Karikatur: Harm Bengen, Foto: Susann Prautsch/dpa

Forscher: Corona-Witze sind die kreative Bewältigung einer schwierigen Zeit

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Sind sarkastische Witze über die Coronavirus-Pandemie okay? Und wie beeinflusst diese Krise die Alltagssprache? Germanisten haben das Virus im Visier. Es gilt als heißer Kandidat für das Wort des Jahres – oder gar das Unwort?

Ein großes Thema neben Klopapier sei zurzeit das Homeoffice. „Auf Twitter und Facebook erzählen Menschen über ihren Alltag“, sagt Seidler. Das kann amüsant sein. Bis zur ironisierten Durchsage des Piloten im Flugzeug: „Bin im Homeoffice.“ Die Grenzen lägen aber bei jedem Menschen ein bisschen anders, sagt Seidler.

Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Siehst schlecht aus.“ Der andere: „Ja, ich habe Homo sapiens.“ Sagt der Erste: „Hatte ich auch mal. Geh zum Arzt und lass dir Corona verschreiben.“

„Oma, gib mir deine Handtasche, sonst huste ich dich an“ – taugt das noch als Witz? Für sie schon, sagt die Humortrainerin. Anderen sei das aber zu viel. Dynamik ist ohnehin ein großer Faktor bei dieser Pandemie. „Vielleicht finde ich diesen Spruch nicht mehr okay, wenn sich die Lage drastisch ändert“, ergänzt Seidler.

Sich über die Sache lustig zu machen, das sei etwas anderes als wenn man andere Menschen beschäme. „Wir haben jetzt ohnehin die Gefahr des Lagerkollers. Da ist wertschätzender und sozialer Humor sicher günstiger als aggressiver.“

Der Corona-Test von Donald Trump war negativ. Klar, oder gab es bei dem schon mal was Positives?

Auf rein sprachlicher Ebene gibt es für Forscher Schlobinski unterschiedliche Reaktionen auf Bedrohungen: „Man kann aggressiv werden, sie ignorieren und eben mit Humor reagieren.“ Hamsterkäufe haben dabei durchaus eine ernste Komponente.

„Wenn Leute einem etwas wegkaufen, von dem man meint, dass man es selber braucht“, sagt er. Auf der anderen Seite werde dieses Phänomen sofort ironisiert. „Die Franzosen kaufen Rotwein und die Deutschen Klopapier. Solche Beobachtungen und das Spielen mit Klischees können ja etwas sehr Heiteres haben.“

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