Zwei Radfahrer haben sich bei einem Unfall verletzt.
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Bei einem Unfall im Juni 2020 kam eine Radfahrerin ums Leben. (Archivfoto)

Kollision mit Fahrradfahrern

Er wünscht, nie ins Auto gestiegen zu sein: Angeklagter wird nach tödlichem Unfall zu Geldstrafe verurteilt

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Wegen fahrlässiger Tötung hatte sich ein 40-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Fulda verantworten müssen. Im Juni 2020 hatte er einen Unfall verursacht, bei dem eine Frau ums Leben kam. 

Großenlüder/Fulda - Es ist die schlimmste Konsequenz, die ein Verkehrsunfall haben kann: Ein Mensch kommt ums Leben. So ist es auch bei dem Unfall im vergangenen Jahr passiert, wegen dem sich der 40-Jährige aus Fulda vor dem Amtsgericht verantworten musste. Am 1. Juni 2020 soll er auf der Landesstraße 3141 aus Uffhausen kommend in Richtung Großenlüder gefahren sein, als er einen vorausfahrenden Pkw überholen wollte und dabei mit einer 57-jährigen Pedelec-Fahrerin, die mit ihrem Mann gerade nach links auf einen Fahrradweg abbiegen wollte, kollidierte. Diese erlag kurze Zeit später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der Mann wurde schwer verletzt. Dabei soll der 40-Jährige statt den erlaubten 70 Stundenkilometern 85 bis 89 Stundenkilometer gefahren sein. Ein Schild habe ob Fahrradfahrern auf dieser Strecke um Vorsicht gebeten.

Der Angeklagte machte über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Tomislav Cosic, deutlich, dass sich das Ereignis nicht anders zugetragen habe, als es Staatsanwalt Dr. Jan Hofmann in seiner Anklageschrift dargelegt habe. Das Fahrzeug vor ihm sei „geschlichen“, weswegen er zum Überholen angesetzt habe. Die Pedelec-Fahrer habe er nicht wahrgenommen. Der Unfall habe das Leben des Angeklagten verändert. Letzterer wünsche sich, an diesem Tag nie ins Auto gestiegen zu sein.

Fulda: Angeklagter wird nach tödlichem Unfall zu Geldstrafe verurteilt - Kollision mit Fahrradfahrern

Auch der 87-Jährige, der mit seiner Frau in dem Auto vor jenem des Angeklagten fuhr, war in den Gerichtssaal gekommen, um als Zeuge auszusagen. Er berichtete, er und seine Frau, die an diesem Tag am Steuer saß, hätten die zwei Pedelec-Fahrer wahrgenommen, daher seien sie auch derart langsam gefahren.

Der Mann der Verstorbenen war ebenso als Zeuge geladen. Er berichtete, noch etwa eine halbe Stunde vor dem Unfall mit seiner Frau eine Rast eingelegt zu haben, bei der sie ein Foto von sich an Bekannte geschickt hätten. Seit diesem Zeitpunkt fehle ihm jegliche Erinnerung. Das nächste, woran er sich erinnere, sei, dass er im Krankenhaus aufgewacht sei und man ihn über den Tod seiner Frau informiert habe. Seine Frau und sich beschreibt er als „defensive Fahrer“, ihnen sei es nie darauf angekommen, „schnell ans Ziel zu kommen“. Seit dem Vorfall gehe es ihm „beschissen“, wie er selbst sagte. „Ich komme abends nach Hause und das Haus ist leer“, sagt er. Auf eine Entschuldigung des Angeklagten warte er heute noch.

Angeklagter: „Es tut mir Leid, dass das alles passiert ist, ich kann nun nichts mehr ändern“

Rechtsanwalt Cosic erläutert, er habe seinem Mandanten bewusst dazu geraten, keinen Kontakt zu ihm, dem Witwer, aufzunehmen. Die entschuldigenden Worte richtete der Angeklagte schließlich im Gerichtssaal an den Mann der Verstorbenen: „Es tut mir Leid, dass das alles passiert ist, ich kann nun nichts mehr ändern.“ Dabei wischte er sich eine Träne von der Wange.

Auch die Rekonstruktion von Patrick Reich, Sachverständiger für Verkehrsunfälle, zeige, dass der Angeklagte die Pedelec-Fahrer erst habe sehen können, als er schon zum Überholen angesetzt habe. „Und dann hat er auch sofort reagiert.“ Problem dabei sei die überhöhte Geschwindigkeit gewesen. Hätte er sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf dieser Straße gehalten, so wäre der Unfall wohl vermeidbar gewesen.

Nach tödlichem Unfall: Geldstrafe für Angeklagten sowie ein Fahrverbot von drei Monaten

In seinem Plädoyer machte Hofmann darauf aufmerksam, dass es eine schwierige Frage sei, wie der Angeklagte zu bestrafen sei. Zu Gunsten werte er sein Geständnis, zu Lasten sprächen diverse Verkehrsordnungswidrigkeiten, auch Geschwindigkeitsüberschreitungen. Er forderte schließlich eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 40 Euro sowie ein Fahrverbot von drei Monaten.

Cosic hingegen legte das Maß der Strafe ins Ermessen des Vorsitzenden Richters Dr. Szymon Mazur, der den Angeklagten schließlich zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 35 Euro und einem Fahrverbot von drei Monaten verurteilte. Man solle sich immer daran erinnern, dass man nicht nur für sich selbst die Verantwortung trage, wenn man ins Auto steige, sondern ebenso auch für andere. Dennoch warf er die Frage in den Raum: „Hätte mir das nicht auch passieren können?“

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