Ein Teil der Gruppe ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer vor dem Gebäude der Lebensmittelausgabe des Fliedener Tisches in Flieden.
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Ein Teil der Gruppe ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer vor dem Gebäude der Lebensmittelausgabe des Fliedener Tisches in Flieden.

Im Tante-Emma-Laden

Fliedener Tisch versorgt seit zehn Jahren Bedürftige - „An uns kann man die Konjunktur ablesen“

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Eine Ausgabestelle, zwei Transporter und mehrere Dutzend Helfer: Der Fliedener Tisch versorgt rund 100 Menschen im Südkreis. Vor zehn Jahren ist die Initiative gegründet worden.

Flieden - Auf den ersten Blick sieht der Raum aus wie ein Tante-Emma-Laden: Bedientheke in dem kleinen Raum, Kühlschrank und Regale mit Kisten, in denen lose Obst und Gemüse, Backwaren und anderes Essbare liegen. „Was darf ich Ihnen geben?“, fragt Margot Heller die Kundin, die am Verkaufstresen stehend gerade Lebensmittel aus einer Kiste in ihre Taschen packt, die ihren Namen trägt. Margot Heller bedient Bedürftige des Fliedener Tisches.

In diesem Jahr feiert die Einrichtung ein kleines Jubiläum: Im Jahr 2010 wurde auf Initiative des damaligen Vorstandschefs der Raiffeisenbank Flieden, Lothar Jünemann, der Fliedener Tisch ins Leben gerufen, erinnert sich Hans-Günther Mihm, langjähriger Kurator der Einrichtung. In Zusammenarbeit mit den beiden Kirchengemeinden, den Pfarrern Thomas Maleja und Holger Biehn und dem einstigen Bürgermeister Winfried Kreß sei die Initiative gestartet worden. Rund fünf Dutzend Freiwillige waren anfangs bereit, sich zu engagieren. (Lesen Sie hier: Fliedener und Kalbacher filmen Krippenspiel)

Fliedener Tisch versorgt seit zehn Jahren Bedürftige - „An uns kann man die Konjunktur ablesen“

Wie bei ähnlichen Einrichtungen in Fulda oder Hünfeld holen die Helfer des Fliedener Tisches – er gehört nicht zum Bundesverband der Tafeln – bei Märkten, Bäckern und anderen Betrieben in Osthessen Lebensmittel ab, deren Haltbarkeitsdatum beinahe abgelaufen ist, beschädigt oder anderweitig unverkäuflich geworden sind. Wöchentlich sind zwei Kleintransporter unterwegs, die Brote, Nudeln, Obst und Gemüse einsammeln. Von Geldspenden können zusätzliche Waren gekauft werden. Denn inzwischen werfen auch immer mehr große Lebensmittelketten immer weniger weg und sagen der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. „Es wird knapper“, urteilt Gertrud Schneider, beim Fliedener Tisch zuständig für Ausgabe und Schriftführung.

Sortiert, portioniert und kommissioniert werden die gesammelten Lebensmittel schließlich in der Einrichtung an der Magdloser Straße – der einstigen Bäckerei Heller. Das Team der Helfer scheint eine eingeschworene Truppe: „Das ist schon eine coole Mannschaft“, urteilt Fahrer Matthias Röddinger. Für viele sei der Fliedener Tisch ein sozialer Treffpunkt, ergänzt Mihm.

Fliedener Tisch: Im Tante-Emma-Laden können sich Bedürftige Lebensmittel abholen

Dieser ist wöchentlich donnerstags geöffnet. Um beim als Tante-Emma-Laden eingerichteten Fliedener Tisch einkaufen zu können, müssen Kunden ihre Bedürftigkeit nachweisen und zu einer jeweils festgelegten Uhrzeit kommen, sodass sich keine Warteschlangen bilden, erklärt Kurator Vormwald. Zudem wird so sichergestellt, dass alle registrierten Kunden Lebensmittel bekommen.

Versorgt werden auf diese Weise derzeit mehr als 90 Menschen, erklärt der jetzige Kurator Horst Vormwald. Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 seien es bis zu 200 gewesen. Zu den aktuellen Kunden zählen vor allem Ältere, also von Altersarmut Betroffene, aber auch Alleinerziehende und Familien in Flieden, Kalbach und Neuhof. Rund ein Drittel sind Kinder. „An uns kann man die Konjunktur ablesen“, sagt Pfarrer Biehn. Laufe die Wirtschaft schlecht, merke man das an steigenden Kundenzahlen. Wegen Corona rechne man mit steigenden Zahlen. „Armut bildet sich auch bei uns ab; wir sind ein Spiegel im Kleinen“, erklärt er.

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