Architekt Peter Sichau hat das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert in den vergangenen zehn Jahren saniert.
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Architekt Peter Sichau hat das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert in den vergangenen zehn Jahren saniert.

Liebhaber-Objekt

Chance auf Denkmalschutzpreis: In dieses Haus hat sich der Fuldaer Architekt Peter Sichau „schockverliebt“

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Unter den letzten zehn Objekten beim Hessischen Denkmalschutzpreis ist in diesem Jahr das Haus an der Angel 11 in Fulda. Das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde in den 1920ern aufgestockt und in den vergangenen zehn Jahren von Peter Sichau saniert.

Fulda - Der Architekt Peter Sichau kommt ins Schwärmen. Er berichtet von den Besonderheiten des Fachwerkhauses in der Nähe des Doms in Fulda, das er über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgebaut hat. Vor ihm stehen im Halbkreis die elf Jurymitglieder. Sie besuchen in diesem Jahr zehn Objekte, um anschließend dem überzeugenden Gebäude den mit 27.500 Euro dotierten Preis zu verleihen.

Der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen, Professor Dr. Markus Harzenetter, hält schon die Überzieher für seine Schuhe bereit, um das Objekt auch von innen anzusehen und dabei den alten Boden zu schonen. Doch weil Sichau die Putzfassade so wichtig ist, bleibt die Gruppe noch eine Weile vor dem Haus stehen und lauscht der Geschichte, die der Architekt von dem Haus erzählt. (Lesen Sie auch: Bund fördert vier Denkmalschutz-Vorhaben im Landkreis Fulda)

Fulda: Architekt ist „schockverliebt“ in altes Fachwerkhaus

2009 wurde Sichau auf das alte Haus aufmerksam und machte sich zur Aufgabe, es auf eine Weise zu restaurieren, die den Charakter des Gebäudes erhalten sollte. „Das muss man sich vorstellen wie einen Oldtimer, an dem es immer etwas zu schrauben gibt, bis er wieder im Originalzustand ist“, sagt er. Es handele sich um ein Liebhaber-Objekt. Und zum Liebhaber wurde Sichau auf den ersten Blick: „Schlüsselwort: Schockverliebt.“

Kurzerhand kaufte er das Haus an der Angel 11 selbst. Zehn Jahre lang lernte er das Fachwerkhaus kennen, erforschte die Struktur der Balken, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen. Er ließ Fachhandwerker kommen, den Putz aus Berlin nach dem alten Verfahren wieder herstellen. Für den grünen Kratzputz brauchte es mehrere Anläufe, denn bei diesem Arbeitsschritt müssen Wetter und Zeitpunkt stimmen, damit die groberen Körner wieder ausgeputzt werden können. Dieser Putz ist eines der Grundmerkmale des Hauses, in das viel „Herzblut“ des Architekten geflossen ist. Deshalb hat er es auch nicht vermietet, sondern nette Eigentümer gesucht.

Video: Ein Haus aus dem 3D-Drucker

Adrian Hehl von der Denkmalschutzbehörde in Fulda ergänzt: „Es blieb Zeit für die Recherche. Die lange Bauzeit war ein Vorteil.“ Zur Adresse sagt er, dass die Legenden wohl nicht stimmen. Diese besagen, dass die Häuser für die Handwerker entstanden seien, die am Dom gearbeitet haben. Doch die Substanz der Gebäude hier sei älter als der Dom, auch das Haus an der Angel 11 stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Dom hingegen aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Nun nimmt Sichau die Jury mit in das Haus. Es geht die alte Holztreppe hinauf in die Räume, um die das Gebäude in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts aufgestockt wurde. „Das erkennt man an der Deckenhöhe – die Etagen, die aufgestockt wurden, sind deutlich höher.“

Der Preis

Der Hessische Denkmalschutzpreis wird für denkmalpflegerische Maßnahmen verliehen, die im Rahmen der gegebenen Voraussetzungen durch individuelle Lösungen, handwerklich-technische Qualität und besonderes Engagement eine Vorbildwirkung erzielen. Er wird jährlich durch das Land Hessen vergeben und ist mit 27.500 Euro dotiert. Die Lotto Hessen stiftet 20.000 Euro, die Staatskanzlei 7500 Euro für den Ehrenamtspreis.

Die Jury wechselt ein paar Worte untereinander. Es sind Leute der Landesarchäologie, vom Denkmalschutz, von der Staatskanzlei und Armin Niedenthal, Preisträger aus dem vergangenen Jahr, vertreten. Insgesamt zehn Gebäude haben sie bereist und besichtigt. Ob das Haus an der Angel 11 eine Chance auf den Preis hat, werden sie den Eigentümern bald mitteilen. Offiziell verliehen wird der Preis erst am 15. September im Biebricher Schloss in Wiesbaden durch Staatsministerin Angela Dorn. Bis dahin muss Architekt Sichau sich gedulden, um zu erfahren, ob sein Herzensprojekt die Jury überzeugt hat.

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