Im obersten Stockwerk des Schlösschens tagen die Gemeindevertreter mit ihrem Vorsitzenden Edwin Balzter üblicherweise.
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Im obersten Stockwerk des Schlösschens tagen die Gemeindevertreter mit ihrem Vorsitzenden Edwin Balzter üblicherweise.

In Eichenzell

Abschied nach 40 Jahren: Edwin Balzter (CDU) leitete seine letzte Gemeindevertreter-Sitzung

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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40 Jahre lang war Edwin Balzter Gemeindevertreter in Eichenzell. Die vergangenen 15 Jahre saß der Löschenröder ganz vorn, auf dem Stuhl des Vorsitzenden. In der Sitzung am Donnerstagabend hat der 73-Jährige das letzte Mal zur Glocke gegriffen.

Eichenzell - „Es war ein spannende Zeit. Viele interessante Menschen habe ich über die Politik kennengelernt. Mit allen Bürgermeistern, die die Gemeinde seit der Gebietsreform hatte, habe ich zusammengearbeitet“, blickt Edwin Balzter zurück. „Manches ist mühsam, nicht jede Sitzung macht Spaß.“

Der CDU-Mann aus dem Landkreis Fulda weiter: „Aber in der Kommunalpolitik spürt man die Ergebnisse seiner Arbeit vor Ort. Wenn man sieht, wie ein Feuerwehrauto gekauft oder ein Bürgerhaus erweitert wird, weil man es als Gemeindevertreter so beschlossen hat, dann ist Politik nicht nur Theorie.“

Edwin Balzter (CDU) leitet Donnerstag seine letzte Gemeindevertreter-Sitzung in Eichenzell

Die Gebietsreform von 1972 war noch nicht verdaut, als Edwin Balzter im März 1977 erstmals in die Gemeindevertretung einzog. Ein Bekannter hatte ihn drei Jahre zuvor überzeugt, in die CDU einzutreten. „Mich überzeugte, dass die CDU für die Soziale Marktwirtschaft eintritt: Der Staat muss Regeln aufstellen, damit die Wirtschaft Erfolg haben kann, und er muss dafür sorgen, dass die Arbeitnehmer am Erfolg beteiligt werden.“ 

Auch Dr. Alfred Dregger hatte ihn beeindruckt: Als Balzter bei der ÜWAG in Fulda anfing, war Alfred Dregger – neben den Mandaten in der Politik – Kaufmännischen Vorstand des Versorgers. „Seine persönliche Aura und seine Energie haben mich beeindruckend: Abends sah man ihn im Fernsehen bei ‚Mainz, wie es singt und lacht‘, am nächsten Morgen saß er frisch am Schreibtisch bei der ÜWAG.“

CDU-Mann Edwin Balzter - 15 Jahre Vorsitzender der Gemeindevertretung in Eichenzell

Nach einer Wahlperiode als „einfacher“ Gemeindevertreter wurde Balzter 1981 Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses und blieb es zehn Jahre lang, danach war er fünf Jahre lang Vorsitzender der CDU-Fraktion. Nach einem Herzinfarkt, bei dem es für den Familienvater um Leben und Tod ging, trat er bei der Kommunalwahl 1997 nicht mehr an.

„Aber schon kurz nach der Wahl baten mich meine Parteifreunde um Unterstützung. So saß ich dann doch wieder in jeder Sitzung der Gemeindevertreter dabei – nur eben nicht in der Fraktion, sondern auf einem Besucherstuhl.“ 2001 trat Edwin Baltzer dann wieder für die Gemeindevertretung in Eichenzell an und wurde gewählt.

Als die CDU 2006 die Mehrheit zurückeroberte, wurde Balzter Vorsitzender der Gemeindevertretung – und blieb es 15 Jahre lang. Zu Beginn seiner letzten Wahlperiode wurde das Amt etwas schwieriger, weil der Ton mit dem Einzug der Bürgerliste etwas rauer wurde. Aber mittlerweile hat sich das Miteinander in Eichenzell eingespielt.

Edwin Baltzer ist im Landkreis Fulda ehrenamtlicher MIT-Geschäftsführer

30 Jahre lang war er Vorsitzender der CDU Löschenrod, 14 Jahre gehört er dem Ortsbeirat an. In seiner letzten Sitzung am Donnerstag erwartet Balzter nur bei einem Thema strittige Debatten: dem Bebauungsplan für den Brecherstandort bei Welkers.

Auch überregional wirkte Balzter: Von Juli 2007 bis September 2011 – nach Dr. Walter Arnold bis zur Wahl von Frank Hartmann – war er Landesvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT). Im Kreis Fulda ist er bis heute ehrenamtlicher Geschäftsführer der MIT – und wird dies noch ein bisschen bleiben.

Wenn Balzter die Sitzung am Donnerstag in Eichenzell schließt, dann wird er das mit einem lachenden und einem weinenden Auge tun: „Ich freue mich über die freie Zeit. Denn das Leben ist endlich, und ich habe auch privat noch viel vor. Aber die politische Arbeit für die Gemeinde, sie erfüllt doch.“

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