Eingangsbereich des Centhofs in Fulda.
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Im Eingangsbereich des Centhofs in Fulda kam es zu einer Messerstecherei. Die Tat wurde gefilmt.

Angeklagter gesteht

Nach Messerstichen im Centhof Fulda: 19-jähriger Algerier zu 27 Monaten Haft verurteilt

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Ende November 2019 soll ein 19-Jähriger aus Algerien bei einer Schlägerei im Centhof einen 20-jährigen Mann mit zwei Messerstichen lebensbedrohlich verletzt haben. Das Amtsgericht Fulda hat den Angeklagten nach dessen Geständnis zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt.

Fulda - Die Beweislage ist eindeutig, da eine Videokamera den Messer-Angriff im Centhof Fulda aufgenommen hatte. Das Bildmaterial zeigt, wie das Opfer eine Schlägerei zwischen zwei Gruppen anzettelte. Wenig später verletzte ihn der damals 18-jährige Angeklagte mit Stichen in Rücken und Oberkörper. Das Opfer aus Hünfeld schwebte anschließend in Lebensgefahr und musste notoperiert werden.

Gleich zu Beginn der Verhandlung gibt der Angeklagte, der in Fulda lebt, die Tat zu. Er habe in den vergangenen Monaten viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Es tue ihm „sehr sehr leid“. Der Algerier befindet sich seit dem 4. Januar in Untersuchungshaft, die Tat fand am 29. November statt. Wie es allerdings zu den Messerstichen kam, bleibt ungeklärt, auch die Frage, ob es einen Tatplan gab und ob die Verletzungen mit einem Küchenmesser oder einem Taschenmesser zugefügt wurden, ist weiterhin offen.

Der Tat im Centhof sei weitere Schlägerei vorangegangen

Die Staatsanwaltschaft geht von einem „hinterlistigen Überfall“ aus, der Angeklagte beschreibt jedoch, dass er zuerst angegriffen wurde und dass die Gruppe, mit der das Opfer unterwegs war, seine Mutter beleidigt habe. „Das konnte ich so natürlich nicht stehen lassen“, übersetzte der anwesende Dolmetscher.

Der 19-Jährige beschreibt, dass es vor der Schlägerei, die auf dem Video zu sehen ist, eine weitere gab, bei der er selbst verletzt worden sei. „Ich habe vor Angst sogar in die Hose gemacht“, sagt der 19-Jährige. „Ich hätte danach nach Hause gehen können. Stattdessen bin ich zu der Gruppe zurückgekehrt und habe den Mann verletzt.“ Notwehr sei es aber nicht gewesen, bestätigt der Algerier.

Die Staatsanwaltschaft bezweifelt diese vorangegangene Prügelei und plädiert auf zwei Jahre und drei Monate. Dem folgt Richter Christoph Mangelsdorf in seinem Urteil. Der Angeklagte wird nach Jugendstrafrecht verurteilt und muss in Jugendhaft.

Angeklagter stand bei der Tat unter Drogen

Von Hinterlist geht Mangelsdorf nicht aus. Das Video zeige, dass der Algerier „nicht beabsichtigt habe, den Hünfelder umzubringen“. Die Stiche seien nicht mit voller Wucht, sondern eher zögerlich ausgeführt worden, weshalb es sich nicht um einen Tötungsvorsatz handle. Verurteilt wird der 19-Jährige schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung. Bei der Tat stand der Angeklagte unter Drogen, das Opfer war stark alkoholisiert.

Opfer schließt Rache nicht aus

Kurios ist die Aussage des Opfers: Nachdem er die Entschuldigung des 19-Jährigen nicht annimmt, betont der Staatsanwalt, dass er sich nicht am Angeklagten rächen dürfe. Das Opfer erwidert: „Das wollen wir mal sehen. Ich muss mich jeden Tag an die Tat erinnern, wenn ich die Narben sehe.“

Hintergrund

Der 19-jährige Angeklagte wohnte vor der Tat seit 2017 in einer Jugendwohngruppe in Fulda. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, ein Klageverfahren läuft noch. Das Opfer kannte er nach eigener Aussage nicht. In der Wohngruppe gilt der Algerier als nett, hilfsbereit und unauffällig. Als er allerdings seine Freunde von der Flucht wieder traf, habe er sich verändert. Dies bereue er im Nachhinein.

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