Eltern müssen alle Kinder, die sie im Auto zur Schule bringen, vorschriftsmäßig sichern - auch auf kurzen Strecken. Foto: Ralf Hirschberger
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Durch Corona hat sich das Problem der Elterntaxis vor Schulen verschärft.

Abhilfe durch Fahrgemeinschaften?

Immer mehr Elterntaxis: Schulleiter warnen vor Gefahren - Problem wird durch Corona verschärft

  • Lisa Krause
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Die größte Gefahr vor Schulen geht von „Elterntaxis“ aus. Laut einer ADAC-Studie haben fast zwei Drittel der Schulen ein deutliches Problem damit. Wie sieht es in der Region aus? 

Region - Parken an der Bushaltestelle oder Wenden auf dem Gehweg: Gestresste Eltern lösen vor Schulen regelmäßig Chaos aus, wenn sie ihre Kinder absetzen oder abholen. Viele ärgern sich über die sogenannten Elterntaxis. In der Corona-Pandemie hat sich der Alltag vieler Menschen aber verändert, was vor allem zum Ferienende deutlich wurde und auch mit dem Schulstart am Montag, 19. Oktober, weiterhin Thema bleibt. Die Schulen reagieren mit Hygienekonzepten auf die Situation. Manche Eltern denken neu über den Weg ihrer Kinder nach: Setzen wir sie in einen vollen Bus oder bringen wir sie doch lieber selbst?

Wegen Corona: Vermehrt Elterntaxis vor Schulen - Verärgerung bei Schulleiterin der Fuldaer Winfriedschule

Um überfüllte Busse mit zu wenig Abstand zu vermeiden, wollte der Landkreis Peine in Niedersachsen den Eltern helfen. Die Verwaltung kündigte vor einigen Wochen eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer für das Bringen der Kinder an und sorgte damit für einigen Wirbel. Nach viel Kritik an der finanziellen Förderung beendete der Kreis die Testphase wieder und räumte Fehler ein. In der Vorbereitung seien einige wichtige Faktoren wie die derzeitige Baustellen- und Umleitungssituation in Peine unberücksichtigt geblieben. Und grundsätzlich bleibt solch ein Konzept fragwürdig. Nicht umsonst warnt die Polizei immer wieder vor den Risiken der sogenannten Elterntaxis und kontrolliert auch vor den Schulen.

Verärgert zeigt sich Annette Albrecht, Schulleiterin der Fuldaer Winfriedschule. „Bei uns werden viele Kinder mit dem Auto gebracht. Gerade durch die Lage an der Leipziger Straße ist das natürlich gefährlich, und wir beschweren uns deshalb auch immer wieder bei den Eltern“, erklärt sie die Situation. Aber immerhin: „Wir haben vor den Herbstferien eine Abfrage unter den Eltern bezüglich Fahrgemeinschaften durchgeführt. Mehr als 25 Prozent der Teilnehmer sind dazu bereit, weitere Kinder auf der Fahrt zur Schule mitzunehmen.“ Albrecht erhofft sich dadurch nicht nur weniger Privatautos vor der Schule, sondern auch eine Entlastung der Schulbusse. Zudem habe sich die Mitarbeiter-SV der Winfriedschule das Konzept einer „Mitfahr-Börse“ überlegt. Somit hätten auch Kinder aus Orten, die etwas weiter entfernt liegen, die Möglichkeit einer Mitfahrgelegenheit.

Flexible Unterrichtszeiten und Bildung von Fahrgemeinschaft: So reagieren Schulen in Corona-Zeiten auf Elterntaxis

Eine weitere Maßnahme, die für eine Entschärfung der Situation in der Corona-Pandemie sorgen solle, seien flexible Unterrichtszeiten in der ersten, sechsten und siebten Schulstunde. Außerdem sei die Öffnungszeit der Schule auf 7 Uhr vorverlegt worden. „Wir werden nun in den kommenden Wochen beobachten, wie sich die Maßnahmen umsetzen lassen. Dann wird es auch noch einmal eine erneute Umfrage unter den Eltern geben, um gegebenenfalls nachjustieren zu können“, sagt Albrecht. Zudem wurden vom Landkreis Fulda und der LNG 22 zusätzliche Schulbusse zur Verfügung gestellt, um für Entlastung zu sorgen.

Gerhard Brink (Vizepräsident der Landesverkehrswacht Hessen): „Elterntaxis stellen eine konkrete Gefahr im Straßenverkehr dar“

Statt einer Elterntaxi-Prämie sollte es lieber eine „Zu-Fuß-Prämie“ geben. Die Zahlen bestätigen uns immer wieder, dass die meisten Unfälle, bei denen Kinder involviert sind, nämlich mehr als 20 Prozent, mit dem Auto passieren. Gerade, weil es morgens meist „schnell gehen muss“ und alle in Hektik sind. Vor der Schule stauen sich dann 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn die Autos. Hol- und Bring-Zonen werden im schlimmsten Fall noch außer Acht gelassen. Da ist es kein Wunder, wenn es zu Unfällen jeglicher Art kommt. Zum Vergleich: Die Zahl der verunglückten Kinder, welche zu Fuß unterwegs sind, liegt bei 9 Prozent.

Eltern dürfen keine Angst davor haben, ihr Kind zu Fuß in die Schule zu schicken – auch in Zeiten von Corona. Der Nachwuchs profitiert davon in jeglicher Hinsicht, etwa in der Persönlichkeitsentwicklung und Lernfähigkeit. Nicht zuletzt ist das Kind bereits am Morgen aktiv und meist macht der Schulweg – gerade mit anderen Mitschülern – einfach Spaß. Viel wichtiger finde ich es daher, dass der Schulweg mit Kindern intensiv und regelmäßig geübt wird. Dann kann auch nichts passieren.

Ein ähnliches Konzept steht auch an der Lichtbergschule in Eiterfeld an der Tagesordnung. Schulleiter Christian Pießnack erklärt, dass sie etwa die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen erst zur zweiten Unterrichtsstunde kommen lassen. „Zudem bitten wir die Eltern ebenfalls um die Bildung von Fahrgemeinschaften. Wie das nun umgesetzt wird, müssen wir in den kommenden Tagen beobachten.“

Kein größeres Problem mit Elterntaxis im Bergwinkel - Ein zusätzlicher Schulbus wegen Corona-Pandemie

Im Bergwinkel hingegen stellen die Elterntaxis kein größeres Problem dar, zumindest an der Bergwinkel-Grundschule in Schlüchtern. „Vor einigen Wochen kam es vermehrt dazu, dass Kinder mit dem Auto gebracht wurden. Das hat aber stark nachgelassen. Die Eltern vertrauen auf die Schulbusse. Hier wurde auch noch einmal – auf Nachfrage vieler Eltern – mit einem zusätzlichen Bus aufgestockt“, erklärt Schulleiterin Iris Müller.

Grundsätzlich verweise die Schule aber auch in der Corona-Pandemie regelmäßig auf den Schulweg zu Fuß – und wenn in Gruppen, dann natürlich mit einem Mund- und Nasenschutz. „Die Kinder machen das auch problemlos“, stellt Müller heraus.

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