Frau sitzt in Corona-Zeiten mit Maske im Auto.
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Fahrstunden sind wieder möglich – allerdings nur mit Maske.

Nur mit Maske am Steuer

Fahrschulen nehmen ihren Betrieb wieder auf - Kritik an der Politik

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Seit dem 17. März ging nichts mehr: Keine Theoriestunden, keine Fahrstunden, keine praktischen Prüfungen, keine Führerscheine und keine Einnahmen für Fahrschulen. Seit vergangenem Montag dürfen sie aber wieder ihren Betrieb unter Auflagen aufnehmen.

  • In Folge der Corona-Maßnahmen mussten Fahrschulen ihren Betrieb weitgehend einstellen.
  • Seit Montag dürfen die Fahrlehrer wieder unterrichten.
  • Dafür gelten allerdings Auflagen: Unter anderem herrscht Maskenpflicht im Fahrschulauto.

Region - Eigentlich sollte die Wiedereröffnung von Fahrschulen erst am 11. Mai erfolgen. „Für uns Fahrlehrer war das aber total unverständlich. Warum dürfen Hundefrisöre öffnen und wir nicht?“, betont Jürgen Wehner, Inhaber der Fuldaer Fahrschule Mihm. Schließlich habe das Ministerium nachgegeben und die Erlaubnis für die Wiedereröffnung erteilt.

Innenraum nach jeder Fahrt desinfiziert

Bereits in den vergangenen Wochen hatten Fahrschulen umfangreiche Schutzmaßnahmen für die Wiedereröffnung vorbereitet, erklärt Dieter Quentin, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). Konkret dürfen sich aktuell nur der Schüler und der Fahrlehrer im Auto befinden. „Zudem herrscht Maskenpflicht im Pkw, und der Innenraum wird nach jeder Fahrt desinfiziert“, informiert Wehner, der fünf Angestellte hat.

Masken im Auto

Was bei den Fahrschulen nun Pflicht ist, ist für den Alltag nur bedingt eine gute Idee: Wer am Steuer seines Fahrzeuges einen Mund-Nasen-Schutz trägt, der muss sicherstellen, dass sein Gesicht eindeutig zu erkennen ist.

Hintergrund ist, dass bei eventuellen Verkehrsvergehen der Verursacher indentifizierbar sein muss. Wer seine Maske so trägt, dass er nicht zu erkennen ist, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro rechnen. / dk

„Konstrukt ist nicht durchdacht“

Wann und wie wieder Fahrprüfungen durchgeführt werden, wird derzeit noch geprüft. Aktuell finden keine statt. Beim theoretischen Unterricht dürfen für die Führerscheinklassen A und B fünf Schüler in einem Raum unterrichtet werden. Beim Erlernen der Kenntnisse für das Fahren von Lastwägen und Omnibusse 15 unter der Berücksichtigung des Sicherheitsabstandes von 1,5 Metern. „Warum mal 5 und mal 15? Das zeigt, dass das ganze Konstrukt nicht durchdacht ist“, stellt der Inhaber klar.

Auch wenn die Fahrschulen wieder öffnen dürfen, dämpft Wehner die Hoffnungen von vielen Fahrschülern. „Es kann zu Wartezeiten kommen.“ Auch habe der TÜV nur ein bestimmtes Kontingent an Fahrprüfern. „Auch wenn das Erlangen des Führerscheins momentan etwas länger dauert, sollen die Schüler nicht verärgert sein. Es geht schließlich darum, eine gute Ausbildung zu genießen“, sagt er.

Halbes Jahr länger Zeit

„Uns ist sehr bewusst, welche Verantwortung wir nicht nur für unsere eigene Gesundheit, sondern auch für die unserer Fahrschüler haben“, ergänzt Quentin. „Deshalb werden wir die Hygiene-Vorschriften mit der gleichen Gewissenhaftigkeit einhalten, mit der wir bei der Ausbildung der uns anvertrauten Schüler seit Jahrzehnten arbeiten.“

Gute Nachrichten gibt es derweil für Fahrschüler, die vor der coronabedingten Schließung bereits ihre theoretische Prüfung absolviert haben: Wegen der Krise bekommen sie nun anderthalb Jahre Zeit, um nach bestandener Theorie auch die Fahrprüfung zu meistern. Bislang galt hier eine Frist von einem Jahr.

600 Führerscheine

Trotz der Wiedereröffnung kämpfen viele Betriebe gegen die Verluste der vergangenen Wochen an. „Wer keine Rücklagen hat, wird es sehr schwer haben“, betont Wehner. Die 10.000 Euro Soforthilfen vom Staat seien hilfreich, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen. „Die Fixkosten sind schließlich weitergelaufen. Ich musste die Autoversicherung und vieles mehr weiterbezahlen.“ Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Moving reichen bei 30 Prozent der Fahrschulen die staatlichen Hilfen nicht aus, um die Krise zu überstehen.

In den vergangenen Wochen stand allerdings nicht der komplette Fahrschulbetrieb still. Immerhin Unterricht und Fahrstunden für zukünftige Lastwagen- und Busfahrer lief komplett weiter, da bei der Ausübung dieser Berufe der Führerschein eine wichtige Voraussetzung ist. Insgesamt wurden alleine im Landkreis Fulda vergangenes Jahr im März und April knapp 600 Führerscheine neu ausgestellt. Somit dürften Hunderte Prüfungen coronabedingt ausgefallen sein und müssen in den kommenden Wochen nachgeholt werden.

Lesen Sie hier: Radmuttern an Fahrschulauto vor Autobahnfahrt gelöst.

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