Das Eika-Gebäude wurde mit großem Aufwand saniert.
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Das Eika-Gebäude wurde mit großem Aufwand saniert.

Wachs tropfte durch die Decke

Viel Lob für Sanierung des Eika-Gebäudes in Fulda – Denkmalschutzpreis-Jury zeigt sich begeistert

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Gewonnen haben die Eheleute Hausner den Hessischen Denkmalschutzpreis 2020 für die Sanierung des Eika-Gebäudes noch nicht. Aber die Jury mit Experten aus ganz Hessen zeigte sich am Mittwoch begeistert vom Elan und dem Ergebnis der Sanierung.

  • Denkmalschutzpreis-Jury zeigt sich begeistert von Sanierung des Eika-Gebäudes in Fulda.
  • In die Sanierung der früheren Kerzenfabrik investierte das Ehepaar Kerstine und Gerd Hausner einen Millionenbetrag.
  • Der Hessische Denkmalschutzpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und am 15. September in Wiesbaden verliehen.

Fulda - „Man spürt die Leidenschaft der Hausners für den Denkmalschutz“, lobte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, nach einem Gang durch das Gebäude. „Damit ist ein wichtiges Ziel der Preisvergabe schon erreicht: Wir wollen zeigen, dass Denkmalschutz nicht nur bemerkenswerte Häuser bewahrt, sondern dass er den Beteiligten auch viel Freude machen kann.“

Eika-Gebäude in Fulda: Denkmalschutzpreis-Jury begeistert von Sanierung

Die Jury aus Vertretern der Denkmalbehörden, des Handwerks, Preisträgern des vergangenen Jahres und den Stiftern Hessen-Lotto nahm am Mittwoch und Donnerstag in Hessen elf Objekte unter die Lupe, die es ins Finale geschafft haben. Zweiter Bewerber aus der Region ist die Villa Raab in Alsfeld.

Das Eika-Gebäude war seit 1824 Sitz der Traditionsfirma Eickenscheidt, später Eika. Sie war einst Zentrum der deutschen Kerzenfabrikation. Seit der Restaurierung (2016–2019) wird es vor allem von den Maltesern genutzt. 

Kerstine und Gerd Hausner (vorn) bekamen viel Lob vonMarkus Harzenetter, Britta Schack und Adrian Hehl (von links).

„Als wir das Gebäude zum erstenmal sahen – von vorn, von der Schokoladenseite –, waren wir fasziniert. Aber schon beim Anblick der Rückseite musste man sich festhalten: Das war ein Drama. Löcher in den Wänden, das Dach war überwiegend defekt und voller Hausschwamm“, schilderte Investor Gerd Hausner.

Der 69-Jährige aus der bayerischen Rhön hat das Haus mit seiner Ehefrau Kerstine (56) gekauft und saniert. Gerd Hausner blickte zurück:„Mit der Sanierung folgten aufregende Tage.“ „Und schlaflose Nächte“, ergänzte seine Frau. 

„Es war ein Glücksfall, dass Hausners Interesse an dem Objekt hatten. Mit ihnen ist die Immobilie in die richtigen Hände gekommen“, lobte Adrian Hehl, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Fulda. „Schon bei ähnlichen Projekten wie der ehemaligen Landeszentralbank und der Wollgarnfabrik hat sich das Ehepaar vorbildich engagiert.“

Das Eika-Gebäude habe sich bei der Übernahme durch Hausners in „einem katastrophalen Zustand“ befunden, so Hehl: „Kerzenwachs tropfte durch die undichten Decken, auf Anbauten wuchsen Bäume.“  Viele Arbeiten hätten Hausners selbst gemanagt, berichtete Hehl.

Hausners kauften in Berlin 5000 alte Backsteine für die Fassade und alte Scheinwerfer für die Beleuchtung der Treppenhäuser. Sie packten beim Anstreichen selbst an.

Im Inneren wurde der Charakter des Gebäudes erhalten

„Es war gar nicht einfach, Mieter für die Immobilie zu finden“, erinnerte Britta Schack, Bezirkskonservatorin im Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Die Nutzung als Wohnimmobilie war und ist durch den Bebauungsplan ausgeschlossen.

Mieter der Immobilie sind neben den Maltesern die Werbeagentur S/Company sowie das Yoga- und Pilates-Studio Blaue Stunde. Beide Unternehmen haben die großen Industrieräume durch ihre Nutzung nur wenig verändert, wie die Jury am Mittwoch sah.

Preisverleihung am 15. September in Wiesbaden

Hausners haben einen Millionenbetrag in die Sanierung investiert. Genaue Summen nennen sie nicht. Warum engagieren sie sich im Denkmalschutz? „Das erste Projekt – die Sanierung der Landeszentralbank in der Rabanusstraße – war Zufall. Wir hatten eine einfache Stadtvilla gesucht“, blickte Hausner zurück.

„Daran haben wir gesehen: Eine Sanierung beschäftigt uns lang und intensiv, aber man kann kreativ sein, und sie ist am auch Ende auch finanziell lohnend.“ Er bilanziert: „Eine Sanierung bedeutet Freude.“ 

Der Hessische Denkmalschutzpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird von Hessen-Lotto gestiftet. Die Auszeichnung wird am 15. September in Wiesbaden verliehen.

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