Karolin Sinning und Julian Schmidt von Fridays for Future Fulda finden, dass die Folgen des Klimawandels uns bewusster werden müssen.
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Karolin Sinning und Julian Schmidt von Fridays for Future Fulda finden, dass die Folgen des Klimawandels uns bewusster werden müssen.

Klimanotstand drängendstes Thema

Klima-Aktivisten von Fridays for Future Fulda haben sich als Protestbewegung etabliert

  • vonMarius Scherf
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Fridays for Future hat den Klimawandel ins Bewusstsein vieler Menschen geholt. Durch Corona ist es ruhiger um die Bewegung geworden und aus Protestlern wurden Aktivisten.

Fulda - Im vergangenen Jahr beherrschte der Klimawandel die Nachrichten. Der Dürresommer brachte den Grünen ein Umfragehoch, und nachdem sich 2018 Greta Thunberg das erste Mal vor das schwedische Parlament setzte, um für mehr Klimaschutz zu protestieren, zogen weltweit Millionen Jugendliche auf die Straßen. Heute hat das Coronavirus die Klimaschützer längst aus dem Schlagzeilen verdrängt, aber der Klimawandel verschwindet nicht einfach so. 

Für dieses Bewusstsein wollen Julian Schmidt (24) und Karolin Sinning (21) kämpfen. Er ist Softwareentwickler, und sie studiert Sozialwissenschaften an der Hochschule Fulda. Beide sprechen für Fridays for Future Fulda, legen aber Wert darauf, dass es keine Hierarchien bei ihnen gibt. Die Gruppe hat sich vor einem Jahr gegründet. Wie überall in Deutschland hat man Proteste organisiert, ist auf die Straße gegangen und hat die Schule bestreikt. 

Fridays for Future Fulda: Während der Corona-Krise ist es ruhiger geworden

Durch Corona ist es ruhig geworden. Die letzte Klimademo, die global stattfinden sollte, wurde abgeblasen. Das war im April. In Fulda fanden, außer einer Kreidemalaktion auf dem Uniplatz im Mai und einer Fahrraddemo Ende Juli, keine Aktionen mehr statt. 

„Momentan haben wir auch niemanden aus der Schule bei uns in der Kerngruppe“, bedauern beide. Aber in Fulda läuft so einiges anders: „Wir haben nicht jeden Freitag gestreikt, wie das in anderen größeren Städten der Fall war“, erklärt Karolin Sinning

Julian Schmidt findet, dass die Auflagen von Seiten der Stadt höher seien, als bei anderen Demos. „Ich habe bei Fulda immer das Gefühl, dass Protestieren bei uns immer als vermeidliche Unruhestiftung gewertet wird“, findet Sinning

„Es reicht eben noch nicht“

Aber den beiden und sechs weiteren im Organisationsteam der Gruppe ist weniger an Unruhestiftung gelegen, als an Sensibilisierung für ein Thema, über dessen Konsequenzen sich viele noch nicht genug im Klaren seien. „Die Klimakrise muss ins Bewusstsein der Verantwortlichen gelangen“, sagt Sinning. Dazu sei die Bewegung gegründet worden.

Aber ist es das nicht längst, auch oder gerade durch die Proteste von Fridays for Future? „Wir haben ganz schön viele Menschen genervt, aber es reicht eben noch nicht,“ befindet Julian Schmidt und lacht. Beispiel Klimanotstand: Viele Städte riefen im vergangenen Jahr einen solchen aus. Das soll heißen, dass die Auswirkungen auf das Klima bei zukünftigen Entscheidungen einer Kommune immer mitbedacht werden. 

Beide sind hochpolitisch

Auch Fridays for Future Fulda wollte, dass die Stadt den Notstand ausruft. „Obwohl es sich dabei mehr um einen symbolischen Akt handelt, hat die Stadt trotz Beteuerungen eine Möglichkeit zu suchen, den Notstand nicht ausgerufen. Und das liegt in den Augen von Schmidt nicht nur an der Bürokratie: „Es wird zwar viel beteuert, aber wenig gehandelt“, stellt der 24-Jährige frustriert fest. „Allzu häufig frage ich mich, wo die Vision in der Politik noch zu finden ist“, sagt Sinning. „Gerade bei einem solchen Zukunftsthema, glaube ich, dass es wichtig ist, den Menschen Mut und Hoffnung zu geben. Corona zeigt doch auch, dass es anders geht, dass schnelles Handeln möglich ist. Die Krise bietet Platz für Utopien.“

Die Beiden wirken hochpolitisch und haben auch andere Probleme im Blick. Sinning: „Black Lives Matter hat uns in der Corona-Zeit wieder wachgerüttelt. Klimawandel und Rassismus haben viel miteinander zu tun“ Unser Wohlstand baue auf der Ausbeutung des globalen Südens auf. Die Menschen dort hätten mit den Folgen der Klimakrise am meisten zu kämpfen. „Klimagerechtigkeit ist nur in einer antirassistischen Gesellschaft möglich“, findet Sinning.

Neue Formen des Protestes

Während des coronabedingten Lockdowns hatte die Bewegung nicht nur Zeit sich über Theoretisches Gedanken zu machen, sondern auch neue Formen des Protestes zu entwickeln. Protestkultur im Netz lautet das Stichwort. Wie aber funktioniert das? Schmidt erklärt: „Als bundesweite Bewegung haben wir unsere Onlinepräsenz verbessert, vor allem auf Instagram. Gerade für eine Bewegung, die von jungen Menschen getragen wird, ist es wichtig, diese auch online anzusprechen. Wir haben etwa bundesweit zentrale Hashtags unter Bildern verwendet, wie ,facetheclimateemergency‘, aber auch Aktionen gemacht, wo jeder ein Bild von sich mit seinem Protestschild postet.“

Karolin Sinning wirft aber ein: „Das kann die Wirkung des Protestes im öffentlichen Raum natürlich nicht ersetzen.“ 

Aufhören kommt nicht in Frage

Diesselbe Zahl an Menschen, wie noch vor einem Jahr, erreicht die Bewegung nicht mehr, geben beide zu. Doch um den Streik geht es den beiden auch nicht mehr alleine. „Wir fokussieren uns als Bewegung auf konkrete Projekte in der Region. Die Umgestaltung des Aueweihers zur Landesgartenschau ist ein Thema, was uns beschäftigt. Auch im Innenstadtbereich gibt es so einiges, wofür wir uns einsetzen, etwa, die Heinrichstraße zu einer Fahrradstraße zu machen.“ 

Mit dem Protestieren aufhören wollen die beiden aber nicht. Sinning: „Am 23. September soll der nächste globale Klimastreik stattfinden. Wenn Fridays for Future noch eine Sache erreicht hat, ist es vor allem die, dass wir Menschen zusammenbringen, die sich für das gleiche Thema einsetzen. Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

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