Zwölf Jahre lang gab Rudolf Breithecker im Schlösschen als Bürgermeister den Ton an. Er stellte die Weichen dafür, dass es Sitz der Gemeindeverwaltung wurde.
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Zwölf Jahre lang gab Rudolf Breithecker im Schlösschen als Bürgermeister den Ton an. Er stellte die Weichen dafür, dass es Sitz der Gemeindeverwaltung wurde.

Bänker, Politiker, Vereinsmensch

80. Geburtstag: Das Leben des Eichenzeller Alt-Bürgermeisters Rudolf Breithecker

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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40 Jahre lang hat er die Eichenzeller Gemeindepolitik geprägt, davon 12 Jahre lang als Bürgermeister. 27 Jahre war er für die SPD in der Kreispolitik, davon 19 Jahre im Kreisausschuss, aktiv. Heute wird Rudolf Breithecker 80 Jahre alt.

Eichenzell - Es war ein Paukenschlag im Januar 1996: Bei der ersten Bürgermeister-Direktwahl in der CDU-Hochburg Eichenzell siegte nicht Amtsinhaber Helmut Gladbach (CDU), sondern Oppositionsführer Rudolf Breithecker (SPD). „Damit hatte wirklich niemand gerechnet“, blickt er jetzt zurück. Für diesen Erfolg hatte Breithecker lange gearbeitet – 24 Jahre als Eichenzeller Gemeindevertreter und auch schon vor der Gebietsreform.

Eichenzells Alt-Bürgermeister Rudolf Breithecker: Das Ohr immer ganz nah am Bürger

Der Bankkaufmann – der später die Leitung der Kreditabteilung der Städtischen Sparkasse übernahm und in dem Institut neun Jahre lang Personalratsvorsitzender war – stieg 1968 in die Kommunalpolitik ein, als er in seinem noch selbstständigen Heimatort Löschenrod ehrenamtlicher Gemeinderechner wurde. Er stellte den Haushalt auf und war an den Gesprächen zur Gebietsreform beteiligt. „Die Stadt Fulda hätte uns gern gehabt, aber in der Gemeinde Eichenzell hatte Löschenrod mehr Gewicht“, sagt Breithecker. „64.000 Mark brachte Löschenrod in die neue Gemeinde ein“, erinnert er sich.

Als Kommunalpolitiker suchte Breithecker immer die Nähe zu den Menschen. Dabei war er kein Mann großer oder gar lauter Worte. Er hörte lieber zu, und er packte lieber an, als darüber zu reden.

Bei Fußballspielen in der Gemeinde ging er nicht selten um den Platz herum, gab jedem Zuschauer die Hand und wechselte ein paar Worte mit ihnen. Im Sommer ging er an den Wochenenden von Fest zu Fest – auch um zu hören, wo den Menschen der Schuh drückt. Zugleich war er fleißig: Oft brannte in seinem Büro im Schlösschen spätabends noch das Licht.

Rudolf Breithecker: Bänker, Politiker, Vereins- und Familienmensch

„Dass ich es geschafft habe, dass das Schlösschen Sitz der Gemeindeverwaltung wurde und so sein Erhalt langfristig gesichert ist, darauf bin ich stolz“, sagt Breithecker im Rückblick. Wenn er ein bisschen überlegt, dann fallen ihm viele weitere Dinge ein, die ihm in den zwölf Jahren als Bürgermeister gut gelungen sind: Nach der Sanierung des Schlösschens wurde auch das Umfeld mit Altem Brauhaus und Blauem Haus neu gestaltet; die Gemeinde hat viele Baugebiete ausgewiesen und so rund 2000 Einwohner dazugewonnen; der Industriepark Rhön gewann an Schlagkraft; Rothemann bekam ein neues Bürgerzentrum und Löschenrod einen modernen Anbau an das Bürgerhaus. Dank Breitheckers Einsatz behielt die Gemeinde – anders als alle anderen Kommunen im Kreis – ihre Kirchenbaulast: Sie zahlt weiter für die Sanierung von Kirchengebäuden mit.

Breithecker war und ist auch ein Vereinsmensch: 20 Jahre spielte er in Löschenrod aktiv Fußball – erst als Vorstopper, dann als Spielmacher –, er war viele Jahre Sänger im Domchor Fulda, im Gesangverein Löschenrod und im Männerchor Eichenzell. Bis zum Corona-Ausbruch machte er elf Jahre lang einmal im Monat mit den Bewohner des AWO-Generationenhauses Gedächtnistraining. „Das war auch ein Dankeschön an die Gemeinschaft“, sagt er.

Nicht zuletzt lebt Breithecker für die Familie. Seit 55 Jahre ist er mit Ehefrau Eleonore verheiratet, hat drei Kinder und acht Enkel. Mit ihnen und vielen Freunden hätte er heute gern gefeiert. Aber wegen der Pandemie hat er die Feier in den Sommer verschoben.

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