Zwei junge Männer müssen Arbeitsstunden absolvieren, weil sie an einer Kita in Künzell gezündelt haben.
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Zwei junge Männer müssen Arbeitsstunden absolvieren, weil sie an einer Kita in Künzell gezündelt haben.

100.000 Euro Schaden

Urteil nach Kita-Feuer in Künzell – zwei Teenager zündeten Hundekotbeutel an

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Zündeln mit Folgen: Zwei junge Männer haben im Juli 2019 an der Kita „Wolkenland“ in Künzell einen Sachschaden von 100.000 Euro angerichtet. Nachdem sie die Mülltonnen in Brand gesetzt hatten, griff das Feuer aufs Gebäude über. Am Mittwoch wurden sie verurteilt.

Künzell/Fulda - 18 und 19 Jahre sind sie alt. Beide kommen aus Fulda und haben keinen Schulabschluss. Bei der Verhandlung am am Mittwoch Amtsgericht in Fulda sitzen sie neben ihren Verteidigern, lassen die Köpfe hängen und sprechen wenig. Warum sie am 5. Juli 2019 die Mülltonnen der Kita in Künzell angezündet haben?

Nach Kita-Feuer: Zwei junge Männer verurteilt – Hundekotbeutel als Brennmaterial

Das können sie im Nachhinein nicht erklären. Vielleicht war es Langeweile, der Wunsch, groben Unfug zu treiben. Vielleicht waren sie enthemmt, weil sie zuvor Alkohol getrunken und gekifft haben. Womöglich wurden die Folgen auch unterschätzt. Dass sie es waren, streiten sie jedenfalls nicht ab.

Schon als die Polizei ihnen vier Monate nach dem Brand auf die Schliche kam, waren sie geständig. „Ich schäme mich für die Tat und ändere mich zu 100 Prozent“, erklärt der Jüngere in seinem Schlusswort. Der 19-Jährige sagt ebenfalls, dass es ihm aufrichtig leid tue. 

Von der Staatsanwaltschaft angeklagt sind fahrlässige Brandstiftung und Sachbeschädigung. Kurz vor Mitternacht sollen die beiden in der Nähe des Grezzbachs unterwegs gewesen sein und schon dort einen Mülleimer angezündet haben. Als Brennmaterial nutzten sie laut Anklage Hundekotbeutel.

Diese stellt die die Gemeinde Künzell an einigen Stellen des Parks zur Verfügung (lesen Sie auch hier: Mehrere Anwohner in Künzell melden Schuss-Geräusche nachts im Grezzbachpark). „Als sie an der Kita vorbeikamen, fassten sie den Entschluss, dort die Mülltonnen in Brand zu stecken“, erklärt Staatsanwältin Silvie Lambiel. Ihnen müsse klar gewesen sein, dass das Feuer sich ausbreiten könne. „Sie nahmen die Folge billigend in Kauf.“

Statt die Feuerwehr zu rufen, seien die beiden davon gelaufen. Von einem Hügel aus beobachteten sie das Geschehen und filmten es wohl auch. „Um mich daran zu erinnern, was für Scheiße ich gebaut habe“, erklärt der 18-Jährige. Doch diese Begründung glaubt selbst sein Verteidiger Jörg-Thomas Reinhard nicht: „Wer’s glaubt, wird selig.“

Zwei junge Männer haben im Juli 2019 an der Kita „Wolkenland“ in Künzell einen Sachschaden von 100.000 Euro angerichtet.

Was Reinhard seinem Mandanten aber abnimmt, ist die Aussage, dass der junge Mann nicht damit gerechnet habe, dass das Feuer solch einen Schaden anrichtet. „Das war reiner Blödsinn. Er hat sich keine Gedanken gemacht, und er wollte auch nicht, dass es auf das Gebäude übergreift“, betont Reinhard.

Auch der Verteidiger des 19-Jährigen, Ralf Kuhn, stellt heraus, dass „wenig überlegt worden sei“. „Er hat nicht erkannt, wie tückisch Feuer sein kann.“ In seinem Plädoyer fordert Kuhn ein Urteil, das auf Maßnahmen abzielt, die seinem Mandanten helfen, wieder eine Struktur des Alltags zu bekommen, da er nachts vor dem Computer sitze und sich erst morgens schlafen lege.

Richter verurteilt die Teenager nach Kita-Feuer zu Arbeitsstunden

Auch Richter Christoph Mangelsdorf sieht bei dem 19-Jährigen die Notwendigkeit von Erziehungsmaßnahmen. „Da muss viel passieren“, erklärt er. Im Gegensatz zu dem 18-Jährigen, der schon öfter bei der Polizei wegen Diebstahls, Drogen, Fahren ohne Führerschein, Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgefallen ist, hat der Ältere allerdings keine Voreintragungen.

Seine Eltern sitzen im Saal des Amtsgerichts. Die Mutter weint, als der Richter davon spricht, dass der junge Mann wieder auf die Spur gebracht werden müsse, um nicht „an den Eltern vorbei Unfug zu machen“. Mangelsdorf verurteilt die beiden – auch aufgrund der Vorstrafen des Jüngeren – unterschiedlich.

Der 19-Jährige muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, sich regelmäßig mit einem Betreuer treffen sowie eine Drogenberatung und ein Bewerbungstraining absolvieren. Der 18-Jährige wurde auf Bewährung verurteilt – für die Dauer von zwei Jahren. Außerdem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Staatsanwaltschaft hatte ähnliche Maßnahmen sowie 250 beziehungsweise 300 Arbeitsstunden gefordert. 

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