Trockenheit und Borkenkäferbefall: Eine kaputte Fichte in einem hessischen Wald.
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Die Fichten in hessischen Wäldern sind aktuell sichtlich angegriffen. Die Trockenheit und der Borkenkäferbefall machen den Bäumen zu schaffen.

Forstleute sind besorgt

Ohne Regen droht großes Fichtensterben

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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„Wenn es so mit dem Borkenkäferbefall der Bäume in den heimischen Wäldern weitergeht wie die letzten beiden Jahre, werden nicht viele Fichten übrig bleiben“. Diese Feststellung des Hofbieberer Forstamtsleiter Florian Wilshusen macht die dramatische Situation deutlich. Dazu droht ein Preisverfall bei Holz.

Kreis Fulda - Der viele Niederschlag in den Wintermonaten hat den Wäldern in Hessen und auch im Landkreis Fulda nur eine kurze Erholung gebracht. Der viel zu trockene und zu warme April hat die Situation wieder verschärft. „Es ist zu erwarten, dass sich die Bestände gegenüber dem Vorjahr vervierfachen. Betroffene Baumarten sind in erster Linie die Fichte, aber auch die Lärche. Der Befall geht ungebremst weiter“, sagt der Forstmann.

„Wir rechnen auch in diesem Jahr mit vielen weiteren absterbenden Bäumen“, sagt Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs HessenForst. Deshalb müssen die Forstämter aktuell schnell handeln. Um der Lage einigermaßen Herr zu bleiben, hat der Landesbetrieb seine Vorgehensweise auf die verschärfte Borkenkäfersituation abgestimmt.

Rettung intakter Waldbestände hat Priorität

Oberste Priorität hat die Rettung der intakten Waldbestände. Zuerst müsse das im Februar gefallene Windwurfholz aufgearbeitet werden, sagt Gerst. Das schon befallene Holz muss aus dem Wald, um dem Borkenkäfer keine Angriffsflächen zu bieten. Das Brutmaterial in geschwächten Bäumen müsse dem Käfer entzogen werden, damit er dort keine neuen Eier ablegen kann.

Die Mitarbeiter von Hessen Forst und die beauftragten Unternehmen könnten diese großen Mengen Holz allerdings nicht so schnell bearbeiten und aus dem Wald abfahren wie es notwendig wäre, schränkt Wilshusen ein. Die Forstämter könnten nur noch reagieren und versuchen, das Holz so schnell wie möglich zu verarbeiten und aus dem Wald zu schaffen. Dies sei die einzige Möglichkeit, um dem Borkenkäfer Herr zu werden.

Pilze befallen Kiefern und Buchen

Aber nicht nur vom Borkenkäfer droht dem Wald Gefahr. Wilshusen nennt Krankheiten, die sich ausgebreitet haben und die auch andere Baumarten gefährden: Pilze befallen gegenwärtig – auch aufgrund der Trockenheit – Kiefern und Buchen. Dazu kommen befallene Eschen und Eichen. Wobei es den Eichen noch relativ gut geht, macht Wilshusen eine kleine Einschränkung.

Doch der Borkenkäfer gefährdet nicht nur den Bestand an Fichten und Lärchen. Auch die Privatwaldbesitzer beziehungsweise HessenForst sind von den fallenden Preisen betroffen. Denn der Markt sei angesichts der großen Menge an Nadelholz fast zusammengebrochen, erklärt der Forstamtsleiter.

Corona trifft auch den Holzmarkt

Dazu komme beim Holz ein Corona-Problem. Denn der chinesische Markt, der im vergangenen Jahr noch eine große Menge Holz aus Hessen und damit aus der Region gekauft habe, nehme fast nichts mehr ab. Dadurch verschärfen sich die Absatzprobleme und damit der Preisverfall, sagt Wilshusen.

„Es ist eine Situation zum Verzweifeln“, sagt Michael von der Tann, Vorsitzender des Hessischen Waldbesitzerverbandes. Er leitet die Tann’sche Forstverwaltung in Tann. Die Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer in den Wäldern seien enorm. Noch schlimmer aber sei der Preisverfall. Er befürchtet, dass dabei die Existenz einiger Waldbesitzer gefährdet werde.

Liquiditätshilfen gefordert

Denn die Aufarbeitung des Holzes kostet teilweise mehr als der Verkauf bringe. Brachte der Festmeter Fichte vor drei Jahren noch bis 100 Euro ein, so sei der Preis derzeit auf unter 30 Euro gesunken. Die Waldbesitzer wissen nicht, wie sie das finanzieren sollen, so von der Tann.

Er fordert deshalb vom Land und Bund finanzielle Liquiditätshilfen. Dabei verweist er auf den Beitrag, den die Waldbesitzer für den Klimaschutz und zum Binden von Kohlendioxid leisten.

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