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Flutlicht ade? Energiekrise trifft auch Liftbetreiber in der Rhön

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Von: Jessica Vey

Skisaison in Willingen
Ob das Flutlichtfahren in der kommenden Skisaison noch angeboten werden kann, ist fraglich. (Symbolbild) © Swen Pförtner/dpa

Bei warmen Temperaturen Ende August erscheint der Winter noch weit weg; viele mögen sicherlich noch gar nicht an die kalte Jahreszeit denken. Die Liftbetreiber in der Rhön blicken jedoch angesichts der drohenden Energiekrise bereits sorgenvoll Richtung Skisaison. 

Rhön/Vogelsberg - Die Liftbetreiber in der Region trauern immer noch dem Corona-Winter 2020/2021 hinterher. Es war ein sehr guter Winter mit reichlich Schnee, die stromfressenden Schneekanonen hätten kaum beansprucht werden müssen, die Betreiber hätten gute Einnahmen generieren können – doch die Lifte mussten im Lockdown geschlossen bleiben. Nach der Saison 2021/22, die immerhin durchschnittlich war, macht den Unternehmen die nächste Krise zu schaffen.

Rhön: Inflation und Energiekrise - Skiliftbetreiber erhöhen Preise

Normalerweise müssen Liftbetreiber ihre Schneekanonen anwerfen, um Wintersport in der Rhön wirtschaftlich zu betreiben. „Ohne künstlichen Schnee hätten wir in der vergangenen Saison 20 Tage Betrieb gehabt, mit waren es 92 Tage“, erklärt Jeremias Kümpel von der Wiegand Erlebnisberge GmbH, die die Ski- und Rodelarena auf der Wasserkuppe betreibt. Doch die Maschinen fressen Strom – gut 18,5 Kilowatt. Und der wird immer teurer.

Auf der Wasserkuppe wurden nun unter anderem zwei energiesparende Schneekanonen angeschafft, sagt Kümpel. Betriebsleiter Florian Heitmann erläutert: „Die Maschinen werden technisch immer weiterentwickelt – auch, was Energieeffizienz angeht. Statt zwei Motoren wird bei den neuen nur einer gebraucht.“

Auch eine Teichkühlung wurde eingerichtet. Heißt: Die Teiche, von denen die Schneekanonen ihr Wasser beziehen, werden belüftet und dadurch umgewälzt, so dass das Wasser gleichmäßig kühl ist. „So können wir in kürzester Zeit mehr Schnee produzieren“, sagt Heitmann.

Bei den Flutlichtanlagen gibt es Überlegungen, auf LED umzustellen. Nichtsdestotrotz wird das abendliche Skifahren bis 22 Uhr im Zuge der drohenden Energiekrise auf den Prüfstand gestellt. Ob das Flutlichtfahren in der kommenden Skisaison noch angeboten werden kann, ist fraglich, teilen die Betreiber aus dem Kreis Fulda mit. Das hänge von der weiteren Entwicklung ab. (Lesen Sie auch: Erster Fußballverein in der Rhön stellt auf insektenfreundliches Flutlicht um)

Der schlimmste Fall wäre, wenn der Strom für Freizeitaktivitäten abgestellt würde. 

Jeremias Kümpel, Wiegand Erlebnisberge GmbH

Preissteigerungen gibt es nicht nur beim Strom, sondern auch bei Heizöl, Diesel und Personal, erklärt Jeremias Kümpel. Durch die Energiesparmaßnahmen allein können diese Kosten nicht ausgeglichen werden. „Wir müssen deshalb in dieser Wintersaison unsere Ticketpreise um zehn bis zwölf Prozent anheben“, sagt er. Das mache pro Ticket circa einen bis zwei Euro aus und sei angesichts der Situation noch moderat.

Etwas weiter unten am Hang der Wasserkuppe, in Gersfeld-Obernhausen, denkt auch der Familienbetrieb um Harald Jörges bereits an die Auswirkungen der Energiekrise. Das abendliche Flutlichtfahren wird wahrscheinlich eingeschränkt, erklärt Jörges. Immerhin: Am Zuckerfeld-Lift wurde vor zwei Jahren ein neuer Motor eingebaut, der weniger Strom verbraucht.

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Im Vogelsberg sind die Anbieter relativ entspannt. Denn dort sind die Betreiber am Hoherodskopf und an der Herchenhainer Höhe komplett auf Naturschnee angewiesen und betreiben keine Schneekanonen. Letztendlich kommen dort nicht viele Skitage zusammen. Wenn der Lift am Hoherodskopf wetterbedingt ausgeschaltet ist, können die Mitarbeiter auf der Wasserkuppe aushelfen – beide Gebiete werden von der Firma Wiegand betrieben.

Skifahren in Rhön und Vogelsberg: Flutlicht auf dem Prüfstand

Der kleine Lift an der Herchenhainer Höhe wird von dem örtlichen Skiclub in Schuss gehalten. Vorsitzender Florian Appel erklärt, dass der Verein dort nur zwei Gebäude unterhält. Geheizt wird mit dem Holz, das bei Baumschnittarbeiten auf dem Gelände anfällt. „Beim Heizen sind wir autark.“ Und der mit Strom betriebene Lift läuft ohnehin nur rund zehn Tage in der Saison. „Diese Saison werden wir die Preissteigerungen abfedern können. Mal schauen, wie es in den Folgejahren weitergeht“, so Appel.

Jeremias Kümpel von der Firma Wiegand fasst zusammen: „Der schlimmste Fall wäre, wenn der Strom für Freizeitaktivitäten abgestellt würde oder die Saison verspätet starten müsste. Wir machen uns Gedanken und bereiten uns auf die Situation vor, hängen aber auch von politischen Entscheidungen ab, die wir einfach akzeptieren müssen.“

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