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Erste Morddrohung in der Schule – Edeka-Filialleiter berichtet von Arbeit in ständiger Angst

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Unter welcher psychischer Belastung der Filialleiter und seine Mitarbeiter des Edeka-Marktes in der Pacelliallee standen, weil ein 28-Jähriger sie zwei Jahre lang mit Anrufen bedrohte, hat der Chef am Mittwoch vor dem Landgericht Fulda deutlich gemacht. Ein normaler Arbeitsalltag sei mit bis zu 40 Anrufen pro Tag kaum noch möglich gewesen.

Von unserem Redaktionsmitglied Jacqueline Kleinhans

Wenn im Edeka-Markt in der Pacelliallee das Telefon mit unterdrückter Nummer klingelte, haben die Mitarbeiter schon erahnt, wer sich am anderen Ende der Leitung befand. „Teilweise haben wir die Anrufe mit Strichliste protokolliert. Aber wenn man sich damit den ganzen Tag beschäftigt, kommt keiner mehr zum Arbeiten“, sagte der Edeka-Filialleiter am Mittwoch vor dem Landgericht aus.

Seinen Mitarbeitern haben vor allem die Drohungen und Beleidigungen zugesetzt. Ein Jahr lang hatte der Kaufmann darauf verzichtet, die Anrufe zu vermerken. „Ich dachte, wir könnten das aussitzen, aber dann wurden die Belästigungen wieder schlimmer“, erklärte er. Ob es deshalb zu Krankmeldungen gekommen sei, wollte der Vorsitzende Richter, Josef Richter, wissen. „Zwei Kollegen waren an Burn-out erkrankt. Ob das im Zusammenhang mit der Tat steht, kann ich nicht sagen“, erklärte der Kaufmann.

Ärger geht nach Hausverbot los

Unzählige Anzeigen gegen den Angeklagten haben der Filialleiter und seine Mitarbeiter bei der Polizei erstattet. „Bis uns endlich geholfen wurde, hat viel zu lange gedauert. Der Prozessauftakt zog sich ewig hin“, so der Filialleiter. Auch eine einstweilige Verfügung des Amtsgerichts, nach der der 28-Jährige 20 Meter Abstand zum Markt halten muss, hinderten diesen nicht daran, vor dem Supermarkt aufzutauchen.

Warum sich der Fuldaer so auf den Edeka-Markt eingeschossen hatte, erklärte der Chef: „Er hat bei uns immer Bier gekauft und dieses vor dem Markt getrunken. Weil er Kunden belästigte, haben wir ihm Hausverbot erteilt.“ Darüber ärgerte sich der Angeklagte, dass er die Mitarbeiter fast täglich terrorisierte – ein Muster, das bei dem 28-Jährigen auch schon in früheren Jahren auftrat.

Morddrohung für Lehrer

In der Schule hatte ihm ein Lehrer gesagt, dass er faul sei. „Wenn jemand nicht viel von mir hält, werde ich zornig“, erklärte der Fuldaer am Mittwoch. Damals hinterließ er eine Morddrohung für seinen Lehrer an der Tafel. Die Folge: Er wurde für einige Tage von der Schule suspendiert.

In einem weiteren Fall missbrauchte er mehrmals den Notdienst von Polizei und Feuerwehr, weil ihn seine Jugendliebe verschmäht hatte. „Ich wollte, dass sie Ärger bekommt“, sagte er. Für ihn blieb dieser aus, da die Verfahren gegen ihn wegen Schuldunfähigkeit eingestellt wurden.

„Ich habe unglaubliche Angst vor ihm“

Ein Arzt diagnostizierte bei ihm eine Minderbegabung, Störung des Sozialverhaltens sowie Alkoholabhängigkeit. Bereits mit 16 Jahren habe der Angeklagte zu viel Alkohol konsumiert, wie er selbst sagte. Auch sein bereits verstorbener Vater hatte ein Alkoholproblem. Der 28-Jährige wuchs bei seiner Mutter auf.

Obwohl sich der Angeklagte seit Mai 2019 in einer Psychiatrie befindet, ist der Arbeitsalltag in dem Edeka-Markt laut Zeugenaussage nur wieder langsam zurückgekehrt. Noch immer belastet die Angestellten das Geschehene.

Der Filialleiter konnte das Verlesen der Fälle aus den Polizeiprotokollen nicht ertragen, weshalb der Vorsitzende Richter entschied, dies ohne den Zeugen zu tun. Eine Mitarbeiterin sagte damals bei der Polizei aus: „Ich habe unglaubliche Angst vor ihm. Ich weiß nicht, ob ich das weiter durchhalte.“ Neben dem Filialleiter sagten weitere Mitarbeiter aus. Der Prozess wird am 4. Dezember um 9.30 Uhr, fortgesetzt.

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