Im Mai 2016 soll der 28-jährige Angeklagte ein Feuer auf dem Campingplatz in Hosenfeld gelegt haben. Nun haben die Verhandlungen vor dem Landgericht Fulda begonnen.
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Im Mai 2016 soll der 28-jährige Angeklagte ein Feuer auf dem Campingplatz in Hosenfeld gelegt haben. Nun haben die Verhandlungen vor dem Landgericht Fulda begonnen.

Hat er mehrere Brände gelegt?

Brandstiftung und versuchter Mord? Verhandlung vor dem Landgericht Fulda hat begonnen - 28-Jähriger schweigt

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Weil er im Mai und im Juni 2016 Feuer auf dem Campingplatz in Hosenfeld gelegt haben soll, muss sich seit Donnerstag ein 28-Jähriger vor dem Landgericht Fulda verantworten. Bislang schweigt der Mann zu den Vorwürfen.

Fulda/Hosenfeld - Die Anklage, die Staatsanwalt Andreas Hellmich am Donnerstag vor dem Landgericht Fulda verlas, wiegt schwer: Es geht um den Verdacht der Brandstiftung und des versuchten Mordes. Der Angeklagte soll in der Nacht auf den 20. Mai 2016 auf dem Campingplatz in Hosenfeld an mehreren Stellen einen Wohnwagen in Brand gesetzt haben, obwohl er wusste, dass der Besitzer darin schlief. Ein Nachbar entdeckte die Flammen und weckte den Schlafenden rechtzeitig, der Brand wurde gelöscht.

Am 9. Juni brach nachts erneut Feuer aus: Diesmal in einem stillgelegten Bus, zwei unbewohnten Wohnwagen, an anderen Geräten sowie im Waschraum des Campingplatzes. Wie im ersten Fall soll auch hier Grillanzünder verwendet worden sein. Während im Waschraum nur Rußschäden entstanden, beläuft sich der Sachschaden insgesamt auf etwa 50 000 Euro, sagte Hellmich. Auch diesen Brand soll der Angeklagte gelegt haben.

Fulda: Angeklagter soll Brände auf Campingplatz gelegt haben - Zeugen vor Landgericht vernommen

Am Donnerstag wurden zunächst vier Zeugen vernommen – der Wohnwagen-Besitzer, in dessen Räumen der Brand im Mai ausbrach, sowie drei Polizisten.

Ein 28-Jähriger steht seit Donnerstag vor dem Landgericht Fulda. Die Vorwürfe: Verdacht des versuchten Mordes und der Brandstiftung.

Der geschädigte Camper, der nach eigenen Angaben schon viele Jahre auf dem Campingplatz in Hosenfeld lebt, berichtete, wie er den Angeklagten kennenlernte: Völlig unvermittelt habe dieser ihm eines Tages einen Camping-Katalog aus einigen Metern Entfernung an den Kopf geworfen, als er gerade seine Katze fütterte. Als der Camper den Angeklagten deswegen anging, habe dieser nur die Hände in die Hüften gestemmt, gelacht, und sei dann verschwunden. Da habe er schon einige Wochen auf dem Campingplatz gewohnt und sei kaum aufgefallen – jedoch in den Toiletten habe er randaliert. Darauf angesprochen, sei der 28-Jährige aber ohne ein Wort verschwunden. Kontakt zu ihm habe er aber zuvor nicht gehabt.

Zeuge berichtet vor Landgericht Fulda von Bränden auf Campingplatz in Hosenfeld

Etwa 14 Tage nach dem Zusammentreffen der beiden brach der Brand aus. Er sei zunächst von einem Kurzschluss als Ursache ausgegangen. Auch Polizei und Feuerwehr hatten zunächst einen technischen Defekt vermutet. „Doch am nächsten Morgen stellte ich fest, dass es an sieben Stellen gebrannt hatte“, berichtete der Zeuge. Der Angeklagte habe Grillanzünder an mehreren Ecken angebracht und sogar einen durch ein gekipptes Fenster in den Wohnwagen geworfen. „Glücklicherweise stand unter dem Fenster ein Wasserbehälter, deshalb ging dieser Grillanzünder aus.“

Zwei oder drei Tage nach der Tat habe der Besitzer des Campingplatzes das Gespräch mit dem 28-Jährigen gesucht, berichtete der Camper vor dem Landgericht Fulda. Auf die Frage, warum er den Brand gelegt habe, habe der Angeklagte diesem erklärt, es tue ihm ja leid. Von dem Gespräch habe ihm der Campingplatz-Besitzer berichtet.

28-Jährigen stammt aus Schleswig-Holstein - Darum kam Angeklagter auf Campingplatz nach Hosenfeld

Auch für den zweiten Brand machte der Zeuge am Donnerstag den Angeklagten verantwortlich. Er habe diesen auf einer Videoaufnahme bei der Polizei erkannt – an Statur, Bewegungsablauf und an dem Rucksack, den der 28-Jährige stets bei sich trug.

Von einem Polizisten, der den 28-Jährigen am 15. Juni 2016 vernommen hatte, erfuhr das Gericht mehr über die Vorgeschichte des Angeklagten: Dieser stamme aus Schleswig-Holstein und sei im April 2015 zum Studium nach Frankfurt (Hessen) gekommen. Dieses habe er jedoch nach wenigen Wochen abgebrochen. Zu seiner Familie habe er keinen Kontakt. Im Oktober sei er dann, auf der Suche nach einem kostengünstigen Schlafplatz, auf den Campingplatz nach Hosenfeld gekommen.

So verlief die Vernehmung des Angeklagten - Polizist berichtet vor Landgericht Fulda

„Man merkte bei der Vernehmung, da war etwas, das stark auf ihm lastete“, berichtete der Polizist. Der 28-Jährige habe höflich, aber verunsichert gewirkt, und die Beamten nicht an sich herangelassen. Zu den Tatvorwürfen – damals stand nur Brandstiftung im Raum – habe er nichts sagen wollen. Dennoch habe er Andeutungen gemacht: „Ich denke, dass ich nicht auf den Campingplatz zurückkann, aus verständlichen Gründen“, und von einer „verzweifelten Situation“ habe er gesprochen, in der er sich befinde.

Der Prozess wird am Donnerstag, 25. Februar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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