Vier Zapfhähne mit der Aufschrift Diesel, Super und Super 10 stecken im September in einer Tankstellen-Zapfsäule in Berlin.
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Ab Oktober 2021 soll ein Energiekostenvergleich an Tankstellen Autofahrer informieren.

Energiekosten im Vergleich

„Kaufentscheidung beeinflussen“: Plakat an Tankstellen zeigt Preise von anderen Antrieben

Ab Oktober soll ein Energiekostenvergleich-Plakat an Tankstellen darüber informieren, wie viel Fahrer mit einem anderen Antrieb zahlen müssten. Was bezweckt der Vergleich, was kann er – und was nicht? Ein Überblick.

Warum gibt es das Plakat?
Es setzt eine europäische Richtlinie um. Zweck ist „künftige Kaufentscheidungen der Verbraucher bei der Personenkraftfahrzeugwahl zu unterstützen“, wie es im Gesetzestext heißt. Der Gedanke dahinter: Der Verbraucher soll einfach vergleichen können, was ihn die Energie für 100 Kilometer mit verschiedenen Antriebsformen kostet.
Grundsätzlich hält man das auch beim ADAC für sinnvoll, um Transparenz herzustellen und „auch die Kaufentscheidung ein Stück weit zu beeinflussen“. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt die Kennzeichnung ebenfalls: „Der Vergleich macht deutlich, dass die Elektromobilität für viele Autofahrerinnen und -fahrer nicht nur eine klimafreundliche, sondern auch eine finanziell attraktive Alternative ist“, heißt es von dort. (Lesen Sie hier: Wasserstoff-Busse und Schnelllade-Stationen - Fuldaer Kreistag will mehr „saubere Mobilität“)

E-Auto kommt günstiger weg: Plakat an Tankstellen soll Preise vergleichen

Was zeigt das Plakat?
Dem aktuellen Plakat – es soll vierteljährlich aktualisiert werden und kann beim Wirtschaftsministerium heruntergeladen werden – ist beispielsweise zu entnehmen, dass ein Mittel- oder Oberklassewagen mit Superbenzin 11,42 Euro Sprit- beziehungsweise Energiekosten pro 100 Kilometer verursacht. Mit Super E10 wären es 11,00 Euro, mit Diesel 7,48, mit einem Stromer 4,84. CNG (Erdgas) schlüge demnach mit 6,39 Euro zu Buche, LPG (Autogas) mit 4,96 und Wasserstoff mit 7,60.
Wie kommen die Werte zustande?
Für jede Antriebsart in jeder der beiden Fahrzeugkategorien werden die drei meistverkauften Fahrzeuge und deren offizieller Verbrauch nach dem aktuellen Fahrzyklus WLTP herangezogen. So erhält man einen Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometer. Zusammen mit dem Preis für den jeweiligen Energieträger ergeben sich dann Kosten pro 100 Kilometer. Beim Preis verwendet das Ministerium den Durchschnittswert des zweiten Quartals. Diese Zahlen sind auf dem Plakat aber nicht angegeben.

Strom für E-Autos im Vergleich am günstigsten

Bundesministerium

Auf unsere Anfrage, weshalb für Elektrofahrzeuge der Energiepreis ausschließlich beim Laden zuhause verwendet wird, antwortete am Donnerstag, 30. September, eine Sprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie:

„Der Ladestrompreis für Elektrofahrzeuge entspricht dem Durchschnittspreis für Ladestromtarife am Haushaltsanschluss. Mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge finden zu Hause statt. Tanken an öffentlichen Ladepunkten wird bei dieser Vergleichsrechnung berücksichtigt, aber aus methodischen Gründen derzeit noch nicht als eigener Faktor bei der Berechnung zu Grunde gelegt, da im Einzelfall eine Vielzahl sowohl strompreiserhöhender als auch strompreissenkender Effekte zu berücksichtigen sind.

Dazu gehören unter anderem zeitvariable Tarife, eine große Vielzahl unterschiedlicher Ladestrom- und Roamingpreismodelle, steuerlich begünstigte Lademöglichkeiten beim Arbeitgeber, kostenloses Ladestromangebot des Einzelhandels oder im Rahmen von Kundenbindungsprogrammen sowie kostensenkende PV-Eigenerzeugung oder im Rahmen von Mieterstrommodellen.“

Wo muss das Plakat hängen?
Tankstellen mit sieben Mehrfachzapfsäulen und mehr müssen es aufhängen oder auf einem Bildschirm präsentieren. Laut Schätzung des Tankstellenverbands ZTG betrifft das allerdings nur etwa 1500 der 14.500 Tankstellen in Deutschland. Das sei „das einzig gute“ an der neuen Regelung, sagt ZTG-Geschäftsführer Jürgen Ziegner, der das Plakat für „so überflüssig wie einen Kropf“ hält. „Es nutzt mir ja wenig, wenn ich unterwegs bin und tanken muss, und dann erfahre, wie viel ich zuhause für den Strom gezahlt hätte“, kritisiert er.

Preise vergleichbar? Wert für E-Autos beim Laden zuhause

Statements

Der Mineralölwirtschaftsverband zweifelt an der Sinnhaftigkeit des Kostenvergleichs. Hauptgeschäftsführer Christian Küchen: „Ob die Information an der Tankstelle dazu zählt, ist eher fraglich.“ Neben den Kraftstoffpreisen müsse man auch andere Faktoren kennen, um sich für eine Antriebsart zu entscheiden. „Das Potenzial, den Verbraucher umfassend über Kosten und Nutzen verschiedener Mobilitätsoptionen zu informieren, wird so leider nur zu einem sehr kleinen Teil ausgeschöpft“, sagte Küchen.

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, in dem viele Ladesäulenbetreiber organisiert sind, sieht den geplanten Vergleich kritisch. Man begrüße zwar, dass Transparenz geschaffen werden solle. „Die Darstellung schafft keine tatsächliche Transparenz, sondern könnte vielmehr zu einer falschen Erwartung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern führen“, sagte eine BDEW-Sprecherin. So sei der Verbrauch im Stadtverkehr völlig anders als bei Autobahnfahrten.

Das Energieversorgungsunternehmen Knittel aus Fulda wollte sich zum Thema ausdrücklich nicht äußern.

Wie genau sind die Angaben?
Auch wenn die Werte auf den Cent genau ausgerechnet und angegeben werden, können es aus mehreren Gründen nur grobe Vergleichswerte sein. Zum einen fährt der Verbraucher, der das Plakat beim Tanken liest, wahrscheinlich ein anderes Auto mit einem anderen Verbrauch. Auch sein Fahrstil macht hier einen großen Unterschied.
Zudem werden für die Berechnung nach Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums derzeit die Durchschnittspreise des zweiten Quartals verwendet. Seither ist beispielsweise Diesel um rund 9 Cent pro Liter teurer geworden, wie sich aus Zahlen des ADAC ergibt.
Und schließlich ist es – wie der Name schon sagt – nur ein Vergleich der Energiekosten. Andere Kosten rund ums Auto wie Anschaffung, Reparaturen, Versicherung und Steuer bleiben naturgemäß außen vor – obwohl sie den Posten Energiekosten in der Regel deutlich übersteigen.

Video: Höchster Spritpreis seit Jahren - An der Zapfsäule wird es immer teurer

Sonderfall Stromer
Besonders anfällig für Verzerrungen ist die Berechnung ausgerechnet bei Elektroautos, die laut Vergleich am günstigsten fahren. „Es fehlt die Information, dass bei E-Autos der durchschnittliche Haushaltsstrompreis zugrunde gelegt ist“, kritisiert der Mineralölwirtschaftsverband MWV. „Öffentliches und vor allem schnelles Laden ist meist teurer, und das reduziert den Preisunterschied zum Benziner erheblich.“
Laut Energiewirtschaftsverband BDEW liegt ein typischer Haushaltsstromtarif etwas über 30 Cent pro Kilowattstunde. An öffentlichen Ladesäulen seien es aber eher 39 bis 45 Cent und an Schnellladesäulen sogar 49 bis 79 Cent. Dahinter stecken unter anderem Kosten für die Infrastruktur, Betrieb, Wartung, Flächennutzung und die Zahlungsabwicklung. Doch auch diese Preise müssten berücksichtigt werden, damit die Angaben auf dem Plakat „mit den persönlichen Erfahrungen in Einklang gebracht werden können“, fordert der BDEW.
Das Wirtschaftsministerium rechtfertigt die Nutzung des Haushaltsstromtarifs unter anderem damit, dass mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zuhause stattfänden. Mittelfristig sollen aber auch die Kosten für das Laden unterwegs mit in die Berechnung einfließen.

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