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„Wurde sofort mit Dachlatte angegriffen“: Opfer erinnert sich nicht an Einsatz von Samurai-Schwert

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Von: Hartmut Zimmermann

Justicia vor blauem Himmel
Am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Fulda stand die Vernehmung des Mannes im Mittelpunkt, der mit einer Dachlatte lebensbedrohlich verletzt worden war. (Symbolbild) © David-Wolfgang Ebener/dpa/dpa-tmn

Der Vorwurf: Versuchter Totschlag. Am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht stand die Vernehmung des 38-jährigen Mannes im Mittelpunkt, der von einem um ein Jahr jüngeren Zechgenossen mit einer Dachlatte lebensbedrohlich verletzt worden war.

Fulda - Offenbar hatte der 38-Jährige seine Angst überwunden. Denn auf Fragen des Vorsitzenden Richters Josef Richter, warum er der Vorladung als Zeuge zum zweiten Verhandlungstag in Fulda nicht Folge geleistet hatte, antwortete er kurz und knapp „Ich hatte Schiss.“ Nach der Attacke in der Nacht auf den 25. Januar leide er immer wieder unter Panik-Attacken, wenn die Erinnerungen an den Vorgang geweckt würden, sagte er dem Gericht.

Fulda: Angriff mit Dachlatte - Opfer erinnert sich nicht an Schwerteinsatz

Seine Schilderung des nächtlichen Kampfs unterscheidet sich deutlich von der des Angeklagten. Was den gemeinsamen Wodka-Konsum vor dem Streit angeht, gibt es zwar nur geringe Differenzen. Den eigentlichen Angriff hingegen schildert der Beschuldigte als eine spontane Attacke gegen ihn: Er habe in der Hocke vor seiner Musikanlage gesessen, als er plötzlich einen Schlag an der Tür gehört habe. Direkt danach sei der Angeklagte mit der Dachlatte auf ihn losgegangen und habe damit auf ihn eingeschlagen. Der Angegriffene wurde unter anderem durch Schlag an die Schläfe so schwer verletzt, dass er in Lebensgefahr schwebte und mehrere Tage im Krankenhaus verbrachte.

Der Angeklagte hatte berichtet, der später von ihm Geschlagene habe ein 1,30 Meter langes Samurai-Schwert mit der Spitze an seinen Kehlkopf gesetzt und gedroht zuzustechen. Zeugen hatten diese Attacke bestätigt. Als er danach die Wohnung des 38-Jährigen nochmals betreten habe, sei dieser mit erhobenem Schwert auf ihn zugekommen und erst dann habe er ihn mit der herumliegenden Dachlatte geschlagen – um sich zu verteidigen.

Richter Josef Richter wollte wissen, warum er von diesen Einzelheiten, die auf Notwehr deuteten, erst in seiner Aussage zu Beginn der Hauptverhandlung und nicht bei früheren Vernehmungen berichtet habe. Das, so der Angeklagte, habe er in Absprache mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Theo Jahn.

Grad der Alkoholisierung für Gericht weiterhin von Interesse

Von dem Schwert war hingegen in den Aussagen des 38-Jährigen keine Rede. Vom Gericht dazu befragt, sagte der Mann, er könne sich nicht daran erinnern, mit der Waffe hantiert zu haben. Das kann auch am Alkoholpegel gelegen haben, den die Fachleute für die Tatzeit zwischen 2,0 und 3,16 Promille sehen.

Das Erinnerungsvermögen war offenbar kurz nach der Tat noch anders gewesen: Bei einer Befragung im Krankenhaus durch einen ebenfalls als Zeugen geladenen Polizeibeamten hatte er noch vom Einsatz eines Schwertes gegen seinen Mittrinker berichtet: Nach diesem handfesten Streit habe ihn dieser zunächst mit Fäusten und dann mit einer Stange angegriffen, berichtete der Beamte über den Bericht des Zeugen.

Der Grad der Alkoholisierung der Beteiligten dürften für das Gericht weiterhin von Interesse sein. Die Gutachter schätzen, dass der Blutalkoholgehalt des Angeklagten zur Tatzeit zwischen 1,48 und 2,6 Promille lag. Beide Männer seien zudem nachweislich gewohnheitsmäßige Cannabis-Konsumenten.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 8. November, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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