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Eine Schlägerei, drei Instanzen: Angeklagter jetzt doch verurteilt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Sechs Monate Freiheitstrafe, Freispruch und jetzt eine Geldstrafe: Der Fall, bei dem ein 27-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war, wurde von verschiedenen Gerichten unterschiedlich bewertet. In einer Berufungsverhandlung sprach Landgerichtspräsident Dr. Jochen Müller nun das Urteil.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Der Vorfall liegt schon lange zurück: In der Silvesternacht am 1. Januar 2016 soll der Angeklagte zusammen mit zwei Cousins einen Mann vor einer Bäckerei in Künzell zusammengeschlagen und gefährlich verletzt haben. Der Angeklagte soll dabei der Haupttäter gewesen sein.

Erstmals verhandelt wurde der Fall im April 2017 vor dem Amtsgericht Fulda. Das Urteil lautete damals: Sechs Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Dagegen legte der Mann Berufung ein und hatte Erfolg: Das Landgericht Fulda sprach ihn Ende 2017 frei.

Staatsanwaltschaft legte Revision ein

Die Schilderung des Opfers könnte so nicht stimmen, weil die Verletzungen heftiger hätten aussehen müssen. Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Das Oberlandesgericht Frankfurt sah das als begründet an und gab den Ball zurück ans Landgericht Fulda, das den gesamten Prozess nun noch einmal unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Dr. Jochen Müller durchführte. Zunächst war bloß ein Verhandlungstag angesetzt, jedoch musste ein zweiter gefunden werden, da die Beweisaufnahme länger dauerte als erwartet. Letztlich verurteilte Müller den 27-Jährigen zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Die Berufungskammer sei davon überzeugt, dass der Angeklagte, der momentan in Karlsruhe studiert, sich einer gefährlichen Körperverletzung im minderschweren Fall schuldig gemacht habe, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung.

Weitere Ablauf nicht mehr aufklärbar

So gehe die Kammer davon aus, dass es zunächst zu einem Böllerwurf in Richtung des Autos des späteren Opfers gekommen war. Der Wagen fuhr dann rückwärts auf die Gruppe junger Frauen zu, aus deren Richtung der Wurf kam. Es kam zu beleidigenden Äußerungen und schließlich zur Schlägerei, nachdem der Angeklagte und seine beiden Cousins hinzugekommen waren.

Der weitere Ablauf sei im Einzelnen nicht mehr aufklärbar. „Fest steht aber, dass es zu einem Wortgefecht und einem Gerangel zwischen dem Angeklagten und seinen Cousins einerseits und dem Geschädigten andererseits kam“, heißt es in der Begründung. Der Streit sei eskaliert, und der Geschädigte brach sich den kleinen Finger.

Geschädigte sei glaubhaft gewesen

Das Verletzungsbild lasse sich mit dem von dem Opfer beschriebenen Tatgeschehen in Einklang bringen, ist die Berufungskammer überzeugt – das war bei der Verhandlung 2017 am Landgericht ja bezweifelt worden. Der Geschädigte und auch andere Zeugen seien glaubhaft gewesen.

Nicht gefolgt ist die Kammer der Einlassung des Angeklagten, er habe lediglich „geschlichtet“ und die Tat nicht begangen.

Bei der Strafzumessung ging Müller schließlich von einem minderschweren Fall aus, weil die Verletzungen vergleichsweise gering ausgefallen seien und das Opfer selbst auch zur Eskalation beigetragen habe.

Strafe: 120 Tagessätzen zu je 15 Euro

Das Gesetz sieht für einen minderschweren Fall der gefährlichen Körperverletzung einen Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. Die Kammer hat eine Freiheitsstrafe von vier Monaten für tat- und schuldangemessen erachtet und von der gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht, kurze Freiheitsstrafen von unter sechs Monaten in eine Geldstrafe umzuwandeln, so dass der Angeklagte nun 120 Tagessätzen zu je 15 Euro zahlen muss.

Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, die vom Amtsgericht verhängte Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, aufrecht zu erhalten. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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