Edguy-Gitarrist Jens Ludwig
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Edguy-Gitarrist Jens Ludwig geht neue Wege. Wie steht es um die Band?

Neues Metal-Projekt

Edguy vor dem Aus? Gitarrist Jens Ludwig nennt Situation „frustrierend“ - und spielt bei den Dorfrockern

  • Anne Baun
    VonAnne Baun
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Eigentlich kennt der geneigte Metal-Fan Jens Ludwig als Gitarristen von Edguy. Doch der 43-Jährige aus Fulda spielt schon seit vier Jahren bei einer völlig anderen Formation mit – und kann zudem ein ganz neues Projekt ankündigen.

Fulda - „Was soll ich sagen“, seufzt Jens Ludwig auf die Nachfrage, was eigentlich mit Edguy los ist. Um die Power-Metal-Formation aus Fulda ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. Wenn nicht sogar ohrenbetäubend still. „Ich würde dir jetzt auch lieber etwas über anstehende Aktivitäten, Pläne oder Ziele berichten. Das gibt es aber im Moment alles nicht.“

Tatsächlich haben Edguy seit ihrer Best-Of-Platte und der Tour zum 25. Jubiläum 2017 keine nennenswerte Aktivität als Band unternommen – „und es gibt für mich auch keine Anzeichen, dass sich das in absehbarer Zukunft ändern könnte. Das ist schon frustrierend und macht mich traurig, aber es liegt nun mal nicht alleine in meiner Macht, daran etwas zu ändern.“ Edguy-Bandkollege Dirk Sauer hilft derweil im Impfzentrum in Fulda.

Fulda: Edguy-Gitarrist Jens Ludwig spielt bei den Dorfrockern mit

Statt Trübsal zu blasen, hat sich Ludwig eine neue Band gesucht. Eine, die im deutschsprachigen Raum sehr bekannt und erfolgreich ist, aber von seiner bisherigen Stilrichtung ziemlich abweicht: Er spielt seit bereits vier Jahren Bass und E-Gitarre bei den Dorfrockern. Trägt der Hartmetaller jetzt etwa Lederhosen? „Nee“, sagt Ludwig lachend. „Es gibt da zum Glück keinen Dresscode.“ Doch dass ihm die Zusammenarbeit mit der unterfränkischen Musikgruppe großen Spaß macht, ist ihm anzumerken.

Und da die Combo ein sehr findiges Konzept für Live-Auftritte hat, konnte er selbst im vergangenen Corona-Jahr 60 Auftritte spielen; dieses Jahr kommt die Band bis Oktober auf 100 Konzerte. „Wir spielen nicht vor Menschen, wir spielen vor Traktoren“, erklärt er. „Im Grunde sind wir ein durchgeknallter Wanderzirkus.“ Heißt: Die Dorfrocker-Konzerte laufen im Moment ähnlich ab wie ein Konzert vor Autos – nur eben mit Landmaschinen. „Wer keinen Traktor hat, ist raus“, erklärt Ludwig schmunzelnd. „Wir brauchen tatsächlich nur eine große Wiese, einen Generator und Starkstrom. Den Rest bringen wir selber mit.“

Der „Rest“ ist ein großer Anhänger, der als Bühne funktioniert. „Die ganze Truppe hilft beim Auf- und Abbau, so dass wir meist schon eine Stunde nach Konzertende alles wieder eingepackt und Feierabend haben.“ Das Ganze scheint sehr lukrativ zu sein, denn: „So viele Shows wie im Moment habe ich noch in keinem Monat gespielt.“ Der Fuldaer Musiker ist sehr dankbar, für diese positive Form von Stress. „Mir geht es wirklich gut“, sagt er. „Es ist für einen Musiker nicht normal, derzeit so beschäftigt zu sein.“

Klar war auch er monatelang zuhause, freut sich aber, dass er so viel Zeit mit seinen Kindern verbringen konnte. „Im harten Lockdown konnte ich dann im Studio arbeiten“, sagt er. „Und wenn es nötig war, sind die Corona-Soforthilfen auch bei mir angekommen. Was offenbar nicht selbstverständlich ist.“ Gemeinsam mit zwei weiteren Dorfrocker-Band-Kollegen habe er die Unterstützung beantragt, jeder aus einem anderen Bundesland. Bei Ludwig wurde die Hilfe sofort genehmigt, bei dem Zweiten abgelehnt, beim Dritten erst geprüft und dann nur zum Teil bewilligt. „Verrückt.“

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Doch der 43-Jährige konzentriert sich auch noch auf anderes. So gibt er Unterricht und Workshops, hilft bei anderen Bands aus, tritt ab und zu mit 667 oder der Radio-Bob-Band auf – und hat ein brandneues Metalprojekt am Start. Hinter The Grandmaster verbergen sich Jens Ludwig und der brasilianische Sänger Nando Fernandes. Gerade wurde die erste Single „Someday Somehow“ veröffentlicht. „Es ist Melodic Metal“, erklärt Ludwig. „Die Musik ist sehr cool geworden; ich stehe da komplett dahinter.“ Getroffen haben sich die Beteiligten aber noch nicht. (Lesen Sie hier: Tobias Sammet über Corona, das neue Avantasia-Album und blöde Frisuren)

„Der Sänger ist Brasilianer, der kann wegen des ätzenden C-Wortes nicht aus seinem Land“, seufzt Ludwig. „Schlagzeuger, Bassist und Keyboarder sind Italiener. Wir haben uns bisher tatsächlich nur per Telefon und Video-Konferenz unterhalten.“ Die Idee zu diesem Projekt hatte ein Plattenlabel, das bei Jens für den Gitarristenjob angefragt hat. Ihm hat daran gefallen, dass es keine Vorgaben gegeben hat. „Mir wurde gesagt: Mach, was du für richtig hälst.“ Wer weiß, was noch daraus wird. Ludwig sagt: „Es ist ein Projekt mit Bandpotential.“

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