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Finanzielle Sorgen: Franziskaner und antonius bangen um Zukunft des Frauenbergs

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Von: Andreas Ungermann

Die Franziskaner und antonius sorgen sich um die Zukunft des Frauenbergs. Das hat mit der finanziellen Situation zu tun. 
Die Franziskaner und antonius sorgen sich um die Zukunft des Frauenbergs. Das hat mit der finanziellen Situation zu tun.  © Stadt Fulda

Seit fünf Jahren pflegen die Franziskaner und antonius eine Kooperation auf dem Fuldaer Frauenberg. Auch wenn die Beteiligten die bisherige Zusammenarbeit als Erfolg werten, teilen die Brüder und die Bürgerstiftung eine Sorge zur Zukunft des Frauenberges.

Fulda - Eng sind die Franziskaner mit der Bürgerstiftung antonius: gemeinsam Mensch verbunden – seit 120 Jahren, als der Orden im Antoniusheim die Seelsorge übernahm. „Damals haben wir die Franziskaner gerufen. Als es vor fünf Jahren darum ging, dass sie auf dem Frauenberg nach Unterstützung suchten, haben wir ihren Ruf gehört“, erklärt Stiftungsratsvorsitzender Rainer Sippel.

Der Leiter der Klostergemeinschaft (Guardian), Bruder Gerhard Busche, berichtet: „Seitdem hat sich das Leben hier oben geändert. Im Vergleich zu den Zeiten des in sich geschlossenen Klosters ist es hier lebendiger geworden.“ Dass dem so bleibt, ist laut Sippel allerdings „alles andere als in Stein gemeißelt“. Sowohl antonius als auch die Franziskaner treibt die Sorge um den Frauenberg um. Der Grund ist der schnöde Mammon – sprich: das Geld. Und das liegt an der rechtlichen Konstruktion auf dem Berg.

Das Grundstück, auf dem die Franziskaner seit 400 Jahren ansässig sind, gehört dem Bistum Fulda. Die Baulast, also die Finanzierung des Gebäudeerhalts, liegt bei den Brüdern. Wie Sippel erklärt, erwirtschaftet das Café Flora zwar die laufenden Betriebskosten. Investitionen, etwa für Sanierungen am Gebäude und Reparaturen an der Haustechnik, seien nicht abgedeckt – und die muss eben der Orden finanzieren. (Lesen Sie auch: Ungewisse Zukunft für Weinhistorisches Konvent am Frauenberg)

Fulda: Sorge um Frauenberg eint antonius und Franziskaner

Für die Brüder wird die Situation indes nicht einfacher: Neun Franziskaner leben noch in Fulda, rund 230 sind es in den 27 Häusern in der deutschen Provinz. Dass Brüder über einen langen Zeitraum – so wie etwa Bruder Gerhard seit 1986 – an einem Ort wirken, ist eher untypisch. „Franziskanisches Leben ist sehr beweglich“, erläutert Provinzialminister Pater Dr. Cornelius Bohl.

Der gebürtige Fuldaer wird nach dem kommenden Kapitel, der Versammlung der Brüder, nicht mehr Deutschlands oberster Franziskaner sein. Nach Pfingsten wählt der Orden in Ohrbeck bei Osnabrück die neue Provinzialleitung und stellt dabei auch die Weichen für die Zukunft. Turnusgemäß alle drei Jahre legen sich die Brüder auf ihre Politik fest. Bohl geht nicht davon aus, dass die Franziskaner jetzt schon entscheiden, den Frauenberg aufzugeben. „Das wäre ein zu komplexes Thema für ein Kapitel und ist Aufgabe für die Provinzialleitung“, sagt er.

Rainer Sippel (von links), Franziskaner Gerhard Busche, Provinzialminister Cornelius Bohl, Michaela Lengsfeld und Thomas Robelt teilen die Sorge um den Frauenberg und hoffen auf eine gemeinsame Zukunft.
Rainer Sippel (von links), Franziskaner Gerhard Busche, Provinzialminister Cornelius Bohl, Michaela Lengsfeld und Thomas Robelt teilen die Sorge um den Frauenberg und hoffen auf eine gemeinsame Zukunft. © Andreas Ungermann

Umso wichtiger ist es für antonius, den Schulterschluss zu suchen. Schließlich leistet Pater Thomas Robelt die Seelsorgearbeit für die Bürgerstiftung, deren Einrichtungen und Initiativen. Das deutliche Signal lautet: „Wir wollen franziskanisches Leben in Fulda erhalten, und wir wollen die Kooperation fortsetzen.“

Franziskaner und antonius wollen Zusammenarbeit auf dem Frauenberg verstärken

Für die nächsten fünf Jahre scheint dies der Fall zu sein. „Wir haben uns in der Kooperation auf zehn Jahre festgelegt. Die Zusage wollen wir erfüllen. Was aber in fünf Jahren ist, wissen wir nicht“, sagt Bohl. Mit der Entwicklung seit 2017 zeigen sich er, seine Brüder und die antonius-Vertreter – neben Sippel Prokuristin Michaela Lengsfeld und Christian Bayer, Geschäftsführer von antonius: gemeinsam begegnen – zufrieden. Die Hoch-oben-Gottesdienste seien beliebt, das Café Flora als Ort der Inklusion etabliert.

Dennoch gibt es Verbesserungsbedarf. „Bislang haben wir hier nebeneinander gelebt. Wir wollen die Gemeinsamkeit nun verstärkt in den Blick nehmen“, lautet der Tenor. In der vergangenen Woche haben sich Franziskaner und antonius zusammengesetzt und drei Schlagworte über die künftige Arbeit gestellt: geistlich, gastlich, gemeinsam – auch im Sinn der Inklusion. Will heißen: Die Aktivitäten auf dem Frauenberg sollen aufeinander abgestimmt werden. Der spirituelle Charakter des Ortes soll erhalten bleiben. „Dass hier ein lauter Veranstaltungsort entsteht, wird nicht passieren. Das passt nicht zum Kloster“, konstatiert Pater Gerhard.

Unterstützung will der Verein „Freunde des Frauenbergs“ leisten. Diesem ist es wichtig, ein Bekenntnis abzugeben: „Die Fuldaer müssen zeigen, dass ihnen der Frauenberg als Ort wichtig ist“, sagen Christoph Jestädt, Andreas Kanne und Lukas Fladung. „Die Franziskaner wirken dort, wo sie auch gewollt sind“, erklärt Sippel dazu. Ihm schwebt für die langfristige Standortsicherung eine Trägerstiftung mit Stadt, Landkreis, Bistum und Hochschule vor. Die stecke aber noch im Vorstadium. Verhandlungen dazu liefen.

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