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Knittel wird 150: Fuldaer Unternehmen will jetzt auf E-Fuels setzen

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Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (Zweiter von rechts) und Stadtbaurat Daniel Schreiner (rechts) überbrachten persönlich ihre Glückwünsche zum Jubiläum und überreichten im Beisein von Marlies und Willi Knittel (von links) eine Collage an das Unternehmer-Ehepaar Uta Knittel-Weber und Udo Weber (Mitte).
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (Zweiter von rechts) und Stadtbaurat Daniel Schreiner (rechts) überbrachten persönlich ihre Glückwünsche zum Jubiläum und überreichten im Beisein von Marlies und Willi Knittel (von links) eine Collage an das Unternehmer-Ehepaar Uta Knittel-Weber und Udo Weber (Mitte). © Christian Tech

Das Unternehmen Knittel aus Fulda feiert 150-jähriges Bestehen. Während die Geschichte des Betriebs mit einem Leinenhandel begann, wird nun der Fokus auf moderne Energie gesetzt.

Fulda - „1871 gegründet, ist Knittel der Energiehändler Osthessens, der den Sprung in die Moderne geschafft hat“, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung zu seinem Jubiläum. Auch im Jahr des 150-jährigen Bestehens will das Unternehmen aus Fulda „die Zeichen ganz klar auf Zukunft setzen“.

„Wir beziehen demnächst unser neues Gebäude im Fuldaer Gewerbegebiet in der Daimler-Benz-Straße. Hier haben wir die Voraussetzungen geschaffen, klimaneutralen Kraftstoff zukünftig anzubieten“, berichtet Knittel-Geschäftsführer Udo Weber anlässlich des Jubiläums. Während einer Feierstunde überreichte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, Dr. Christian Gebhardt, im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) und Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) die offizielle Urkunde zum 150. Geburtstag.

Fulda: 150 Jahre KNITTEL - Unternehmen setzt jetzt auf E-Fuels

Aktuell hat der Familienbetrieb rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Zentrale und in den Niederlassungen beschäftigt, dazu indirekt rund 350 Mitarbeitende an den rund 80 belieferten Tankstellen. (Lesen Sie hier: „Kaufentscheidung beeinflussen“: Plakat an Tankstellen zeigt Preise von anderen Antrieben)

Doch wie hat alles angefangen? Das Geschäftsführer-Ehepaar Uta Knittel-Weber und Udo Weber blickt zum Jubiläum zurück. „Am 18. November 1871 starteten die Brüder Wilhelm und Romanus Knittel, mein Ururgroßvater, zunächst mit einem Leinenhandel“, sagt Uta Knittel-Weber. Im Handelsregister des Amtsgerichts Fulda wurde handschriftlich eingetragen: „Es erschienen die Fabrikanten Romanus und Wilhelm Knittel von hier und erklären dieselben: Wir betreiben dahier unter der Firma J. Knittel Söhne ein Leinenfabrikgeschäft. Jeder von uns beiden ist zur Zeichnung und Vertretung der Firma berechtigt.“

Daraus entwickelte sich eine Leiterwagen-Spedition für Lebensmittel, Möbel und Hausrat, bis der Kohlehandel Ende des 19. Jahrhunderts Fuß fasste. Zwei der wichtigsten Entscheidungen waren später der Schritt von der Kohle zum Mineralölhandel und ins Tankstellengeschäft, dann die weitere Ausweitung des Energie-Portfolios.

Knittel-Geschäftsführer Udo Weber: „Thema Nachhaltigkeit fest im Blick“

„Während andere Kohlehändler in der Region nach und nach ihre Betriebe aufgaben, ebnete die Umstellung bei Knittel – das begann übrigens bereits Ende der 1950er Jahre – den Weg zum langfristigen Erfolg“, so Uta Knittel-Weber. „Im ersten Jahr wurden 6400 Liter Heizöl verkauft, nach heutigem Maßstab die Tankfüllung eines Zweifamilienhauses. Für unser Unternehmen war das aber ein großer Schritt.“

Das Geschäftsführer-Ehepaar ist sich einig: „Immer am Puls der Zeit zu sein, ist in unserer Branche enorm wichtig.“ So war das Unternehmen zum Beispiel schon in den 1890er Jahren offen für technische Innovationen, als sich Knittel in die erste Reihe beim Thema Telefonanschluss in Fulda stellte. „Wenn man so will, war das die erste regionale ,Digitalisierungswelle‘“, wie Udo Weber schmunzelnd erzählt.

In Fulda wurden damals zunächst nur 20 Telefonnummern vergeben. Die Stadt Fulda hatte die Nummer 1, es folgten die Wachswarenfabrik Berta und das Hotel „Zum Kurfürsten“. Knittel hatte die Rufnummer 13 – und damit noch vor den Gaswerken eine innerstädtische freie Leitung zu Kunden und Partnern erhalten. (Lesen Sie auch: Wasserstoff-Busse und Schnelllade-Stationen: Fuldaer Kreistag will mehr „saubere Mobilität“)

Video: E-Fuels: Wie alle Autos klimaneutral werden könnten

„Damals wie jetzt bei uns fest im Blick ist das Thema Nachhaltigkeit“, sagt Weber, und meint damit auch das Thema E-Fuels: „Wir werden diese flüssigen Kraftstoffe aus Ökostrom als einer der ersten deutschen Energiehändler anbieten. Durch die genialen Eigenschaften des Produkts können E-Fuels allen Kraftstoffen beigemischt werden. Somit wird konventioneller Kraftstoff zunehmend klimaneutral. Ein Beleg dafür, dass nicht der Verbrennungsmotor das Problem ist, sondern der eingesetzte Kraftstoff. Oder entsorgt jemand seinen Kühlschrank, weil er Öko-Strom einkauft?“

Mit E-Fuels könne man regenerative Energie aus anderen Teilen der Welt speicherbar machen „und auch nach Deutschland transportieren“, wie Weber betont. „Wir denken beim Thema Verkehrswende technologieoffen in alle Richtungen und planen, an unserem neuen Standort in der Daimler-Benz-Straße neben E-Fuels auch Wasserstoff und eine Schnellladesäule anzubieten.“

Das Jubiläum wird im Rahmen eines Tages der offenen Tür am Samstag, 14. Mai 2022, auf dem neuen Firmengelände mit allen Kunden, Partnern und Interessierten gefeiert. (ah)

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