Langebrückenstraße Grabungen fulda archäologie
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Gero Thorgau (links) und Elias Klein bei den Grabungsarbeiten.

Reste einer Mühle gefunden

Holz, Leder, Knochen: Archäologen graben in der Langebrückenstraße in Fulda

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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In der Presseeinladung der Stadt Fulda wird das Areal zwischen Langebrückenstraße und Weimarer Straße als das „Eldorado der Fuldaer Archäologie“ bezeichnet. Und ein bisschen stimmt das: Auch an der letzten Grabungsstätte – dort, wo schon Joseph Vonderau gegraben hat – haben die Archäologen bedeutende Funde aus der Erde gezogen. Es sind Überreste aus dem frühen Mittelalter.

  • In der Langebrückenstraße in Fulda haben Archäologen Objekte aus dem frühen Mittelalter ausgegraben.
  • Sie konnten damit eine Theorie des legendären Fuldaer Archäologen Joseph Vonderau besser einordnen.
  • Unter anderem wurden Bestandteile einer alten Mühle ausgegraben: In Mitteleuropa gibt es nur acht Fundorte solcher Mühlen.

Fulda - Vorsichtig trägt Gero Torgau Stück für Stück die schlammige Erde ab, die sich auf einen alten Holzbalken gelegt hat. Der Archäologiestudent ist Teil des Teams um Dr. Thilo Warneke, das an der Langebrückenstraße archäologische Grabungen vornimmt. „Gerade in dieser Woche haben wir einiges gefunden, zum Beispiel Holzstämme, die angespitzt waren, Leder und Tierknochen“, erklärt Warneke und deutet auf einen Pferdeschädel, der noch in der Grube liegt. Besonders spannend sei die slawische Keramik, die entdeckt wurde, und die womöglich aus der Zeit vor der Klostergründung stammen könnte.

Frühmittelalterliche Funde in der Langebrückenstraße - Archäologen finden Reste von Mühle

„Wir gehen davon aus, dass wir hier zum Teil Funde aus dem frühen Mittelalter haben“, erklärt Stadt- und Kreisarchäologin Milena Wingenfeld. Einige der jetzigen Funde würden auch zu dem passen, was Professor Joseph Vonderau bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausgegraben hat. Der Heimatforscher hat genau an der Stelle, wo die Archäologen jetzt arbeiten, schon einmal geforscht.

Holz, Leder, Knochen: In der Langebrückenstraße werden frühmittelalterliche Objekte ausgegraben

Langebrückenstraße Grabungen fulda archäologie
In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
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In der Ausgrabungsstätte in der Fuldaer Langebrückenstraße gab frühmittelalterliche Funde. © Daniela Petersen
Langebrückenstraße Grabungen fulda archäologie
Gero Thorgau (links) und Elias Klein bei den Grabungsarbeiten. © Daniela Petersen

Vonderau ging davon aus, dass er auf Pfahlbauten gestoßen ist. Inzwischen wissen wir aber, dass die Holzfragmente nicht zu Pfahlbauten gehörten, sondern Bestandteile einer frühmittelalterlichen Mühle waren“, sagt Wingenfeld. In Mitteleuropa gebe es bisher nur acht Fundorte solcher Mühlen aus dieser Zeit. Wie alt die Funde genau sind, das kann erst gesagt werden, wenn ein Restaurator die Stücke genau untersucht hat. „Ich gehe davon aus, dass das erst im nächsten Jahr der Fall sein wird“, sagt Wingenfeld.

Schon für Herbst dieses Jahres hofft sie aber mit dem Ergebnis zu den Fundstücken aus 2019. An der Langebrückenstraße ist nämlich schon im Sommer des vergangenen Jahres gegraben worden. Damals wurden ebenfalls Holzpfähle entdeckt, die aber womöglich aus dem späteren Mittelalter stammen. Auch Ketten, Ringe und Ofenkacheln wurden ausgegraben, ebenso wie Lederreste.

Auf Ausgrabungsstätte sollen Wohnungen entstehen

Die Grabungsstätte befand sich 2019 an der Stelle, wo inzwischen Neubauten errichtet wurden. Die Investorenfamilie Geisendörfer, die die Ausgrabungen bezahlt, baut auf dem Areal insgesamt 86 Wohnungen. Sechs der sieben geplanten Gebäude stehen schon, das siebte soll dorthin kommen, wo Gero Thorgau gerade mit der Schubkarre Erdreste wegfährt.

Dass die organischen Fundstücke so gut erhalten sind, liegt an dem feuchten Boden, der die Überreste konserviert hat. Hier führte wohl auch einmal ein Seitenarm der Fulda entlang. Das Holzstück, das Gero Thorgau gerade bearbeitet, sei dorthin geschwemmt worden, erklärt Warneke. Nächste Woche sollen die archäologischen Arbeiten beendet sein. Danach wird die Bodenplatte für das Gebäude des siebten Wohnhauses gelegt – und neue Stadtgeschichte geschrieben.

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