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50 Jahre Künzell: So will die Gemeinde am Wochenende feiern

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Von: Volker Nies

Ein historisches Luftbild der Gemeinde Künzell
Unser Bild zeigt Künzell im Jahr der Gebietsreform. Jetzt feiert die Gemeinde 50 Jahre. ©  Archiv der Gemeinde Künzell.

Die Gemeinde Künzell wird 50 Jahre alt. Dieses Jubiläum feiert Künzell am Wochenende. „Die Feiern sollen deutlich machen, wie unsere Gemeinde entstand, und so auch die Identität als Gemeinde stärken“, sagt Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos).

Künzell - „Der Rückblick ist extrem spannend“, sagt Zentgraf. „Wie es dazu kam, dass die Gemeinde überhaupt entstand, ist für alle interessant, die heute in Künzell leben“, erklärt der Rathauschef. In Künzell fand die Gebietsreform am 1. April 1972 ihren Abschluss. An diesem Tag wurden die letzten Ortsteile Dirlos, Engelhelms und Pilgerzell in die Gemeinde Künzell eingegliedert. Bereits Ende 1971 war die Eingliederung von Keulos, Wissels, Dassen und Dietershausen erfolgt.

Die Gemeinde ist vor 50 Jahren aus der Taufe gehoben worden. Das ist ein runder Geburtstag. Aber darf man dieses Jubiläum in einer Zeit groß feiern, in der der Ukraine-Krieg geführt wird? „Ja“, sagt Zentgraf, „wir planen ja keine Riesenparty, sondern Veranstaltungen, die im Rahmen bleiben. Der Krieg ist schrecklich, aber ein bisschen Ablenkung mit vielen Blicken in die Vergangenheit, das ist sicher nicht falsch.“ (Lesen Sie hier: Landkreis Fulda plant zum 200. Geburtstag große Feier - Kreistag soll 750.000 Euro freigeben)

50 Jahre Künzell - Diese Feiern und Aktionen plant die Gemeinde

Das Gute an der 50-Jahr-Feier sei, dass viele Zeitzeugen der Gebietsreform noch leben. Einige dieser Zeugen werden am Samstag bei dem Festkommers dabei sein: Thomas Grünkorn aus Pilgerzell, Margitta Möller und Karin Schultheis aus Künzell-Bachrain, Eberhard Meffert und Herbert Ritz aus Engelhelms, Alfred Klüber, Josef Kremer und Norbert Maierhof aus Dietershausen, Bernhard Schickling und Walter Schreck aus Keulos, Helmut Vogler aus Dassen und Oskar Leitsch aus Wissels.

Programm

Freitag, 1. April, 9 bis 17 Uhr: Eröffnung um 11 Uhr, Großes Bürgerfest auf dem Platz „Neue Mitte“ mit 18 Ausstellern, Live-Musik, vielen Kinderaktionen, Gewinnspiel und mehr

Samstag, 2. April, 18.30 Uhr: Festkommers im Gemeindezentrum; Als Podiumsgespräch entlockt Moderatorin Sabine Räth einigen Zeitzeugen Anekdoten der damaligen, bewegenden Zeit. 200 Gäste erleben abwechslungsreiche Rückblicke mit Fotos und Emotionen.

Sonntag, 3. April, 14 Uhr: Neue Denkmäler; Die Gemeinde enthüllt ein Gutshofmodell am ursprünglichen Standort des alten Gutshofes und einen besonderen Foto-Point zum Gedenken an die Entstehung von Künzell. Ort des Geschehens ist der Künzeller Grezzbachpark. Treffpunkt um 14 Uhr ist an der Teichanlage (Grezzbachpark/Georg-Stieler-Straße).

Im Laufe des Jahres sind weitere Aktionen geplant, darunter ein Jubiläumskonzert mit dem Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Dirlos am 22. Mai um 17.30 Uhr, ein Sternenlauf am 10. Juli, der die acht Ortsteile verbindet, und ein Kulturabend im Grezzbachpark am 10. September. Zudem feiern einige Gemeindeeinrichtungen den 50. Geburtstag, darunter Kindergärten, sowie die Florenbergschule. Eine Aktion „Künzell blüht“ wird in allen Ortsteilen angeboten.

Dass im Osten von Fulda die Gemeinde Künzell entstand, das war nicht sicher, als 1970 in Osthessen Gespräche über Zusammenschlüsse begannen. Unsere Zeitung druckte am 14. März 1970 einen Plan ab, der eine „geplante Großgemeinde Florenberg“ aus den Orten Bronnzell, Edelzell, Engelhelms, Pilgerzell, Künzell, Keulos und Dirlos mit 12.000 Einwohnern zeigte.

„Grundlage der Überlegungen für die Gemeinde Florenberg war die Tatsache, dass der Florenberg für die Orte jahrhundertelang kirchlicher, kultureller, geschichtlicher und geografischer Mittelpunkt war“, schrieb der Historiker Dieter Wagner. Parallel war die „Großgemeinde vor dem Rauschenberg“ mit Petersberg, Lehnerz und Niesig und 7000 Einwohnern im Gespräch.

Zeitzeugen erzählen Anekdoten aus Zeit der Entstehung

Der Künzeller Bürgermeister Alfons Schwab hingegen wollte Künzell zum Mittelpunkt einer neuen Gemeinde machen. Das wäre in einer Gemeinde Florenberg nicht der Fall gewesen. Schwab warb damit, dass es in Künzell bereits ein neues, großes Rathaus und eine neue, moderne Schule gab. Dassen, Dietershausen, Keulos, Wissels sahen darin einen Vorteil und stimmten 1971 ihrer Eingemeindung zu.

Die Stadt Fulda gewann die Zustimmung von Bronnzell und Edelzell. Das von Fulda umworbene Engelhelms entschied sich hingegen für Künzell. In Pilgerzell und Dirlos war der Widerstand gegen eine Zuordnung zu Künzell jedoch enorm. Am Ende drohte Landrat Eduard Stieler den beiden Orten, entweder sie gingen freiwillig zu Künzell, oder sie verlören viele Fördermittel – und würden dann eben zwangsweise ein Teil von Künzell. Pilgerzell und Dirlos fügten sich schließlich.

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