Sechs junge Männer müssen sich vor dem Landgericht Fulda verantworten
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Die Anklageschrift der sechs jungen Männer ist lang.

Opfer entführt und ausgeraubt?

Lange Liste von Straftaten: Sechs jungen Männern wird in Fulda der Prozess gemacht

  • Jacqueline Kleinhans
    vonJacqueline Kleinhans
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Eine volle Anklagebank, eine lange Liste von Straftaten sowie ein Reh, das vermutlich als Zeuge getaugt hätte: Vor dem Landgericht Fulda sind am Dienstag sechs junge Männer wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung sowie erpresserischem Menschenraub angeklagt worden.

  • Sechs junge Männer sitzen in Fulda auf der Anklagebank.
  • Sie sollen einen jungen Mann von der Ochsenwiese in den Gerloser Wald gebracht, auf ihn eingeschlagen und Geld von ihm gefordert haben.
  • Die Angeklagten konnten sich an einiges nicht mehr erinnern.

Was wirklich am 3. September 2018 geschehen ist, ließ sich am Dienstag durch die Aussagen der Angeklagten nicht eindeutig rekonstruieren. Vorgeworfen wird den sechs Männern im Alter von mittlerweile 19, 21 und 22 Jahren, dass sie vor zwei Jahren einen jungen Mann, der am Dienstag noch nicht vor Gericht erschien, gegen seinen Willen von der Ochsenwiese in den Gerloser Wald brachten, dort auf ihn eingeschlagen und Geld von ihm gefordert haben sollen.

Vor Gericht in Fulda: Sechs Männer sollen in Schlägerei verwickelt gewesen sein

Angefangen hatte alles mit einer Schlägerei ein paar Tage zuvor zwischen dem 19-Jährigen und dem späteren Opfer, weshalb der Angeklagte im Klinikum Fulda behandelt werden musste. Das Opfer soll sowohl ihn als auch den Cousin eines 21-jährigen Angeklagten verprügelt haben.

Vom Krankenhaus rief der 19-Jährige den 21-Jährigen und seinen 22-jährigen Freund an. Er hatte die Idee, sich mit dem Opfer an der Ochsenwiese zu treffen. Der 21-Jährige wiederum sagte zwei weiteren Freunden Bescheid. An der Ochsenwiese stieß der sechste Angeklagte hinzu.

Am Fuldaer Landgericht wird sechs jungen Männern der Prozess gemacht.

Die Angeklagten sagten, sie können sich nicht mehr richtig erinnern

Auf dem Parkplatz soll der 21-Jährige, dessen Cousin vom Opfer verprügelt worden sein soll, den Geschädigten in einen VW Bus gezerrt haben und fuhr mit den weiteren Angeklagten in den Gerloser Wald. Auf der Fahrt dorthin soll das Opfer mehrmals geschlagen worden sein. Wer wie oft auf das Opfer eingeschlagen hat, konnte der Vorsitzende Richter Joachim Becker am Dienstag nur vage herausbekommen. Einige der Angeklagten gaben an, sich nicht mehr richtig erinnern zu können oder sagten zum Tathergang gar nichts.

Von einem Reh abgelenkt?

Im Gerloser Wald angekommen wurde das Opfer mit einem Tritt aus dem Bus geschubst. Während sich der Fahrer, der 19- und ein 21-Jähriger mit dem Opfer vor dem Auto versammelte, seien zwei der Angeklagten von einem Reh abgelenkt gewesen und hätten sich deshalb nicht am Geschehen beteiligt. Dass es dieses wirklich gegeben habe, bestätigte auch einer der Verteidiger, Hans J. Hauschild, als er die Einlassung seines Mandanten verlas.

Angeklagte sollen Warnschüsse abgegeben haben

Vor dem Bus soll das Opfer weitere Schläge kassiert haben. Dabei sei ihm sein Portemonnaie aus der Hose gefallen, woraufhin einer der Angeklagten das Geld an sich nahm. Dabei war unklar, ob sich der 21-Jährige um 80 oder 14 Euro bereicherte.

In der Anklage wird den jungen Männern ebenfalls vorgeworfen, zwei Warnschüsse abgegeben und vom Opfer 1200 Euro gefordert zu haben. An diese Forderung konnte sich jedoch niemand erinnern. Letztendlich fuhren die Angeklagten ihr Opfer zurück in die Heinrichstraße, wo es sein Auto geparkt hatte. Nach der Tat stellte sich heraus, dass das Opfer den Cousin des 21-Jährigen gar nicht verprügelt hatte.

Eine weitere Anklage liegt gegen drei der jungen Männer vor, da sie ein paar Tage zuvor ein weiteres Opfer in ein Waldstück bei Hattenhof gebracht hatten, wo sie auf ihn einschlugen.

Der Prozess wird am Montag, 22. Juni, um 13.30 Uhr fortgesetzt.

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