Marlon Osterod tauscht die Schulbank im Domgymnasium Fulda mit der Koje an Bord der „Pelican of London“.
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Marlon Osterod tauscht die Schulbank im Domgymnasium Fulda mit der Koje an Bord der „Pelican of London“.

Abenteuer startet

Ein halbes Jahr Unterricht auf hoher See: 15-Jähriger aus Fulda segelt mit Schulschiff über Atlantik

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Ein halbes Jahr auf dem Wasser, unterwegs in unbekannten Ländern und weit weg vom Heimathafen: Marlon Osterod tauscht die Schulbank im Domgymnasium Fulda mit der Koje an Bord der „Pelican of London“– die Geschichte eines zukünftigen Abenteurers.

Fulda - Mit 15 Jahren hängen Jugendliche heutzutage meist am Handy. Sie warten ab – darauf, dass die Corona-Pandemie vorbeigeht und darauf, dass sie wieder raus können. Nicht so Marlon Osterod aus Fulda: Er hat sich entschieden, der Freiheit entgegen zu segeln und bricht am Samstag mit einem Segelschiff zu fernen Ufern auf .

„Es fing 2020 an. Alle hingen zu Hause wegen Corona, allen war langweilig, meine Noten wurden schlechter, und ich habe meine Freunde vermisst“, erzählt der 15-Jährige. „Dann hat es mir gereicht.“ Zusammen mit seiner Mutter habe Marlon nach Möglichkeiten gesucht, um den Corona-Alltag hinter sich zu lassen. Eine kleine Reise reichte dem Schüler der elften Klasse des Domgymnasiums nicht – er sucht die Herausforderung, die weite Welt, das große Abenteuer. (Lesen Sie auch: Nachfrage nach Plätzen im Internat boomt in Corona-Zeiten)

Fulda: 15-Jähriger startet großes Abenteuer - Mit Segelschiff über Atlantik

Seine ältere Schwester hatte ihm von einer kürzeren Reise auf einem Boot vorgeschwärmt. Von der Idee einer Reise auf dem Meer begeistert, bewarb sich Marlon bei zwei Organisationen. „Da genommen zu werden, ist recht utopisch“, dachte der 15-Jährige erst. Doch er hatte auf Anhieb Erfolg: Für beide Schulschiffe, einmal vom „Ocean College“ und einmal vom „Klassenzimmer unter Segeln“, bestand er die Auswahlverfahren, bei denen er Motivationsschreiben und Zeugnisse einreichen und seine Teamfähigkeit und seine Selbstständigkeit unter Beweis stellen musste.

Schließlich entschied er sich, auf der „Pelican of London“, die für das „Ocean College“ segelt, die Reise mit 33 anderen Jugendlichen und der professionellen Crew aus England anzutreten. Auf dem Schiff wird normaler Schulunterricht gegeben werden, aber nautisches und meereswissenschaftliches Wissen wird im Vordergrund stehen, außerdem nehmen die Jugendlichen an Camps teil, in denen die spanische Sprache vermittelt wird.

Fahrt über den Atlantik: Marlon Osterod wird auf Segelschiff unterrichtet

Mit dem dreimastigen Segelschiff geht es von Kiel aus durch den Ärmelkanal und die europäische Westküste entlang. Nach einem längeren Aufenthalt in Marokko geht es dann für etwa drei Wochen raus aufs offene Meer und über den Atlantik, bevor in Südamerika mehrere Landgänge mit Aufenthalt geplant sind. Da die nautisch ausgebildete Crew aus England kommt, wird der Künzeller mit den Seeleuten Englisch sprechen. Der Schulunterricht mit drei ausgebildeten Lehrern hingegen findet auf Deutsch statt, bei einem Aufenthalt in Costa-Rica werden die Jugendlichen an einem Spanisch-Camp teilnehmen.

Wichtig aber ist für Marlon: „Leute kennenlernen war ausschlaggebend für die Entscheidung, um die halbe Welt zu segeln. Und mal ohne digitale Ablenkung zu sein, denn das Handy wird einkassiert und nur für Landgänge herausgegeben“, sagt der Elftklässler. Digitale Entgiftung nennt er seine Reise deshalb. Der 15-Jährige redet schnell und wirkt nervös kurz vor Beginn der Reise. Seine Mutter hat schon jetzt das Gefühl, dass er als ein anderer Mensch von dieser Reise zurückkehren wird. Und er sagt selbst: „Ich bin sehr aufgeregt – ich freue mich aber auch sehr.“ (Lesen Sie hier: Schüler im Kreis Fulda dürfen wieder auf Klassenfahrt)

Video: Schülergruppe kehrt mit Segelschiff nach Deutschland zurück

Eine Koje wird er sich mit drei bis fünf anderen Jungs teilen müssen, und er weiß schon jetzt, dass es da auch mal krachen wird. „So viele Jungs, alle im gleichen Alter und auf einem Haufen...“, fängt Marlon den Satz an und muss grinsen. „Das könnte spannend werden“, soll sein Lachen wohl heißen. Er wird selbstständig sein und auf dem Schiff mithelfen müssen.

Auf dem Schulschiff wird das Segeln, die Selbstversorgung und die Gemeinschaft der Jugendlichen im Vordergrund stehen, es werden Wasserproben zur Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere genommen und Vorträge gehalten. Marlon wird über die Korallenriffe referieren, er wird Überlebenstraining an Land machen und Orte und Menschen kennenlernen. Wenn er dann über die Bahamas und die Azoren zurückkehrt nach Kiel, wird er vermutlich einiges erlebt haben.

Ob er Angst hat vor der Reise oder der Seekrankheit, die eigentlich alle zu Wasser trifft, wie er berichtet? „Vor der Reise habe ich keine Angst. Ich habe eher Angst, dass ich keinen Anschluss bekomme, wenn ich zurückkehre“, gibt Marlon zu. Aber die Freundschaften, die er während seines Abenteuers schließen wird, werden sicher Stürme, Ebben und Seekrankheit überstehen. Vor der Weite des Meeres hingegen fürchtet sich Marlon nicht: „Ich liebe das Wasser“, sagt er – und überprüft die Tauchbrille, die Flossen und den Schnorchel..

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