Zwei Angehörige besuchen in einem Altenzentrum ihre Mutter.
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Die Alten- und Pflegeheime bitten in der Corona-Krise um weniger Besuche.

In der Corona-Krise

Alten- und Pflegeheime bitten um weniger Besuche - Mitarbeiter müssen Angehörige ersetzen

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Die Corona-Ampeln für die Landkreise Fulda und Main-Kinzig stehen auf Dunkelrot, die für den Vogelsbergkreis auf Rot. Kommt es nun wieder zu Besuchsbeschränkungen in Alten- und Pflegeheimen? Ja, diese werden aber wohl nicht so streng ausfallen wie im Frühjahr. Die Einrichtungen sehen sich besser vorbereitet.

Fulda - Nach dem Besuchsverbot in den Einrichtungen in der ersten Welle der Corona-Krise waren die Regelungen im Sommer etwas gelockert worden. So durften bis Ende September Bewohner von Alten- und Pflegeheimen innerhalb einer Kalenderwoche nur dreimal eine Besucherin oder einen Besucher empfangen. In Einrichtungen für Behinderte konnte täglich ein Mensch zu Besuch kommen.

Danach war die Freude groß, weil diese verbindlichen Vorgaben aufgehoben wurden. Als Maßgabe galten nun stattdessen die jeweiligen Schutzkonzepte und Hygienepläne der Einrichtungen.

Die Alten- und Pflegeheime bitten um weniger Besuche

Mario Pizzala

Im Main-Kinzig-Kreis sind seit dem 19. Oktober erneut nur noch drei Besuche je Bewohner und Woche möglich, berichtet Mario Pizzala, der das Seniorenzentrum Steinau sowie das Wohn- und Gesundheitszentrum Lebensbaum Sinntal in Sterbfritz mit zusammen gut 100 Bewohnern leitet. Die beiden Einrichtungen gehören zu den Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises.

Der Besuch darf nur noch durch Einzelpersonen erfolgen und ist auf eine Stunde zu begrenzen. „Die Bewohner gehen relativ entspannt mit der Situation um. Die Stimmung unter ihnen ist wirklich gut, sie sind nicht niedergeschlagen. Die Einschränkung ist bisher gut aufgenommen worden.“ Den Bewohnern, so Pizzala, würden Tablets für Videotelefonie zur Verfügung gestellt und auch das Angebot, Bewohner etwa für einen Spaziergang abzuholen, wird angenommen. Pizzala: „Die Möglichkeit, sich von ehrenamtlichen Telefonpaten anrufen zu lassen, wurde bei uns in Steinau und Sterbfritz nicht angenommen. Hier sind die Angehören sehr rührig. Im Hanauer Raum war das schon anders.“

Dass die Seniorenheime – ähnlich wie im Frühjahr geschehen – noch einmal abgeriegelt werden, glaubt der Einrichtungsleiter nicht: „Das wird wohl so nicht mehr gewollt. Die Beschränkungen sind schon streng und ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Die meisten Angehörigen sehen es durchweg positiv, das wir uns so viel Mühe geben, den Virus draußen zu halten.“

Dazu gehört auch die Überwachung der Mitarbeiter: „Bei Arbeitsbeginn werden sie nach Symptomen gefragt. Hat jemand Fieber, wird er heimgeschickt. Die Situation verlangt uns schon einiges ab.“

Markus Otto: Manche Mitarbeiter mussten zum Teil – neben ihrer Arbeit – den Angehörigen ersetzen

Nun steigen die Infektionszahlen seit einigen Wochen – auch in der hiesigen Region – stark an. Am Mittwoch haben zudem die Regierungschefs der Bundesländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen, das öffentliche Leben im November weitgehend runter zu fahren.

Markus Otto

Der Bereichsleiter Senioren beim DRK-Kreisverband Fulda ist für sechs Seniorenzentren in Fulda, Petersberg, Hilders, Ebersburg und Friedewald (Kreis Hersfeld-Rotenburg) mit zusammen knapp 500 Plätzen verantwortlich. „Wir bitten die Angehören, freiwillig die Zahl ihrer Besuche zu reduzieren und dafür eher die Cafeteria oder die Besuchscontainer zu nutzen als sich im Zimmer der Bewohner aufzuhalten“, sagt Otto.

Das im Frühjahr erstellte Hygienekonzept sei inzwischen aktualisiert worden. Dabei geht es auch um den Umgang mit Schutzkleidung in der Praxis oder die Verfügbarkeit von Masken. „Wir haben verschiedene Schichtmodelle und feste Teams eingeführt, um die Lage durch bereichsbezogene Pflege besser zu kontrollieren“, erläutert er und ergänzt: „Es geht darum, die Balance zwischen Kontakten und sozialer Teilhabe auf der einen sowie der Gesundheitsvorsorge auf der anderen Seite zu halten – also einem vorsichtigen Umgang mit Sinn und Verstand.“

Abgesehen von Besuchen – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln – können die Bewohner auch über Skype, Telefon und elektronische Medien Kontakt halten. Otto: „Es fehlt schon ein bisschen der Kontakt. Wir bemühen uns aber, mit mehr Leuten im Dienst und Beschäftigungsangeboten für die Bewohner, einen Ausgleich zu schaffen.“ Das gehe jedoch nur, wenn die Pflegerinnen und Pfleger mitziehen, was bei den DRK-Seniorenzentren im Kreis Fulda der Fall sei: „Manche Mitarbeiter wachsen über sich hinaus. Sie mussten zum Teil – neben ihrer Arbeit – in den letzten Monaten bei Bewohnern den Angehörigen ersetzen.“

Konkrete Maßnahmen für die Alten- und Pflegeheime wurden dabei nicht festgelegt. Allerdings: Viele Einrichtungen haben längst reagiert und ihre eigenen Regelungen der veränderten Lage angepasst – zum Teil auch aufgrund von Allgemeinverfügungen der jeweiligen Landkreise.

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