1. Fuldaer Zeitung
  2. Fulda

Rekordbelastung für Notaufnahme im Klinikum: Mehr als 46.600 Patienten in einem Jahr

Erstellt:

Von: Volker Nies

 Team Notaufnahme Fulda
Sie gehören zu dem Team, das die Notaufnahme des Klinikums rund um die Uhr am Laufen hält (von links): Assistenzarzt Marcus Nitsche, Oberärztin Nisa Reese, Notfallkoordinatorin Lena Rohrbach, Medizinische Fachangestellte Lena Möller, Krankenpflegerin Michelle Frick und Zentrale-Notaufnahme-Manager Dittmar Happel. ©  Volker Nies

Zum Jahreswechsel haben die Mitarbeiter der Notaufnahme des Klinikums in der Regel alle Hände voll zu tun. Zur üblichen Belastung kommen Unfallopfer und Betrunkene. Sie setzen den Schlusspunkt in einem Jahr, in dem die Notaufnahme so viele Patienten behandelte wie nie zuvor.

Fulda - Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Patienten suchen die Notaufnahme auf. Eine Atempause beim Wachstum brachten nur die Corona-Jahre 2020 und 2021. Gut 46.600 Patienten wurden 2022 gezählt. „So viele wie nie zuvor“, berichtet Klinikum-Chef Dr. Thomas Menzel (60). Im Mai wurden erstmals mehr als 4000 Patienten in einem Monat behandelt.

Fulda: 2022 mehr als 46.000 Patienten in Notaufnahme des Klinikums

An einem Nachmittag im September befanden sich 75 Patienten gleichzeitig in der Notaufnahme. Auch das ein Rekord. An Heiligabend waren 15 Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen zu behandeln – bei vollen Intensivstationen. (Lesen Sie hier: Silvester in Osthessen: Feuerwerk, Partys und Einsätze für die Rettungskräfte)

Diese Entwicklung sieht Klinikum-Chef Menzel mit Sorge: „Fast 50 Prozent der Patienten brauchen keine dringliche Behandlung. Sie könnten zum großen Teil von einem Fach- oder Hausarzt behandelt werden“, sagt er. Bei mittlerweile fünf Prozent der Patienten besteht die Behandlung darin, dass die Notaufnahme einen Termin in einer Arztpraxis organisiert – hoher Aufwand.

Die Notaufnahmen aller großen deutschen Kliniken melden stark wachsende Belastungen. „Der Hauptgrund ist, dass viele Patienten keinen Termin beim Haus- oder Facharzt erhalten oder sie gar keinen Hausarzt haben. Dazu gehören viele Migranten“, sagt Menzel. Er erwartet, dass die Zahlen 2023 weiter wachsen – auch deshalb, weil das Krankenhaus Bad Brückenau seine Notaufnahme schloss.

Die Patientenzahl in der Notaufnahme des Klinikums Fulda steigt seit Jahren. © Michael Haipeter

Bricht die Fuldaer Notaufnahme angesichts wachsender Zahlen nicht irgendwann zusammen?„Nein. Die Belastung wächst, aber unsere Organisation wird auch immer besser“, erklärt Dittmar Happel (61), Manager der Zentralen Notaufnahme (ZNA). Er war einer der ersten deutschen ZNA-Notfall-Koordinatoren und der erste ZNA-Manager Deutschlands.

60 Mitarbeiter, darunter sechs Koordinatoren, zehn Oberärzte und zwei Arzt-Assistenten, sind hier eingesetzt. Trotz wachsender Zahlen blieb die durchschnittliche Verweildauer von der Erstaufnahme bis Entlassung oder zur Aufnahme in einer Klinikstation konstant bei 250 bis 260 Minuten. „Das ist bundesweit spitze“, sagt Happel.

Wichtig für runde Abläufe sei es, möglichst schnell über die Behandlungsschritte zu entscheiden, berichtet er. In der Einstufung der Dringlichkeit, der Zuweisung zur richtigen Klinik und dem Vorgehen, wenn Betten fehlen, sei die ZNA besser geworden. Happel:„Uns helfen die modernen Räume. Wir haben kurze Wege zur Intensivstation. Unser Hochleistungs-Computertomograph braucht nur 90 Sekunden für einen Ganzkörper-Scan.“

Video: Überfüllte Notaufnahmen - Zu viele Patienten und zu wenig Personal

Neue Patienten werden nach spätestens zehn Minuten von einen speziell ausgebildeten Koordinator einer Behandlungskategorie zugewiesen. Elf Prozent gehören zu den höchsten Kategorien, die eine schnelle Behandlung brauchen: Unfallopfer, Herzinfarkte, Schlaganfälle.

Die Notaufnahme ist gut. Aber sie ist auch teuer. Das Klinikum erhält pro Fall 30 Euro. 130 Euro müssten es nach den Berechnungen einer Fachgesellschaft sein. „Das bedeutet: Bei 46.000 Patienten im Jahr legen wir rund 4,6 Millionen Euro drauf“, sagt Menzel.

„Es ist sensationell, was die Mitarbeiter hier leisten. Unsere Notaufnahme hat eine bundesweite Strahlkraft. Vertreter von Uni-Kliniken schauen sich an, wie es bei uns funktioniert“, sagt Menzel. „Wir übernehmen gern die Verantwortung für die Region. Aber nicht zuletzt bei der Finanzierung dürfen wir nicht allein gelassen werden.“

Auch interessant