Sie erhoffe sich dadurch zunehmendes Interesse und Akzeptanz für innovative, aber zunächst ungewöhnliche Lösungsansätze, und dass auf diesem Weg auch Ängste bezüglich moderner Technik genommen werden können. Für die Vereine und Gruppen in Ebersburg steht diese Technik künftig unentgeltlich zur Verfügung und kann für Veranstaltungen oder auch zwecks Informationen genutzt werden.

Infoveranstaltung in Ebersburg

Passend zum Thema findet eine Infoveranstaltung in Ebersburg statt: Unter dem Titel „Ganz Ohr – Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“ wird am Donnerstag, 19. März, im DGH Altenmühle in Zusammenarbeit mit Hörakustik Schmitka aus Künzell eine Autorenlesung mit Thomas Sünder angeboten.

In seinem mit Dr. Andreas Borta verfassten Buch vermittelt er Tatsachen rund um das Hören. Thomas Sünder hat als ehemaliger DJ und Hörsturz-, Tinnitus-Betroffener persönliche Erfahrungen zum Thema gesammelt. / jev

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