Foto: Julia Hess, privat

Friedhelm Dauner: Singender Pfarrer wird 75 – und verkündet Ruhestand

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gersfeld - Er singt – und berührt damit Tausende Menschen in ganz Deutschland. Friedhelm Dauner ist als Pfarrer und Musiker „bekannt wie ein bunter Hund“, sagt er selbst und lacht. Er wird am Mittwoch 75 Jahre alt und verkündet außerdem seinen Ruhestand.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Es wird ein außergewöhnliches neues Lebensjahr für Friedhelm Dauner. Nach 34 Jahren als katholischer Pfarrer in Gersfeld und 40 Priesterjahren ingesamt hört er zum 1. August auf. Wegen der Ferienzeit ist sein Abschiedsgottesdienst schon am 28. Juni. „Ich bin der dienstälteste Pfarrer in der ganzen Diözese. Viele gehen schon mit 70 in Ruhestand“, sagt er. Fünf- bis sechsmal in der Woche hält Dauner noch Gottesdienste in Gersfeld, am Wachtküppel und in den Seniorenheimen.

Einen Aufenthalt in einem Seniorenheim – das kann er sich auch gut vorstellen. Zwar wird er erst mal in Gersfeld wohnen bleiben. Aber eine Seniorenresidenz in Schweinfurt habe er sich schon ausgeguckt. „Dort bin ich unter Menschen“, begründet er. Denn: „Die Einsamkeit wird im Ruhestand vielleicht noch größer werden.“

Gegen den Zölibat

Dauner hat sich vor zwei Jahren in unserer Zeitung offen gegen den Zölibat ausgesprochen. Damals war sein Bekannter Jan Kremer in Petersberg aus dem Priesteramt ausgeschieden – wegen der Liebe zu einer Frau.

Seinen Geburtstag verbringt Dauner aber nicht allein. Verwandtschaft aus ganz Deutschland und sogar aus Belgien wird zur Feier kommen. Die hat der Jubilar für morgen eingeladen – „heute ist ja Aschermittwoch“, erklärt er. Deshalb wird die Geburtstagsfeier um einen Tag verschoben.

Mit 14 wollte er Pfarrer werden

Der 75-Jährige stammt aus Leverkusen. Schon mit 14 Jahren habe er gewusst, dass er Pfarrer werden will. „Meine katholische Mutter war dagegen, das passt nicht zu unserer Familie, hat sie gesagt.“ Letztlich war es sein evangelischer Vater, der ihn unterstützte. „Warum soll ich dem Jungen die Zukunft verbauen“, habe er gesagt.

Nachdem Dauner zunächst als Chemielaborant arbeitete und sein Abitur nachgeholt hatte, studierte er Philosophie und Theologie – in Innsbruck und in Fulda. Dauner war als Kaplan in Flieden und danach in Homberg/Efze tätig sowie in Somborn und Mernes (beides Main-Kinzig-Kreis). Überall blieb er nicht lange, aber er hat offenbar immer bleibenden Eindruck hinterlassen.

In etlichen Bands gespielt

Die Gläubigen mochten ihren singenden Pfarrer. Denn: „Das mit der Gitarre im Gottesdienst – das war von Anfang an“, sagt er und seine Augen strahlen. „Es hat mit dem gesungenen Vaterunser angefangen.“ Musik ist sein Leben. „Ich bin da hineingeboren.“ Sein Vater und sein Onkel waren leidenschaftliche Musiker. Und bei allen Stationen, die Dauner durchlaufen hat – überall war die Musik sein Begleiter.

„Ich habe in etlichen Bands gespielt“, erinnert er sich. „Einmal hab ich mit Jugendlichen getwistet.“ Dauner lacht laut, als er das erzählt. Die Jugendarbeit habe ihm immer besonders viel Spaß gemacht. „4500 junge Menschen habe ich in meinem Leben begleitet. Mit 21 Jahren habe ich angefangen“, berichtet Dauner. Ferienfreizeiten, Messdienerausflüge, Aktionen der Caritas – die Liste ist lang. Die Jugendarbeit wurde weniger, doch die Musik ist geblieben.

14 CDs herausgebracht

In seinen 34 Jahren in Gersfeld seien manche extra in die Rhön gekommen, um ihn zu erleben. 14 CDs hat Pfarrer Dauner herausgebracht. Den Verkaufserlös von mehr als 100.000 Euro spendete er an den Fuldaer Verein „Wir helfen Kindern in der Dritten Welt“ – für die Schul- und Berufsausbildung von Kindern und Jugendlichen in Bolivien. „Ich bekomme auch viele Zuschriften, ich hab’ eine ganze Mappe voll. Das hätte ich anfangs ja nie gedacht“, sagt er und lacht wieder herzlich.

Der 75-Jährige ist ein fröhlicher Mensch, er erzählt Anekdoten und „dabei hole ich immer viel zu weit aus, das hat schon meine ehemalige Sekretärin immer gesagt“, sagt er und lacht wieder herzlich. Er weiß zu unterhalten. Doch seine Lieder sind eher ruhig. Nachdenklich. „Meine Musik beruhigt die Menschen. Das haben mir schon viele als Rückmeldung gegeben.“

Glückwünsche von Algermissen

Auch Altbischof Heinz Josef Algermissen ist begeistert von seiner Arbeit, er hat Dauner bereits Geburtstagsgrüße geschickt: „Mit Ihrem überzeugenden, authentischen priesterlichen Dienst und mit ihrerer Musik haben Sie die Herzen der Menschen erreicht und sie zu Christus geführt“, liest Dauner aus dem Brief vor.

Eines ist klar: Auch bei seinem Abschiedsgottesdienst in Gersfeld wird Pfarrer Dauner Musik machen. Und eine Zeile aus einem Lied verrät er schon: „Ich singe ‚Niemals geht man so ganz‘.“

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