Die Verhandlung fand am Landgericht Fulda statt. Im September wurde die Anklage verlesen.
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Die Verhandlung fand am Landgericht Fulda statt.

Verteidiger: Einfacher Diebstahl

Vier Angeklagte in Fulda vor Gericht - Hat die Sucht sie zum schweren Bandendiebstahl gebracht?

  • vonMarius Scherf
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Vor dem Landgericht sind vier Männer aus dem Landkreis Fulda angeklagt. Der Vorwurf: schwerer Bandendiebstahl. Gestern wurden die Plädoyers vorgetragen. Die Staatsanwaltschaft sieht die Anklage als bewiesen an. Die Verteidiger sehen das anders: Es handle sich nur um einfache Diebstähle.

Fulda - Das Wort, was gestern von Anklage und Verteidigung gleichermaßen oft gebraucht wurde, war „Jackpot“. Alle Angeklagten hätten von der Diebesserie, die sie zwischen Juli und August 2018 begannen haben sollen, erheblich profitiert. In Drogeriemärkten rund um Fulda und Schweinfurt hätten sie vornehmlich Unmengen an Füllern und auch Parfüms gestohlen. Für Staatsanwalt Andreas Hellmich steht fest, dass sich zumindest drei der vier Männer im Alter von 33 bis 46 Jahren zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um gewerbsmäßigen Diebstahl zu begehen.

Dieser Vorwurf wurde zumindest gegen einen der Angeklagten bereits vom Gericht fallen gelassen. Er habe für sich alleine gestohlen und ist nur noch in 2 der 19 Fälle wegen Diebstahl angeklagt. (Lesen Sie hier: Zahlreiche Zigaretten-Automaten in Unterfranken gestohlen)

Fulda: Vier Angeklagte vor Gericht - Hat die Sucht sie zum Bandendiebstahl gebracht?

Die drei anderen Angeklagten bezeichnet Staatsanwalt Hellmich hingegen als „eingespieltes Team“. Zu Beginn der Serie waren zwei der Täter zunächst nur in Fulda unterwegs gewesen. Sie waren bedingt mobil, weil sie zu dieser Zeit obdachlos waren. Da traf es sich, dass sie die Bekanntschaft mit dem dritten Angeklagten machten, der sich mit seinem Auto als Fahrer anbot und die gestohlene Ware schließlich an Hehler weiterverkaufte. Mit ihm zusammen waren sie so auch vermehrt in Richtung Schweinfurt unterwegs.

Der Staatsanwalt befindet: „Er war der Logistiker und Anführer der Gruppe und nutzte die Drogensucht der beiden anderen aus.“ Um ihre Abhängigkeit finanzieren zu können, seien diese auch erst zum Stehlen gekommen. „Er aber nicht. Er stand in Lohn und Brot, für ihn war klar, dass er damit extra Geld machen kann“, wirft Hellmich dem „Fahrer“ vor. Für ihn fordert er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Der Verteidiger des Angeklagten, Jörg Thomas Reinhard, sieht das anders: „Mein Mandant war nicht der Spiritus Rector der Gruppe. Alle profitierten von den Diebstählen – ein Jackpot.“ Sein Mandant habe sich in einer Lebenskrise befunden. Zudem hat er – im Gegensatz zu den anderen – keine Vorstrafen. „Das muss ihm doch mal zugute gehalten werden“, sagte der Anwalt mit Nachdruck. Eine Geldstrafe genüge.

Staatsanwalt: Angeklagte waren ein eingespieltes Team

Was die beiden Komplizen anbelangt, so sind die Verteidiger Christian Celsen und Knut Hillebrand der Meinung, es handele sich nicht um schweren, sondern um einfachen Bandendiebstahl, da die Taten „spontaner Natur“ gewesen seien. Außerdem seien die Angeklagten aufgrund ihrer Drogensucht vermindert schuldfähig, wie auch ein Gutachter bestätigt hatte. Gleiches gelte aus Sicht des Verteidigers Rudolf Karras auch für den Dritten. Dieser war nur in zwei Fällen angeklagt. Karras plädiert daher auf eine Geldstrafe statt der von Hellmich geforderten Haftstrafe von zwei Monaten.

Bei den zwei anderen Angeklagten waren sich die Verteidiger und der Staatsanwalt einig: zwei Jahre und drei Monate Haft für den einen, zwei Jahre auf Bewährung für den anderen, da bei diesem ernsthafte Absichten bestünden, sein Leben zu bessern. Das Urteil wird am 3. Februar gefällt.

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