Vor dem Amtsgericht Fulda wurde ein 69-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit Vergewaltigung verurteilt.
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Vor dem Amtsgericht Fulda wurde ein 69-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit Vergewaltigung verurteilt.

Urteil vor Amtsgericht Fulda

69-Jähriger missbraucht Elfjährigen in Freizeitbad - „Ich schäme mich sehr. Ich bin nicht p*dophil“

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Zwei Jahre Haft auf Bewährung hat ein 69-Jähriger aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg bekommen. Vor dem Amtsgericht Fulda wurde er wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit Vergewaltigung verurteilt. Er war geständig - brauchte dafür allerdings zwei Anläufe.

Fulda - Im Gerichtssaal sitzt die Familie nah beieinander. Die Eltern haben den Jungen, der heute zwölf Jahre alt ist, in ihre Mitte genommen. Was ihm am 1. September 2019 in der Sauna in einem Freizeitbad in Künzell widerfahren ist, hat er nun schon mehrmals erzählen müssen. Auch vor Gericht könnte es sein, dass er aussagen muss. Die Situation ist ihm sichtlich unangenehm. Der Angeklagte sitzt keine drei Meter von ihm entfernt und schaut nach vorne. Als Richter Dr. Szymon Mazur dem Jungen vorschlägt, draußen zu warten, tut er das.

Zu dem Zeitpunkt ist noch nicht klar, ob seine Aussage benötigt wird oder nicht. Das kommt auf den Angeklagten an: Der 69-Jährige räumt zunächst ein, dass „es in ähnlicher Weise so passiert ist“. „Ich schäme mich. Ich weiß nicht, was mich geritten hat. Ich bin nicht p*dophil und hätte das nicht machen und zulassen dürfen.“

Die Staatsanwaltschaft im Amtsgericht Fulda wirft ihm vor, dass er im Whirlpool im Saunabereich den Jungen am Glied angefasst habe. Dieser habe mit dem Kopf geschüttelt und leise gesagt, dass er das nicht wolle. Im Anschluss sei er dem damals Elfjährigen auf die Toilette gefolgt, habe ihn am Po gepackt und den Penis des Jungen in den Mund genommen. Daraufhin habe ihn das Kind weggestoßen und sei zur Mutter gelaufen.

69-Jähriger wird wegen sexuellen Missbrauchs an Elfjährigem verurteilt

Diese Abwehrreaktion will der Angeklagte nicht wahrgenommen haben: „Er hat nicht Nein gesagt und mich auch nicht weggeschoben. Ich habe sein Glied nicht in den Mund genommen“, sagt der Angeklagte und betont daraufhin, wie schlecht es auch ihm und seiner Familie nach diesem Vorfall ergangen sei: „Die Polizei kam mit vier Autos. Die Nachbarschaft fragte dann natürlich meine Frau, was bei uns los war.“

Nach diesen Ausführungen, die nur ein Teilgeständnis seien, erklärt Richter Mazur, dass es demnach nötig sei, den Jungen als Zeugen zu hören. „Diese Tortur möchte ich ihm eigentlich ersparen.“ Die Mindeststrafe von zwei Jahren komme womöglich nur bei einem voll umfänglichen Geständnis in Betracht, gibt der Richter zu bedenken und erwähnt in dem Zusammenhang auch DNA-Material. Eine Untersuchung im Intimbereich des Jungen hat nämlich ergeben, dass dort Speichel des Angeklagten festgestellt wurde. Nach der Beratung mit seinem Anwalt Thomas Rath macht der 69-Jährige schließlich ein umfängliches Geständnis.

Angeklagter braucht zwei Anläufe für Geständnis

Richter Mazur verurteilt den Angeklagten, der nicht vorbestraft ist, zu zwei Jahren auf Bewährung, mit einer Bewährungszeit von vier Jahren. Außerdem muss er 3000 Euro an das Opfer und 3000 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund zahlen. Auch an fünf Gesprächsstunden bei pro familia muss er teilnehmen. Mit seinem Urteil folgt Mazur den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. „Im ersten Moment mag sich eine Bewährungsstrafe für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit Vergewaltigung seltsam anhören. Es gibt dabei einen Strafrahmen von zwei bis 15 Jahren.“

Man müsse die Abstufungen berücksichtigen. Der Tatbestand der Vergewaltigung sei durch die besonders erniedrigenden sexuellen Handlungen erfüllt, auch wenn es nicht zum Beischlaf gekommen sei. „Aber wir bewegen uns hier am unteren Rand. Natürlich ist das nie zu entschuldigen.“ Dem Angeklagten rät er, sich seiner Schuld zu stellen: „Sie sind der Täter. Versuchen Sie nicht, sich in die Opferrolle zu bringen. Sie haben gesagt, dass Sie sich schämen. Das ist eine Tat, für die man sich schämen muss.“

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