Eiscafé-Inhaber Gennaro Arresta sitzt mit FZ-Volontärin Alina Hoßfeld auf der Blauen Couch.
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Gennaro Arresta berichtet Alina Hoßfeld von den Geschäften in seinen Eiscafés in der Friedrichstraße und der Lindenstraße.

Eiscafé-Inhaber Gennaro Arresta:

„Wir haben 12.000 Kugeln Eis verschenkt“

  • vonAlina Hoßfeld
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Mehrere Wochen konnten die Fuldaer trotz Sonnenschein und warmen Temperaturen kein Eis von Eisdielen genießen, da diese wegen des Coronavirus geschlossen bleiben mussten. Auch Gennaro Arresta war betroffen. Der 44-Jährige betreibt in der Friedrichstraße und der Lindenstraße die Eiscafés Bonifatius.

Fulda - „Wir sind direkt aus der Wintersaison gekommen und haben fünf Monate keine Einnahmen gehabt“, beschreibt Arresta die Situation vor ein paar Wochen. „Man freut sich dann natürlich, wenn gutes Wetter im März ist. Wir hatten sogar ein paar Tage die Terrasse voll“, fügt er an.

Als klar wurde, dass er komplett schließen muss und auch kein Eis aus dem Fenster verkaufen darf, war Arresta überrascht: „Wir haben nicht damit gerechnet. Wir hatten bereits 500 Liter Eis vorbereitet und neue Zutaten gekauft. Das Eis hält sich zwar eine Zeit lang, aber ich wollte es nicht lagern und warten, bis ich wieder öffnen darf.“

Eis wurde verschenkt

Über die Entscheidung, Eisdielen zu schließen, sagt er: „Uns hat es hart getroffen, aber es hat viele härter getroffen. Außerdem waren kaum Passanten in der Stadt, und es hätte sich vermutlich nicht gelohnt, zu öffnen.“

Das Eis und die Zutaten wegzuwerfen, das war für den 44-Jährigen allerdings auch keine Option. Schließlich produzierte er sogar noch mehr Eis und verschenkte es im Klinikum, im Herz-Jesu-Krankenhaus, im Mediana und in Supermärkten. „Das waren ungefähr 12.000 Kugeln Eis. Ich wollte den Menschen einfach eine Freude machen“, erzählt Arresta.

Kein Umsatz

Der Umsatz war bei null, die Kosten mussten natürlich trotzdem gezahlt werden. „Wir haben staatliche Hilfe bekommen. Dennoch werden wir einen Kredit aufnehmen müssen“, fasst er zusammen.

„Ich hoffe, dass sich die Gäste Ende Juni wieder auf die Terrasse setzen können – auch wenn es Einschränkungen geben wird. Das wäre immer noch besser als gar kein Eis verkaufen zu dürfen“, fügt Arresta an.

Spezielle Eissorte für Musicalsommer

Zudem fallen in diesem Jahr viele Veranstaltungen, Busreisen und der Musicalsommer aus. „Die Touristen bleiben weg. Mit ihnen machen wir unser Hauptgeschäft. Das wird alle Gastronomen in der Friedrichstraße betreffen“, erklärt Arresta.

Extra für den Musicalsommer hat er sogar eine spezielle Eissorte kreiert: Robin Hood, bestehend aus Boskoop-Äpfeln. Auch wenn der Musicalsommer ausfällt, wird es die Sorte im Eiscafé Bonifatius geben.

Neben Klassikern gibt es noch weitere spezielle Sorten wie Ingwer-Orange, Schwarzer Sesam oder Spargel-Erdbeer. Insgesamt produziert Arresta 70 verschiedene.

Viel Zeit mit der Familie

Während sein Eiscafé geschlossen hatte, habe er viel Zeit mit seiner Familie zu Hause verbracht. „Wir haben Dinge erledigt, für die wir sonst keine Zeit haben. Unter anderem haben wir zusammen gefrühstückt und einen Spieleabend gemacht. Zudem haben wir unser Lager im Eiscafé aufgeräumt“, sagt der Vater von vier Kindern.

Als er vergangene Woche erfahren habe, dass er am Montag wieder öffnen dürfe, habe er am Wochenende Eis produziert und Vorbereitungen getroffen.

Rücksichtsvolle Kunden

„Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass wir öffnen durften. Wir konnten leider nicht alle Sorten anbieten, weil wir nicht alle Zutaten bekommen haben. Einige Zutaten beziehen wir nämlich aus Mailand in Italien. Die restlichen Zutaten stammen aus der Region. Neben der Eisproduktion haben wir außerdem Hygienemaßnahmen getroffen: Bei der Eisherstellung gibt es eine hohe Grundhygiene und die haben wir unter anderem durch einen Spuckschutz erweitert“, erklärt Arresta.

Die Kunden verhalten sich laut Arresta sehr rücksichtsvoll. „Sie sind entspannt und nehmen Rücksicht aufeinander“, erklärt der gelernte Maler und Lackierer.

Ausschließlich Eis in Bechern

Doch ganz ohne Auflagen geht es nicht: Es darf ausschließlich im Becher verkauft werden. Zudem dürfen keine Sitzgelegenheiten aufgebaut werden. Der Kunde muss 50 Meter von der Eisdiele entfernt sein, um das Eis essen zu dürfen.

Neben dem Stammhaus in der Friedrichstraße, welches 2004 eröffnet wurde, betreibt Arresta eine weitere Filiale in der Lindenstraße. „Dort verkaufen wir nicht nur Eis. Es gibt dort Bubble-Waffeln und frisch gepresste Säfte“, erklärt er. Doch aufgrund der Auflagen gibt es an dem zweiten Standort, den er seit 2019 betreibt, ausschließlich Eis in Bechern.

Terrasse in Friedrichsstraße wird verkleinert

In Zukunft möchte Arresta beide Eiscafés weiterhin betreiben. Jedoch wird die Terrasse in der Friedrichstraße verkleinert: „Ich habe in den vergangen Wochen auch darüber nachgedacht, ob und wie ich die Eiscafés weiterführen möchte. Meine Frau und ich haben uns dann entschieden, alles ein bisschen kleiner und praktischer zu machen. Daher werden wir zwölf Tische weglassen. Zum einen wird das Abstandhalten in den Köpfen der Menschen bleiben und zum anderen hat das wirtschaftliche Gründe“, sagt Arresta abschließend.

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