Ist FKK in Deutschland out? Experte sieht Grund im Internet-Körperkult bei Instagram und anderen Sozialen Medien.
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Ist FKK in Deutschland out? Ein Experte sieht den Grund im Internet-Körperkult bei Instagram und anderen Sozialen Medien.

Nach Studie von Yougov

Ist FKK in Deutschland out? Experte sieht Veränderung durch Internet-Körperkult bei Instagram und Co.

Deutschland gilt eigentlich als Ursprungsland der Freikörperkultur (FKK). Nun kommt eine Studie jedoch zu dem Ergebnis, dass sich Erwachsene an Orten, an denen man nackt ist, eher unwohl fühlen. Doch woran liegt das? Ein Experte klärt auf.

Fulda - Eine Yougov-Umfrage in Kooperation mit dem Portal Statista hat ergeben, dass sich Erwachsene in Deutschland an Orten, an denen man nackt ist, etwa am FKK-Strand oder in der Sauna, eher unwohl fühlen (36 Prozent) als wohl (28 Prozent). Der Rest meidet solche Orte grundsätzlich oder machte keine Angabe.

In der Region sind FKK-Bereiche ohnehin selten. „In Fulda gibt es im öffentlichen Bereich keine textilfreien Zonen“, erklärt Monika Kowoll-Ferger von der Magistratspressestelle der Stadt Fulda auf Nachfrage. Am Pfordter See bei Schlitz und am Guckaisee unterhalb des Pferdskopfes ist Nacktbaden zwar nicht verboten, aber auch nicht offiziell erlaubt. Einzig am Kinzigsee bei Langenselbold (Main-Kinzig-Kreis) gibt es einen ausgewiesenen FKK-Bereich.

Prüdes Deutschland? Experte sieht Grund im Internet-Körperkult bei Instagram

Nackt unter Fremden ist man hierzulande eher in der Sauna als am See. Dass sich Leute in der Sauna unwohler fühlen als früher, kann Tobias Röhrig jedoch nicht behaupten. „Einen solchen Trend erkennen wir nicht“, erklärt der Assistenz der Spa-Leitung und lange Zeit Saunameister im Esperanto in Fulda. Im Sommer komme es manchmal vor, dass sich Gäste draußen auch im textilfreien Bereich in Badehose sonnen. „Aber wenn man sie darauf hinweist, ist es meistens so, dass sie es nicht wussten“, erklärt Röhrig.

Im Sieben Welten sei ein Hang zur Badehose in der Sauna ebenfalls nicht erkennbar. „Wir haben allerdings neben textilfreien Bereichen auch eine Textilsauna“, sagt Stephanie Wohnig, Assistentin der Geschäftsleitung im Bäderpark-Hotel Sieben Welten Spa Resort. Mehr los als in den Nacktbereichen sei dort aber nicht.

Die Umfrage, bei der 2053 Personen mit der Frage „Wie wohl fühlen Sie sich an Orten, an denen man nackt ist?“ konfrontiert wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass sich vor allem Frauen in FKK-Bereichen unwohl fühlen (39 Prozent); bei Männern sind es 34 Prozent. Wenn man Ost- und Westdeutschland vergleicht, dann sind es die Ostdeutschen, die sich an Nacktstränden häufiger wohl (36 Prozent) fühlen als Westdeutsche (26 Prozent).

„Oben ohne“ - löst Debatte in Berlin aus - Ab wann ist es FKK?

Historisch ist Deutschland eine Wiege der Nacktkultur. Erste FKK-Vereine wurden schon um 1900 gegründet. Bei Lübeck entstand 1903 das erste FKK-Gelände. Ab den 60er Jahren und in den 70ern war Nacktbaden regelrecht ein Trend – bei Frauen war mindestens „oben ohne“ angesagt.

Und heute? Ausgerechnet „oben ohne“ löste diesen Sommer eine Debatte in Berlin aus. An der Plansche im Plänterwald zog ein Polizeieinsatz wegen einer angeblich FKK frönenden Frau mit blanker Brust eine Debatte über Gleichberechtigung nach sich. Ein Sicherheitsdienst hatte die Besucherin mehrmals aufgefordert, sich zu bekleiden, schließlich kam auch die Polizei. Kern der Diskussion: Warum sind nackte Frauenbrüste FKK, eine nackte Brustpartie von Männern aber nicht?

Video: Hüllenlos am Strand: Darum ist FKK bei vielen Leuten out

Medizinhistoriker Heiko Stoff von der Medizinischen Hochschule Hannover hält solche Diskussionen jedoch für wenig repräsentativ. Er sieht das Internet vielmehr als Antreiber einer gewissen Art von Scham. Bei Instagram etwa dominiere stets eine Idealisierung des Körpers mit straffer Haut.

„Die meisten Bilder werden nachbearbeitet. Am Strand können wir uns aber nicht nochmal durch den Filter ziehen“, erklärt Stoff. Darin sieht er den Grund, weshalb sich Menschen nackt heute eher unwohl fühlen. „Die Realität ihres Körpers macht vielen Angst und wird deshalb abgelehnt. Ich halte das für entscheidender, als dass es eine Reprüderisierung gibt oder religiöses Denken auf dem Vormarsch ist.“ (Von Gregor Tholl und Daniela Petersen)

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