Fotos: Jessica Vey

Fotogalerie: Bischof Gerber predigt zu virtuellen Hassbotschaften und Geschichtsbewusstsein

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Im überfüllten Dom ist Bischof Dr. Michael Gerber am ersten Weihnachtsfeiertag auf virtuelle Gefahren eingegangen und hat dabei einen Bogen geschlagen zur Weihnachtsgeschichte. Und er erklärte, was wir heute von Maria und Josef lernen können.

Die kommenden drei bis zehn Jahre seien entscheidend für das Geschichtsbewusstsein, da es die letzten Jahre der Zeugen des Zweiten Weltkrieges sind und dessen, wie man damals mit Leben umging, das als „unwert“ definiert wurde.

Es gelte, nicht nur um die Geschichte zu wissen, sondern von ihr berührt zu sein und zu begreifen, „dass dahinter existenzielle Erfahrungen stehen, die auch eine Botschaft für uns heute haben.“

Hassbotschaften im Netz

Wer noch die Gelegenheit hatte, die Zeugen im Original zu hören, trage eine Verantwortung aus der Geschichte für die Zukunft bis weit in die kommenden Jahrzehnte.

Zu Beginn seiner Predigt hatte der Bischof auf das Evangelium aus dem Johannes-Prolog hingewiesen: „Im Anfang war das Wort“. Von Jahr zu Jahr steigere sich die Fülle an Worten gerade auch in der virtuellen Welt.

Zerstörerische Wirkung von Worten

Hier sei vieles hilfreich, in der Medizin sogar lebensrettend, doch gleichzeitig werde man auch Zeuge der zerstörerischen Wirkung von Worten: „Hassbotschaften, die sich gegenseitig hochschaukeln und die Gefahr in sich bergen, zu schrecklichen Taten zu führen, wie wir sie im Mord an Walter Lübcke und beim Anschlag in Halle erleben mussten.“

Zugleich bestehe die Gefahr, dass via soziale Medien die Meinung vieler Menschen im Hinblick auf Wahlen manipuliert werde.

Die Haltung von Maria und Josef bezeugte das Wort, das sie ergriffen hatte, so der Bischof weiter. Sie könnten den Menschen unserer Zeit mit ihrer Haltung viel mitgeben von dem, was es heiße, in einer Welt voller Wörter als Menschen der Antwort und als verantwortungsvolle Menschen unterwegs zu sein. Sie hätten um ihre Geschichte gewusst.

„Für Josef und Maria waren Hirten keine lästigen Gäste“

„Dem Zeugnis von Matthäus- und Lukasevangelium nach hat Josef einen Zugang zu seiner Geschichte, die Ortsangabe Bethlehem ist auch eine Angabe zum Selbstverständnis: Ich weiß, aus welcher Geschichte ich komme.“

Beide hätten die Worte der Hirten vernommen, die zur Krippe kamen. Für sie waren die fremden Hirten keine lästigen Gäste, die man am besten gleich wieder mit ein paar warmen Worten auf die Straße schickt.

„In vielen Fällen haben wir unsere Meinung gebildet. Unser Bild ist klar – was haben andere uns da noch zu sagen? Oftmals haben wir Gründe für die Annahme, dass das Gerede der Anderen jetzt eher lästig ist. Doch Maria und Josef zeigen eine andere Haltung. Es heißt von ihnen: Sie staunen über das, was die Hirten erzählen.“

„Wer staunt, wer das, was ihm begegnet, wer das, was ihm in den Worten des Gegenübers begegnet, nicht gleich in einer Schublade ablegt, sondern wer staunt, der kann neu den Dingen dieser Welt auf den Grund gehen.“ / jev

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