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Eine Maske zur Pizza: Gastronomen halten sich mit Lieferangeboten über Wasser

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Wer mit seinem Restaurant oder Café normalerweise sein Geld verdient, für den ist die Coronakrise eine unglaublich schwierige Zeit. Manche halten sich gut mit Lieferangeboten über Wasser, laut Dehoga sind sie aber die Ausnahme.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer

Ristorante UNA, Petersberg

„Es ist schwierig für uns, der Abholservice läuft nicht so gut wie unser À-la-carte-Geschäft, zudem hatten wir die letzten Tage eigentlich ein hervorragendes Terrassenwetter“, berichtet Armin Alijagic, Inhaber des „Ristorante UNA“ und „Café Berlin“ in Petersberg.

Da die benötigten Mengen schwer einschätzbar seien, kaufe das Team jeden Tag frisch ein. „Genauso schwer ist es, das Personal einzuteilen. An einem Tag können es nur 10 bestellte Gerichte sein und an einem anderen vielleicht 50.“

Das Hauptproblem sei es, die laufenden Kosten zu decken und die Familien zu ernähren. „Wir wollen das als Team durchstehen und möchten uns von keinem Mitarbeiter trennen“, betont Alijagic. Der Zusammenhalt in der Gastroszene sei sehr gut. Informationen und Empfehlungen an Gäste würden rege ausgetauscht. Hier hält man zusammen“, freut sich der Gastronom.

Doch die Pizzeria vertreibt nicht mehr nur Essen, sondern stellt selbst Masken her. „Das entstand aus der Idee heraus, unser Personal zu schützen. Meine Frau hatte noch Stoff zuhause und nähte zwei Masken. Beim Abendessen überlegten wir, wie wir unseren Abholservice attraktiver gestalten können und boten sie bei einer Bestellung ab 20 Euro kostenlos mit an“, berichtet Alijagic. Die Nachfrage danach werde immer größer.

Café Glück, Fulda

Modisch richtig schicke Masken produziert nun auch das „Café Glück“ in Fulda. Auf der Facebook-Seite stehen eine ganze Menge an unterschiedlichen Modellen zur Wahl. Für 15 Euro wird eine Behelfsmaske verschickt, wie sie das Robert-Koch-Institut empfehle. Vier Euro gehen dabei als Spende an das Tierheim Fulda-Hünfeld, das ebenfalls unter der Krise leidet.

Restaurant Praforst, Hünfeld

Von einer großen Unterstützung berichtet Carolin Zuspann. Die Zuspanns betreiben das Restaurant Praforst sowie einen Cateringbetrieb. „Die Gäste haben alle Angst um ihre heimische Gastronomen und sprechen uns viel Mut zu. Aus diesem Grund wird auch fleißig bestellt, damit sich in unserer Küche das Rad weiterdreht“, berichtet die Unternehmerin. Darunter seien viele ältere Menschen.

„Durch schnelles und frühzeitiges Handeln konnten wir einen Onlineshop mit Lieferservice aufbauen“. Die Karte ändere sich regelmäßig, um Vielfalt zu bieten. Neben dem Stellen all der Anträgen für Kurzarbeitergeld und Fördermitteln oder Stundungen von Kosten sei die Ungewissheit groß, wann es wieder „normal“ weitergehen könne. „Gäste und Veranstalter sind verunsichert und stornieren derzeit sogar schon Veranstaltungen und Feiern für die Sommermonate“, bedauert Zuspann. Zum Teil würden die Veranstaltungen in den September oder Oktober verlegt. „Daher hoffen wir auf einen langen Herbst mit mehr Tagen, als der Kalender her gibt, damit wir dann allen gerecht werden können“, wünscht sich Zuspann.

Ein paar Wochen könnte der Betrieb auf die aktuelle Art noch aufrecht erhalten werden. Allerdings können nicht alle Bereiche mit dem Liefer- und Abholservice abgedeckt werden. „Oberste Prämisse ist es, alle Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter erhalten zu können“, verspricht Zuspann – und lobt die „hervorragende Unterstützung“ der Dehoga, des Steuerbüros, der Versicherungsgesellschaft sowie „wachsamen Kollegen, die gute Tipps weitergeben“

Pizzeria Adria, Steinau an der Straße

Offenbar viel mehr Nachfrage als erwartet erfährt indes die Pizzeria Adria in Steinau. Das Team entschuldigt sich auf Facebook dafür, dass es in der Anfangsphase mit der Lieferung etwas länger gedauert hat, weil man nicht mit so viel Interesse gerechnet hatte und nicht entsprechend aufgestellt war. Inzwischen sucht die Pizzeria sogar kurzfristig neues Küchenpersonal. Und es gibt noch eine gute Nachricht: Die Kooperation mit der Eisdiele Ciao Ciao in Schlüchtern darf weiter verfolgt werden. „Eis kann nur bei vorheriger telefonischer Bestellung abgeholt werden. Geliefert wird Eis nur in Verbindung mit anderen Gerichten unserer Speisekarte“, erläutert das Adria-Team die Regeln dafür.

Lindenhof, Keulos

Auch im Lindenhof in Keulos freut man sich über die gute Nachfrage beim Abholservice. „40 bis 80 Essen am Tag verkaufen wir bestimmt, an sehr guten Tagen sogar etwas mehr“, berichtet Inhaber Christian Vey. Angesichts des komplett brachliegenden Übernachtungsbetriebs und der vielen abgesagten Veranstaltungen sei dies natürlich nur ein tropfen auf den heißen Stein, aktuell aber sein sehr hilfreicher. „Bis Anfang Mai kann das vielleicht noch so weitergehen“, sagt Vey, aber dann müsse sich an der Situation etwas ändern. Die staatlichen Hilfen seien schließlich schnell aufgezehrt.

„Der Florenberg“, Pilgerzell

Erfolgsgeschichten in der Krise sind in der Gastroszene die Ausnahme. „Der Speise- und Getränkeumsatz liegt quasi bei Null“, berichtet Leonora Frohnapfel, Inhaberin von „Der Florenberg“. Sie fürchtet, „dass wir die Branche sind, die als erstes die Auswirkungen zu spüren bekamen und die Letzten, bei denen die Geschäfte wieder normal laufen“.

Goldener Karpfen, Fulda

Dass es bald endlich im Restaurant weitergehen kann, hofft auch Renate Tünsmeyer vom „Goldenen Karpfen“ in Fulda. Mit entsprechendem Abstand im Restaurant und hoher hygienischer Sorge wäre es ihrer Meinung nach kein Problem, die Gastrobetriebe wieder zu öffnen. „Zusammen essen zu gehen, das ist doch gut für die Lebensfreude. Und das wiederum stärkt das Immunsystem“, ist sich Tünsmeyer sicher. Unter anderem bietet das Restaurant aktuell Spargelgerichte zum Mitnehmen an. „Schlangen bilden sich aber nicht“, stellt Tünsmeyer mit leicht zynischem Unterton fest. Man möchte mit dem Angebot vor allem den Stammgästen eine Freunde machen. „Aber natürlich darf jeder gerne kommen“, betont die Karpfen-Chefin.

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