In den Tierparks der Region werden meist heimische Tierarten gehalten. Es gibt aber auch Exoten wie diesen Elch im Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim.
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Auch die Tiere, wie dieser Elch im Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim, leiden unter der Corona-Krise.

Hohe finanzielle Einbußen

Zoos und Wildparks sehnen Wiedereröffnung herbei

Während in anderen Bundesländern die Zoos diese Woche wieder öffnen durften, hält die hessische Landesregierung an der von ihr verfügten Schließung bis mindestens 4. Mai fest. Die fehlenden Einnahmen bringen manche Einrichtung in Existenznot. Wie sieht es in den Tierparks in unserer Region aus?

Fulda/Gersfeld - Vergangene Woche hat der Tierpark im schleswig-holsteinischen Neumünster für Schlagzeilen gesorgt: Wegen der Coronakrise hat der Trägerverein einen Notplan für das Schlachten von Tieren erarbeitet. Man sei in einer existenzbedrohenden Krise und habe noch Gelder, die den Park ungefähr bis Mitte Mai bringen würden. Mit dem zusätzlichen Fleisch aus den Schlachtungen könnten die Raubtiere gefüttert werden, hieß es.

Sicher ein Einzelfall. Die Parks in der hiesigen Region leiden allerdings ebenfalls stark unter der verordneten Schließung, deren Ende nicht absehbar ist. „Wir wissen nicht, woran wir sind, stehen aber in den Startlöchern, um den Schalter auf Grün zu stellen“, betont der Gersfelder Bürgermeister Steffen Korell.

Tierparks in der Region

Der Wildpark Gersfeld und der Heimattiergarten Fulda stehen beispielhaft für einige weitere Wildparks in der Region. Dort ist die Situation ähnlich angespannt. Hinter dem Wildpark Alte Fasanerie Klein-Auheim – bekannt unter anderem für seine handaufgezogenen Polarwölfe – steht mit Hessen Forst ein Landesbetrieb. Der Vogelpark Schotten dagegen wird von der Schottener Soziale Dienste gGmbH betrieben, einem privat geführten gemeinnützigen Dienstleistungsunternehmen der Sozialbranche.

Die Stadt ist Betreiber des örtlichen Wildtierparks mit etwa 150 Tieren, verteilt auf einem 50 Hektar großen Wald- und Wiesengelände, und jährlich etwa 70 000 Besuchern. „Wir warten dringend auf die Verordnung, die die jüngsten Beschlüsse abbildet. Ich habe bereits den Landkreis eingeschaltet. Das aktuelle Verbot zielt wohl eher auf Zoos in Großstädten ab. Bei uns sind die Auflagen gut zu händeln.“

Er hoffe auf einen Ansturm der Besucher, sobald sich die Tore wieder öffnen. Schließlich „wollen die Kinder bespaßt werden“. Da Ostern und die Ferien traditionell besucherstarke Zeiten im Wildtierpark sind – bei schönem Wetter werden bis zu 1000 Gäste am Tag gezählt –, machen sich die Einnahmeausfälle jedoch bemerkbar. Korell: „Die Eintrittsgelder brechen weg. Das ist unschön, aber wir müssen nicht um die Existenz bangen. Für die Stadt ist viel wichtiger, dass die kleinen Gewerbetreibenden die Krise überstehen und da sind, wenn die Touristen zurückkommen.“

Finanzielle Situation im Heimattiergarten angespannt

Dieter Kircher, stellvertretender Leiter des Wildtierparks Gersfeld, sorgt sich derweil um die Tiere – und deren Futter: „Wir haben noch Reste von 2019, und die örtlichen Lebensmittelhändler unterstützen uns mit Obst, Gemüse und altem Brot. Ich hoffe, dass das Gras jetzt zu wachsen anfängt. Dann sind wir aus dem Gröbsten raus.“ Ihm und seinen drei Kollegen kommt die besucherfreie Zeit sogar gelegen. Der Grund: „Neben den üblichen Vorbereitungen müssen wir die von einem Sturm gelegten Bäume aufarbeiten. Von der Seite her ist es okay, da wir dabei auf niemand Rücksicht nehmen müssen.“

Keine Kommune, sondern einen Verein im Hintergrund hat der Heimattiergarten Fulda. Entsprechend angespannt sind die Finanzen des Parks mit etwa 200 Tieren. „Bis jetzt sind wir mit unseren Ersparnissen zurechtgekommen. Nun wird es langsam ernst, und wir sind auf Spenden angewiesen, um die 80 Euro Futterkosten pro Tag zu stemmen“, erklärt Tierärztin Dr. Bianca Reith, die den Verein unterstützt. Sie hofft auf eine ähnliche Resonanz wie vor vier Jahren, als der Tiergarten ein Jahr lang geschlossen war und diese Zeit durch Spenden überbrücken konnte.

Schlachtungen kein Thema

Sorgen bereiten ihr auch eventuelle Abstandsregeln, die nach der Wiederöffnung einzuhalten sein werden. Der Grund: Die Anlage mit ihren nur zwei Hektar ist ziemlich beengt: „Wir kommen auf unserer kleinen Fläche ruckzuck an die Grenze. Bei schönem Wetter müssen wir aber das Geschäft für das ganze Jahr machen. Um Ostern herum gleichen wir normalerweise die Schulden vom Winter aus“, sagt Reith.

Eine Lösung wie die in Neumünster angedachte käme für die Tierärztin „überhaupt nicht in Frage. Bei uns haben alle Tiere Namen. Wir sind ein bisschen wie ein Gnadenhof mit vielen alten Tieren, die wir über Jahre gepflegt haben. Wir würden eher versuchen, die Tiere irgendwo unterzubringen.“

Tiere langweilen sich

Das kleine Team aus vorwiegend Ehrenamtlichen sei inzwischen „an der Grenze des Leistbaren“. Die Ein-Euro-Jobber seien weg, und wegen der Ansteckungsgefahr werden Anfragen von Helfern oder Praktikanten derzeit nicht angenommen: „Wir lassen im Moment niemand rein.“

Das merken übrigens auch die Tiere: „Die langweilen sich in den kleinen Gehegen. Die Hühner haben es dagegen gut, die dürfen im Moment im ganzen Park herumspazieren. Die Ponys unterhalten wir mit einem Ball, und auch unser kontaktfreudiger Kakadu freut sich schon auf die Rückkehr der Besucher“, sagt Bianca Reith.

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