Johannes Rothmund (CDU), Bürgermeister von Eichenzell, hat bei der Demo der Wirthwein-Mitarbeiter gesprochen.
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Johannes Rothmund (CDU), Bürgermeister von Eichenzell, hat bei der Demo der Wirthwein-Mitarbeiter gesprochen.

Standort in Eichenzell wird geschlossen

Nach zweiter Wirthwein-Verhandlungsrunde: Gemeinde wirft Frage nach der Neuverwendung der Immobilie auf

  • Selina Eckstein
    vonSelina Eckstein
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Perspektive für die Beschäftigten: In der zweiten Verhandlungsrunde zwischen der Wirthwein AG und der IG Metall konnten sich die Parteien einigen. Die Mitarbeiter werden zum Jahresende nicht arbeitslos, sondern können in eine Transfergesellschaft wechseln. Für Eichenzells Bürgermeister, Johannes Rothmund (CDU), spielt aber auch der Standort eine wichtige Rolle.

Update vom 25. Juni, 14 Uhr: Die Gemeinde Eichenzell hat sich in einer Pressemitteilung geäußert. In dieser begrüßt Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund die gefundene Lösung, die „die Erhaltung der Arbeitsplätze bis zum ende des Jahres 2021 in einer Transfergesellschaft garantiert.“

Die Beschäftigen erhielten laut Rothmund somit mehr Zeit, sich nach einem neuen Arbeitsplatz umzusehen. Wichtig sei laut dem Gemeindeoberhaupt außerdem zügig eine neue Verwendung für die Immobilie der Firma Wirthwein zu finden. „Im Idealfall sollten dabei auch geeignete Arbeitsplätze für die heute Beschäftigten geschaffen werden", betonte der Bürgermeister.

Lesen Sie hier die Erstmeldung vom 22. Juni 2020:

Nach zwei Verhandlungsrunden sowie zwei öffentlichkeitswirksamen Demonstrationen haben sich die IG Metall und die Wirthwein AG geeinigt. Das gab die IG Metall in einer Pressemitteilung bekannt. Ergebnis: Die Beschäftigten des Standorts in Eichenzell werden zum Jahresende nicht arbeitslos, sondern können in eine Transfergesellschaft wechseln und dort für 12 Monate 80 Prozent ihres bisherigen Netto-Einkommens erhalten.

Der abgeschlossene Sozialtarifvertrag sei „ein klares gemeinsames Signal und Zeichen für die Anerkennung, die Wertschätzung und den Respekt für die langjährig Beschäftigten am Standort Eichenzell ist“, heißt es in der Mitteilung der IG Metall. Dies sei das „gemeinsame Verständnis“ von Gewerkschaft und Unternehmen.

Der Standort von Wirthwein in Eichenzell wird geschlossen.

Wirthwein AG will Beschäftigte in Eichenzell bei Job-Suche unterstützen

Die Wirthwein AG teilte auf Nachfrage unserer Zeitung mit: „Uns ist sehr wohl bewusst, dass durch die Corona-Krise die aktuelle wirtschaftliche Lage schwierig ist. Wir leisten für die Beschäftigten aktive Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen.“ Zudem würden Qualifizierungsmaßnahmen und Lehrgänge angeboten werden.

Wie die Wirthwein AG auf Nachfrage ebenfalls berichtet, habe es zwischenzeitlich Gespräche mit Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund sowie mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Brand (beide CDU) gegeben. Zu den Inhalten wollte sich das Unternehmen allerdings nicht äußern.

Nach Einigung bei Wirthwein: IG Metall spricht von einem „Erfolg der Solidarität“

Die IG Metall nannte das Verhandlungsergebnis einen „Erfolg der Solidarität“. Uwe Zabel, Verhandlungsführer der IG Metall-Bezirksleitung Mitte, erklärte außerdem: „Zusätzlich wurde für jedes IG Metall-Mitglied eine ,Corona-Prämie‘ in Höhe von einmalig 1500 Euro sowie eine Anwesenheitsprämie vereinbart, um die Verlagerungspläne konstruktiv umzusetzen.“

„Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist Zeit mehr wert als Geld. Die Schließung des Standorts konnte damit zwar nicht verhindert werden, aber die betroffenen Beschäftigten werden durch den Abschluss nicht sofort arbeitslos. Mit der Transfergesellschaft erhalten die gekündigten Beschäftigten die Chance, sich in Ruhe und mit geringen Einkommenseinbußen beruflich neu zu orientieren“, ergänzte Robert Weißenbrunner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda.

In einer geheimen Abstimmung hatten die IG Metall-Mitglieder bei Wirthwein mit 98 Prozent für die Annahme des Verhandlungsergebnisses gestimmt. (sec, akh)

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