Fotos: Marcus Lotz

907 Freiwillige lassen sich für Nomi in Hilders typisieren

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hilders - Der Andrang war groß: Insgesamt 907 potenzielle Spenderinnen und Spender haben am Sonntag im Sportlerheim des TSV Hilders an der Typisierungsaktion der DKMS für die kleine Nomi teilgenommen. Das Mädchen leidet an einem Immundefekt.

Von unserem Redaktionsmitglied Marcus Lotz

Wer am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr an den Supermärkten in Hilders vorbeifuhr, der hätte leicht den Eindruck gewinnen können, dass die Läden trotz sonntäglicher Arbeitsruhe geöffnet hatten – denn die Parkplätze waren reihenweise belegt.

Nur Fremdspender kommt infrage

Viele waren dem Aufruf gefolgt, der Anfang Dezember durch die Medien und die sozialen Netzwerke gegangen war: Nomi, ein erst wenige Wochen altes Mädchen, leidet an einem Immundefekt. Ärzte stellten bereits kurz nach der Geburt fest, dass Nomi zu wenige T-Zellen besitzt. Diese sind für die Immunabwehr verantwortlich. Wie die DKMS mitteilte, kann das Mädchen wahrscheinlich nur mit einer Stammzellenspende überleben.

Da Nomi keine Geschwister hat, kommt für sie nur ein Fremdspender infrage. Um einen solchen zu finden, hatte Nomis Familie zusammen mit Freunden und Bekannten bereits am Samstag eine Typisierungsaktion im nordhessischen Vellmar organisiert, wo die Familie seit Kurzem lebt. 1100 Menschen nahmen daran teil.

Familie von der Resonanz überwältigt

Weil Nomis Vater aus Hilders stammt und dort aufgewachsen ist, folgte dort gestern eine weitere Typisierungsaktion. Als die Cousine des Vaters und Nomis Oma die vielen Menschen sahen, die bereits kurz vor Beginn der Aktion vor dem Hilderser Sportlerheim Schlange standen, schüttelten beide nur ungläubig mit dem Kopf. „Was wir derzeit an Unterstützung erhalten, das ist Wahnsinn“, sagten die beiden, die nicht mit Namen genannt werden möchten. „Die Resonanz ist riesig. Es sind heute 100 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Es haben sich so viele gemeldet, dass wir manchen absagen mussten“, erzählt die Cousine und die Oma ergänzt: „Die Malteser sind hier, für die Teilnehmenden sind 45 Kuchen gebacken worden und ein Food-Truck macht kostenlos Burger für jeden, der eine Probe abgegeben hat.“

Die Probe an sich dauert nur wenige Minuten – drei, um genau zu sein. Dazu nehmen die potenziellen Spenderinnen und Spender jeweils eines von insgesamt drei Wattestäbchen für jeweils genau eine Minute in den Mund. Diese Zeit ist ausreichend, um mit einem Wangenschleimhautabstrich Gewebeproben zu entnehmen. „Für jede Spende, die im Labor untersucht wird, fallen Kosten in Höhe von 35 Euro an“, erklärt die Cousine. Deshalb werden an diesem Tag Spenden für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gesammelt.

Hilderser zeigen sich betroffen

Nach der Abgabe der Probe und einer kurzen Endkontrolle des ausgefüllten Formulars ist die ganze Prozedur auch schon vorbei. Viele der Menschen, die nach der Typisierung aus dem Sportlerheim kommen, zeigen sich betroffen. „Ich wollte mich schon lange registrieren lassen. Nomis Geschichte hat dann den Ausschlag gegeben“, erzählt eine Frau aus Hilders. „Nomis Vater ist ein Bekannter. Ich habe selbst gerade Nachwuchs bekommen, da macht einen so etwas schon betroffen“, berichtet ein Hilderser. Ähnlich emotional äußert sich einer der Helfer: „Ich habe auch Kinder und bin selbst schon lange registriert. Das hier ist eine gute Sache, deshalb helfe ich sehr gerne mit.“

Familie ist gut vernetzt

Nicola Wenderoth vom Team Spenderneugewinnung der DKMS weiß, wie wichtig Anteilnahme ist: „Man muss versuchen, die Menschen zu emotionalisieren. Viele denken, dass es sie nicht betrifft. Doch so etwas kann jeden treffen, von heute auf morgen.“ Die hohe Resonanz erklärt sich Wenderoth damit, dass die Familie gut vernetzt sei.

Die Cousine des Vaters – die Eltern waren am Sonntag nicht anwesend – zeigte sich von den vielen Teilnehmenden der Typisierungsaktion überwältigt: „Wir freuen uns unglaublich.“

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