+
„Körper sind die Grenze“: Ein Sprachbild von Franz Erhard Walther auf der Fassade am Haus der Kunst in München

Werk „Anwesenheit“

Franz Erhard Walther projiziert Sprachbilder an das Haus der Kunst in München

  • schließen

Franz Erhard Walther und die Leitung seiner Ausstellung „Shifting Perspectives“ im Haus der Kunst in München haben auf Corona und die Schließung des Museums reagiert: Mit dem Werk „Anwesenheit“ werden aktuell Sprachbilder des Künstlers aus Fulda auf die Fassade projiziert.

Es sind vier Sätze, mit denen Walther an die Einbildungskraft der Betrachter appelliert: Körper sind die Grenze. Dem Raum entgegen. Der Zufall der Geschichte. Körper in der Gegenwart. Zufall, bewusste oder unbewusste Steuerung der Gedanken, die zu den Sätzen geführt haben?

Franz Erhard Walther lässt das im Gespräch offen, weiß aber, dass er mit den Sprachbildern menschliche Reaktionen und Verhaltensmuster in Zeiten von Corona trifft. Seine erweiterte, auf den Menschen bezogene  und im menschlichen Geist entstehende Kunst  durch Vorstellungen und Bilder wird hier beim Betrachter der Projektionen herausgefordert.

Sprache statt Steinbearbeitungswerkzeuge

Walther dazu: „Sprache ist Material. Sprache entwickelt Bilder. Sprache ummantelt den Raum. Sprache fügt zusammen. Sprache verbindet Räume. Sprache überbrückt Zeit.“  Was für andere Künstler der Malstift, die Feder oder Steinbearbeitungswerkzeuge sind, ist für Walther auch die Sprache.

Dr. Jana Baumann, für die Ausstellung verantwortliche Kuratorin, sagt dazu: „In einer Zeit, die uns Distanz abverlangt, gilt es dennoch, Nähe zueinander zu wahren, öffentliche Räume nicht zu verlieren, sondern sie zu transformieren. Neue Formen eines Miteinanders auszuprobieren und füreinander zu agieren.“

Baumann weiter: „Die Institution Museum ist gegenwärtig mehr denn je aufgefordert, innovative Wege zu finden, die Menschen an künstlerischen Inhalten, unabhängig von ihrer Örtlichkeit, teilhaben zu lassen. Die Grenzen der Architektur zu überwinden, Inhalte von innen nach außen zu kehren.“

Anfängliche Außenseiterposition

In der Tat stehen der Mensch und dessen Beziehung zu Raum, Ort und Zeit von Anfang an im Mittelpunkt des Lebenswerkes von Franz Erhard Walther. Bereits in früheren Wortbildern der 1950er Jahre habe sich Walther an die menschliche Vorstellungskraft gerichtet, um individuelle Assoziationen zu vermeintlich fernen Orten wie New York, Kairo oder Moskau mittels monochromer Hintergründe und farbig kontrastierender, leuchtender Buchstaben hervorzurufen, erläutert Baumann.

Diese intensivfarbigen Wortbilder weisen  damit bereits über das an der Werkkunstschule in Offenbach Erlernte hinaus.  Im Bewusstsein seiner anfänglichen Außenseiterposition habe der Fuldaer Künstler frühzeitig eine intuitiv analytische Perspektive auf den Kunstbetrieb und dessen Ein- und Ausschlusskriterien mit weiteren Sprachbildern wie  „ich war draußen“, „museum“, oder „sammlung“ formuliert.

Live-Stream von der Fassaden-Aktion

Für die Münchner ist die aktuelle Arbeit Walthers eine schöne Gelegenheit, beim Abendspaziergang Kunst zu sehen und im Moment der Auseinandersetzung mit den Inhalten der Sätze Teil des Werkes zu werden. Damit ist der Künstler, der zur Zeit intensiv mit der Ordnung seiner Werke in Fulda beschäftigt ist, in München „anwesend“, obwohl eigentlich abwesend.

Seine Kunst wurde von Innen nach außen gebracht und bewegt sich vom Realen zum Virtuellen und findet Eingang in das Bewusstsein der Betrachter. Auf der Online-Seite des Museums ist ein Film zu der Walther-Ausstellung zu sehen. Von der Fassaden-Aktion gibt es einen Live-Stream (siehe YouTube-Video oben). Da passiert tagsüber natürlich nichts...

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema