Ein 62-jähriger Landwirt aus Eichenzell versorgte 200 seiner Tiere mangelhaft. (Symbolbild)
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Ein 62-jähriger Landwirt aus Eichenzell versorgte 200 seiner Tiere mangelhaft. (Symbolbild)

Verstoß gegen Tierschutzgesetz

Landwirt aus Eichenzell vernachlässigt seine rund 200 Tiere - Zahlreiche Rinder verenden

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Weil ein 62-jähriger Landwirt aus Eichenzell etwa 200 seiner Tiere mangelhaft versorgte und einige von ihnen infolgedessen verendeten, ist er vor dem Amtsgericht Fulda am Montag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. 

Fulda - Als Halter der Tiere sei der 62-Jährige seiner Pflicht, die Tiere angemessen zu ernähren, zu pflegen, artgerecht unterzubringen und die notwendigen tierärztliche Versorgungen sicherzustellen, nicht nachgekommen. Das verlas Staatsanwältin Jessica Maier in ihrer Anklageschrift. Ein Amtsarzt habe festgestellt, dass die Rinder, Kühe und Kälber unter anderem unter gestörten Allgemeinbefinden, Abmagerungen, Atemwegserkrankungen, Unterentwicklungen, eitrigen Entzündungen von Brust, Fell und Lunge sowie Entwicklungsverzögerungen litten. Damit habe er die Tiere „hochgradig geschädigt“, sodass einige von ihnen verendet seien, sagt Maier. Der Vorsitzende Richter Christoph Mangelsdorf nannte die Zahl 200, als es um die ungefähre Anzahl der betroffenen Tiere ging.

Durch seinen Anwalt Marc-Thilo Müller ließ der Angeklagte erklären, dass er seinen Betrieb mit seiner Ehefrau bis zu deren Tod im Jahr 2015 geführt habe. Dabei habe sich primär seine Frau um die Versorgung der Tiere gekümmert. Durch ihren Tod sei er in eine Lebenskrise geraten, in deren Verlauf es mit seinem Hof zusehends bergab gegangen sei. Er sei überfordert gewesen, weshalb es zu den in der Anklageschrift und außerdem durch Fotos dokumentierten Zuständen in seinem Stall gekommen sei. Nun lebe er mit seiner aktuellen Lebensgefährtin zwar noch auf dem selben Hof, halte jedoch selbst keine Tiere mehr. (Lesen Sie hier: Frau aus Sinntal wird in Drogen-Prozess zur Kronzeugin).

Eichenzell: Verstoß gegen Tierschutzgesetz vor Gericht - Landwirt ließ Tiere verenden 

Staatsanwältin Maier forderte schließlich eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung. Müller äußerte, es sei ein „gewaltiges Maß an Tierwohl, das hier in Mitleidenschaft gezogen wurde“ und war ebenso der Meinung, dass eine Geldstrafe in diesem Fall nicht ausreiche. Er forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Richter Mangelsdorf hingegen entschied sich für einen Kompromiss aus beiden Forderungen: Er verurteile den 62-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, 1000 Euro Geldstrafe, die an eine Tierschutzeinrichtung zu entrichten sind sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Zugunsten des 62-Jährigen wertete er, dass dieser sich – abgesehen von zwei kleineren Delikten, die ebenfalls in Zusammenhang mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb stünden – in der Vergangenheit nichts habe zuschulden kommen lassen. Außerdem habe der Angeklagte sich geständig gezeigt. Die Lebenskrise, in der er sich nach dem Tod seiner Frau befunden habe, sei zwar eine Erklärung für das Geschehene, jedoch keine Entschuldigung. Es handele sich laut Mangelsdorf um ein „gigantisches“ Ausmaß, das seine Lebenskrise zur Folge hatte.

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