Herbergssuche: Maria und Josef  fragen Carlo Herbert vom Gasthaus „Zum grünen Baum“ nach einem Zimmer. Kameramann Thomas Eckert hält die Szene fest.
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Herbergssuche: Maria und Josef fragen Carlo Herbert vom Gasthaus „Zum grünen Baum“ nach einem Zimmer. Kameramann Thomas Eckert hält die Szene fest.

100-Seiten-Drehbuch

Fliedener und Kalbacher filmen zu Weihnachten Krippenspiel für Kirche

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Weihnachten ohne Krippenspiel im Gotteshaus? Das wollten sich Gläubige der Kirchengemeinden in Flieden und Kalbach nicht vorstellen. So planten sie im Herbst, die Weihnachtsgeschichte filmisch aufzubereiten. Als Kulisse dienten beide Kommunen. An Weihnachten wird der Film gezeigt.

Flieden/Kalbach - Wer in der vergangenen Wochen durch Flieden und Kalbach kam oder am Ortsrand spazieren war, konnte Spannendes beobachten: Kostümierte Kinder wandern mit einer Ziege am Dorfrand oder fragen an Gasthäusern nach einem Zimmer, jugendliche Hirten mit Schaf-Fellen machen an einem Grillplatz Rast und wärmen sich am Feuer, ein in eine rote Robe gekleidetes Mädchen spricht an einer Grotte in die Kamera, Musiker spielen auf dem Fliedener Kirchplatz Trompete. Denn im November und Dezember wurde dort die Weihnachtsgeschichte verfilmt. (Lesen Sie hier: Flieden zieht vors Landgericht)

Ein Team um Thomas Eckert aus Flieden hatte das Projekt erarbeitet. „Es war ja absehbar, dass wegen Corona kein klassischer Gottesdienst in der Kirche möglich ist“, sagt der 48-Jährige. Dort wird alljährlich an Weihnachten das Krippenspiel von Kindern aufgeführt. Also suchten er und seine Mitstreiter eine Alternative. Weil er im Frühjahr mit Digitalgottesdiensten erste Film- und Dreh-Erfahrung gesammelt hatte, war die Idee eines Krippenspiel-Films geboren. Die Pfarrer André Viertelhausen aus Kalbach und Thomas Maleja aus Flieden übernahmen die Schirmherrschaft, sodass es ein gemeindeübergreifendes Projekt wurde.

Krippenspiel in Flieden und Kalbach als Film für Kirche gedreht

Eckert, der Marketingexperte und Autodidakt im Filmgeschäft ist sich ehrenamtlich als Verwaltungsleiter der Pfarrgemeinde engagiert, erarbeitete ein rund 100 Seiten dickes Drehbuch mit Dialogen und Regieanweisungen, Ehrenamtliche aus den Pfarrgemeinden sprachen Kommunionkinder, Schulklassen und Chöre an – etwa die Schola Kids, die St. Goar Kids und den Spielmannszug Rückers. Auch Esel, Ziege und Schafe wurden gecastet. „Alle Beteiligten waren begeistert und haben sofort zugesagt“, resümiert Gemeindereferentin Vera Schöppner.

Gedreht wurde im November und Anfang Dezember bei mitunter spätherbstlichen Temperaturen und immer unter Einhaltung der Corona-Auflagen. Weil die Erstbesetzung des Josefs kurzfristig in Quarantäne musste, spielt nun Eckerts Sohn Felix die Hauptrolle. Gedreht wurde unter anderem an einem halben Dutzend Gasthäusern in beiden Gemeinden, wo die Herbergssuche nacherzählt wird, am Schwebener Grillplatz, wo den Hirten die Engel erscheinen und der im Film Kulisse für Stall und Krippe ist, am Fliedener Kirchplatz, wo die Volkszählung stattfindet, sowie in einer Schwebener Schreinerei.

Drehbuch hat mehrere 100 Seiten

„Ich habe mehrere Gigabyte Daten“, fasst Kameramann Thomas Eckert die Dreharbeiten zusammen. Gefilmt wurden fast alle Szenen mehrfach und aus verschiedenen Perspektiven. Die Aufnahmen der Engel wurden vor den Greenscreen genannten grünen Vorhängen im Pfarrheim gedreht, um hinterher digital einen anderen Hintergrund einfügen zu können. Musik und Gesang wurden separat aufgenommen. Der Fliedener achtete sogar darauf, dass bei den Aufnahmen keine Flugzeuge am Himmel zu hören oder moderne Fahrzeuge im Bildhintergrund zu sehen sind. „Das gab es ja zu Marias und Josefs Zeiten auch nicht“, sagt er augenzwinkernd. 

Die jugendlichen Mimen waren mit Spaß dabei: „Ich habe mir das einmal durchgelesen und hab es gelernt“, sagt die Elisabeth Werner (9) trocken über das Auswendiglernen des Textes. Josef-Darsteller Felix Eckert (12) berichtet von insgesamt lustigen und abwechslungsreichen Dreharbeiten. Kameramann und Regisseur Eckert ist von seinen jungen Darstellern begeistert: „Das sind alle super Schauspieler.“ Sie hätten den Text schnell drauf, nähmen seine Regieanweisungen auf und können mitunter gut improvisieren und Emotionen zeigen, die wichtig für jeden Film seien. Alle seien mit Freude dabei gewesen.

Zu sehen sein wird der Krippenspiel-Film – ein rund 30-minütiger Streifen – ab Weihnachten auf dem Youtube-Kanal der katholischen Kirche Flieden sowie an Heiligabend um 15.30 Uhr in der Fliedener und in drei Kalbacher Kirchen.

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