Die Zeit drängt

Tunnelbau-Wettbewerb von Elon Musk: Mit dieser Maschine wollen Studenten aus Fulda gewinnen

  • Volker Nies
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Sie wollen es wissen: Jeden Tag schrauben die jungen Männer zehn bis zwölf Stunden bei FFT in Fulda in der Montagehalle. Die Zeit drängt. Mitte August soll ihre neue Tunnelbau-Maschine ins Flugzeug nach Las Vegas verladen werden.

Fulda - Sie haben sich viel vorgenommen, die sechs Dualen Studenten, die in Mosbach studieren und von denen drei bei FFT in Fulda arbeiten: Sie alle lieben Technik und das Tüfteln. Binnen weniger Monate wollen sie eine Tunnelbohr-Maschine bauen, die schneller und präziser gräbt als die bestehenden Geräte und auch als die Neuentwicklungen, die gerade parallel in elf Hochschulen weltweit entstehen. Zwölf Teams treten bei dem Wettbewerb von Tesla-Chef Elon Musk an. „Wir wollen ein bisschen frischen Wind in die Branche bringen“, verspricht Teamleiter Adrian Fleck (22) aus Fulda.

Ein Preisgeld gibt es nicht, aber die weltweite Aufmerksamkeit ist Lohn genug. „Einige Unternehmen haben jetzt schon Interessen an Komponenten unserer Maschine gezeigt – obwohl sie noch lange nicht einsatzbereit ist“, sagt Fleck. Dass die ganze Maschine später einmal genauso, wie sie jetzt konzipiert ist, von einem anderen Unternehmen nachgebaut und eingesetzt wird, das glaubt Adrian Fleck nicht.

Elon Musk: So wollen Studenten aus Fulda den Tunnelbau-Wettbewerb gewinnen

Heute sind Tunnelbaumaschinen langsam – sie sind langsamer als eine Weinbergschnecke, die drei Meter pro Stunde schafft. Schneller als eine Schnecke – das war die Forderung von Elon Musk. „Unsere Maschine wird fast doppelt so schnell werden“, ist Fleck optimistisch.

Der Traum von der Tunnelbohrmaschine nimmt derzeit konkrete Gestalt an. Die osthessischen Firmen FFT, Wassermann Technologie und Paul Himmelmann haben nach den Vorgaben des Teams Teile gefertigt. Auch die Wirtschaftsregion Fulda ist Förderer des Projekts.

Die Studierendengruppe: Teamleiter Adrian Fleck (22) aus Fulda, Heiko Otterbach (24) aus Schwäbisch-Hall, Alexander Gröber (26) aus Blaufelden, Jonathan Helbig (21) aus Schweinfurt, Martin Will (24) aus Dipperz, Daniel Klassen (22) aus Burghaun (von links).

Die Komponenten der Maschine haben es in sich. In vier Punkten soll der Dirt-Torpedo die bisherigen Tunnelbohrmaschinen schlagen: Er soll sich schneller fortbewegen, präziser navigieren, den Abraum zügiger wegräumen und den Tunnel bereits beim Bohren mit Beton auskleiden.

„Egal, ob Steine, Sand, Ton oder Beton – wir kommen überall durch“

Teamleiter Adrian Fleck

Das erste Segment bohrt sich wie ein klassischer Tunnelbohrer ins Erdreich. „Egal, ob Steine, Sand, Ton oder Beton – wir kommen überall durch“, sagt Fleck. Das Neue: Der abgetragene Boden wird gleich zerkleinert. Vor dem Tunnel, mit einem Schlauch mit dem Torpedo verbunden, steht ein Saugbagger, wie er für Unterwasserarbeiten verwendet wird. Er saugt die Erde vom Bohrort ab. Mit der angesaugten Luft wird zugleich der Motor gekühlt.

Ihre Entwicklung nannten sie Erd-Torpedo.

Das mittlere Segment sorgt für die Bewegung der Tunnelbohrmaschine. Teile der Segmente pressen sich dabei an die Tunnelwand, der gesamte Bohrer bewegt sich Segment für Segment kontinuierlich wie ein Regenwurm vorwärts. „Das bringt Geschwindigkeit, denn im klassischen Tunnelbau wechseln sich Bohrphasen mit Wartezeiten ab, in denen alles für den Vortrieb umgebaut und die Maschine versetzt wird“, erklärt Adrian Fleck.

Wettbewerb von Elon Musk: Studenten aus Fulda wollen ihre Maschine Ende Juli testen

Der hinterste Teil kleidet die Tunnelwand mit Beton aus: Der Beton fließt über einen großen Schlauch zur Maschine, Ventile drücken ihn in die Wände, Kunststofflippen streichen ihn glatt – alles zeitgleich mit dem Bohrbetrieb. Damit der Torpedo jederzeit weiß, in welche Richtung er bohren soll, wird die Position mit Hilfe von einem selbstentwickelten Lasersystem ermittelt. Das Navigationssystem erkennt, wenn die Maschine von der geplanten Bahn abkommt und steuert automatisch dagegen. Kurven sind ebenso möglich wie gerade Tunnelverläufe.

Produkt einer ganzen Region

Der Torpedo aus Fulda ist das Produkt einer ganzen Region. So sieht es Christian Vey, Projektmanager bei der Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Da wir das Projekt schon früh unterstützt haben, freuen wir uns umso mehr, dass die womöglich schnellste Tunnelbohrmaschine der Welt das Prädikat ,Made in FD‘ tragen wird. Dank der Hilfe heimischer Unternehmen wird der Torpedo nicht nur hier in Fulda montiert, sondern basiert zu einem großen Teil auf Engineering- und Produktions-Knowhow aus unserer Region.“ 

Ende Juli soll die Maschine getestet werden. „Wenn dieser Test nicht klappt, werden wir den Torpedo erst in der Wüste von Las Vegas testen können“, erklärt Fleck. „Für Verzögerungen und Fehlschläge ist keine Zeit.“

Rubriklistenbild: © Charlie Rolff

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