Foto: privat

Foto-Aktion und Youtube-Kanal – Dipperzer Pfarrer lässt sich in Corona-Zeiten etwas einfallen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Dipperz - Durch die Corona-Krise gestalten sich Zusammenkünfte jeglicher Art derzeit schwierig. Aus diesem Grund bleiben auch Gottesdienste, die vielen Menschen Halt in dieser turbulenten Zeit geben könnten, zwangsläufig unbesucht. Pfarrer Maximilian Weber-Weigelt (33) aus der Gemeinde Bieberstein-Dipperz hat sich jetzt eine außergewöhnliche Foto-Aktion einfallen lassen.

Von unserem Redaktionsmitglied Sarah Malkmus

Begegnungen schaffen während der Corona-Krise? Was eigentlich schwierig klingt, ist in der Gemeinde Bieberstein-Dipperz nun möglich.

Was in mancher Gemeinde, wie etwa der katholischen Innenstadtpfarrei Fulda, schon praktiziert wird, davon berichtet jetzt auch der evangelische Pfarrer Maximilian Weber-Weigelt. Er will die Menschen virtuell in die Kirche holen. „Es war doch sehr traurig, dass keiner im Gottesdienst war und ich wusste nicht, wo ich überhaupt hinschauen soll“, betont er. Sonst sei die Kirche in Dipperz stets von 25 bis 30 Menschen besetzt.

Kreativität gefragt

Die Idee bedurfte ein wenig Kreativität: Durch in der St-Michael-Kapelle in Dipperz aufgehängte Fotos sind die Gemeindemitglieder und andere Menschen, die sich der Kirche verbunden fühlen, sozusagen vor Ort. An jedem Stuhl in den ersten Reihen in der Kapelle hängt nun ein Bild eines Gläubigen.

Ob es eine Sitzordnung oder gar Stammplätze gibt, auch darauf hat der 33-Jährige eine Antwort: „Ein paar Menschen wollten weiter hinten sitzen, ansonsten sind die Sitzplätze aber eher willkürlich verteilt worden.“

„Viele Menschen haben sich gemeldet“

Die Bilder wurden dem Gemeindevorstand von den Mitgliedern zugeschickt. Zuvor hatte man die Idee über soziale Medien verbreitet. „Es haben sich viele Menschen gemeldet“, sagt der Pfarrer und fügt hinzu: „Wir hängen jetzt jeden Tag Fotos auf und wenn ich zum Mittagsgebet gehe, dann sehe ich, dass ich doch nicht alleine bin und dass die Menschen eine Verbindung haben zu dem Ort.“

Er beschreibt das als ein „schönes Gefühl“. Wenn er die Predigt halte, dann halte er sie auf diese Weise nicht in den leeren Raum hinein. „Ich weiß, da sitzen ganz viele Leute, auch wenn ich sie nur als Bild sehe. Ich weiß, dass sie da sind.“

Gottesdienst als Youtube-Video

Doch nicht nur er sieht seine Gemeindemitglieder auf diese Weise in der Kirche, auch die Gemeindemitglieder haben im Anschluss die Möglichkeit, sich den abgehaltenen Gottesdienst anzusehen, denn: Diesen nimmt der 33-Jährige auf Video auf und stellt ihn dann in einen Youtube-Kanal.

Wichtiges Stichwort: Gemeinschaft

Hinter der Foto-Aktion und dem Youtube-Kanal steht für Weber-Weigelt ein wichtiges Stichwort: Gemeinschaft. Er erklärt: „Für mich strahlt Kirche Gemeinschaft aus. Es heißt, dass man sich versammelt, unterhält und Kontakte knüpft und dass man auch über den Glauben ins Gespräch kommt.“

Positives Feedback

Das Feedback sei sowohl für die Foto-Aktion als auch für den Youtube-Kanal sehr positiv ausgefallen, betont der Pfarrer. Er habe eine Menge Anrufe und E-Mails erhalten. „Viele Menschen sagen, dass es ihnen eine Struktur gibt, in einer Zeit, in der nicht so viel Struktur vorhanden ist.“

Mehr Gespräche als weniger

Seine Message erklärt er abschließend: „Die Kirche ist auch bei den Menschen, wenn nicht mehr so viel geht.“ Man könne sich verbinden, obwohl man sich nicht sehe. „Ich habe derzeit eher mehr Gespräche als weniger.“ Das spreche für ihn dafür, dass die Menschen diese Angebote nicht nur wahrnehmen, sondern auch brauchen.

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