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Praxisaufgabe in Nacht- und Nebelaktion kostet Patienten und Mediziner weiter viele Nerven

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Von: Andreas Ungermann

Die Arztpraxis von Anastasiya Franz in Fulda blieben im Februar 2022 plötzlich geschlossen. Das stellt seitdem Patienten und Ärzte vor Herausforderungen (Symbolfoto).
Die Arztpraxis von Anastasiya Franz in Fulda blieben im Februar 2022 plötzlich geschlossen. Das stellt seitdem Patienten und Ärzte vor Herausforderungen (Symbolfoto). © Maurizio Gambarini/dpa

Die Türen der Arztpraxis von Anastasiya Franz in Fulda blieben Anfang Februar plötzlich und ohne Vorwarnung geschlossen. Das stellte seitdem nicht nur Patienten, sondern auch die ortsansässigen Ärzte vor Herausforderungen. Und die sind nicht gänzlich bewältigt.

Fulda - Schon 2021 hatte eine Patientin von Anastasiya Franz bei ihrer einstigen Ärztin, die bis Mitte Januar in Fulda praktizierte und dann nicht mehr aus dem Urlaub zurückkehrte, ihre Akten wegen eines Wechsels angefordert. Ohne Erfolg und ohne Rückmeldung, wie sie berichtete.

Es sollte mit der Praxisaufgabe kein Einzelfall bleiben, wie weitere Anrufe von Lesern zeigen. Ein anderer Patient aus Fulda-Horas musste sich ebenfalls über Nacht einen neuen Hausarzt suchen. „Nach mehreren Telefonaten und einigen Absagen ist mir das gelungen“, berichtet er erleichtert.

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Dennoch sei die Aufregung groß gewesen. Seine Nachbarin, immerhin über 80 Jahre alt und ohne direkte Verwandtschaft in der näheren Umgebung, habe auf die Schnelle kein Glück gehabt. „Sie brauchte aber dringend mehrere Medikamente und hatte Probleme, an Rezepte zu kommen“, weiß der Horaser.

Inzwischen sieht die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) die Sachlage als klar an. „Frau Franz hat sich uns gegenüber entsprechend erklärt. Die Sache geht demnach den Weg einer gewöhnlichen Praxisschließung“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher der KV, Alexander Kowalski.

Als Anastasiya Franz sich Ende Januar, Anfang Februar in einer Nacht- und Nebelaktion – so schilderten es Beobachter – aus der Rabanusstraße in die Schweiz abgesetzt hatte, hatte sie ihre Praxisaufgabe zunächst nicht bei der KV angezeigt. Dies ist jedoch laut Kowalski üblich – und zwar in den meisten Fällen mit längerem Vorlauf.

„Grundsätzlich können wir sagen, dass sich die Lage jetzt beruhigt hat. Beschwerden gehen derzeit nicht ein. Grund dafür ist sicherlich, dass es uns gelungen ist, die Patientinnen und Patienten bei anderen Ärztinnen und Ärzten in der Region unterzubringen“, erklärt die KV.

Auch Franz’ Kollegen waren nicht informiert gewesen und sahen sich nun zahlreichen Anfragen von Patienten gegenüber, die nach einer neuen hausärztlichen Betreuung suchten. Ein einfaches Unterfangen war das indes nicht – für keine Seite. Denn eine Herausforderung kam erschwerend hinzu: die Kommunikation.

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Franz führte aufgrund ihrer eigenen familiären Wurzeln zahlreiche russischstämmige Patienten. Das hatte Sprachbarrieren abgebaut, die bei anderen Kollegen hingegen sehr wohl bestanden und bestehen. Dr. Ralph-Michael Hönscher, Vorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO), hatte Anfang Februar noch düstere Prognosen gestellt.

„Es ist illusorisch, dass alle Patienten von Frau Franz unterkommen“, sagte er damals mit Blick auf den aus Sicht der hiesigen Ärzte kritischen Versorgungsgrad. Zwar sei die Situation nach wie vor schwer abzuschätzen, aber in der Tat sei inzwischen wohl das Gros der Patienten auf andere Mediziner verteilt – auch wenn ihn selbst gerade in dieser Woche noch Anfragen von Patienten erreicht hätten.

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„Die KV hat gefiltert, welche Praxen am Limit arbeiten und dann die Zuteilung koordiniert“, beschreibt Hönscher das Vorgehen in den vergangenen zwei Monaten. Ein Problem hallt zudem nach: „Wir haben mitunter immer noch Patienten, von denen uns die Akten nicht vorliegen. Und die Anforderung über die angegebenen Rufnummern und E-Mail-Adressen haben nicht gut funktioniert“, berichtet GNO-Vorsitzender Hönscher.

Er fügt aber an: „Auch hier spielt die Digitalisierung eine Rolle. Bei den Menschen, die zwischendurch bei anderen Ärzten oder im Krankenhaus waren, gibt es immerhin zumindest teilweise Informationen.“ Die KV haben laut deren Auskunft ebenfalls Anfragen bezüglich der Patientenakten erreicht, die bearbeitet worden seien. Offenbar kam es aber auch dabei zu zeitlichen Verzögerungen. Das zumindest berichtete eine Leserin, die anfangs noch vertröstet worden war.

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