Eine Doku-Serie über den Fuldaer Aschenberg wird bald in der ZDF-Mediathek zu sehen sein.
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Eine Doku-Serie über den Fuldaer Aschenberg wird bald in der ZDF-Mediathek zu sehen sein.

Mikrokosmos unter Beobachtung

Hartz IV und „verschwendete Jugend“? ZDF-Doku-Serie beleuchtet den Fuldaer Aschenberg

Das Plateau des Fuldaer Aschenberg genießt einen zweifelhaften Ruf, doch es steht auch für sozialen Zusammenhalt. Zehn Monate lang hat ein Kamerateam des ZDF einzelne Bewohner des Aschenbergs bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Herausforderungen begleitet. Der Doku-Mehrteiler ist als Hochglanzprojekt für die ZDF-Mediathek produziert worden.

  • Der Aschenberg genießt in Fulda einen zweifelhaften Ruf.
  • Eine ZDF-Doku-Serie wird nun den Mikrokosmos beleuchten.
  • Die Dokumentation, die aus fünf Teilen besteht, wird ab dem 2. September in der ZDF-Mediathek zu sehen sein.

Fulda - Der gesamte Bezirk Aschenberg ist Heimat für mehr als 8500 Menschen – und er versteckt sich nicht: Seine Hochhäuser thronen hoch über Fulda. Und doch schauen viele Menschen in der Stadt auf ihn herab. Das schreibt das ZDF in einer Ankündigung zu der fünfteiligen Sozial-Dokumentation, die ab dem 2. September online zu sehen sein wird.

In dem Bezirk leben fast 20 Prozent der Menschen von Hartz IV, und die AfD hat dort bei der zurückliegenden Landtagswahl ein hohes Ergebnis erzielt. Der Aschenberg hat viele Gesichter, Hautfarben und Kulturen von Menschen aus mehr als 70 unterschiedlichen Nationen. Die Autoren nehmen an ihrem Leben teil, erzählen von Träumen, Hoffnungen oder Sorgen der Aschenberg-Bewohner.

Doku-Serie über den Fuldaer Aschenberg bald in der ZDF-Mediathek

Jeder von ihnen versucht, sein persönliches Ziel zu erreichen. So wie die zehnjährige Lisa. Die Viertklässlerin ist in Kasachstan geboren. Sie spricht am besten Deutsch in ihrer Familie und will auf keinen Fall auf die Hauptschule gehen, wie es auf dem Aschenberg üblich ist. Wird sie ihr Ziel erreichen? Auch Fawad kam als Kind mit seinen Eltern auf den Aschenberg – aus Pakistan. Als Teenager ist er lieber mit seinen Jungs um die Blocks auf dem Aschenberg gezogen, als in die Schule zu gehen, hat viel „Scheiße gebaut“, wie er sagt. Jetzt möchte er endlich seine „verschwendete Jugend“ hinter sich lassen und seine Eltern stolz machen. Daher hofft er auf einen guten Job und eine lebenswerte Zukunft, denn „von nix kommt nix, und bestimmt kein Benz“, so das Motto des 22-Jährigen.

Die Spieler des SV Aschenberg United kämpfen gegen den Abstieg aus der Kreisliga.

Vor 20 Jahren war das Plateau des Aschenbergs ein sozialer Brennpunkt. Verschiedene Kulturen prallten aufeinander und es kam immer wieder zu Spannungen – bis die Stadt Fulda reagierte. Der soziale Zusammenhalt unter den Bewohnern wurde gefördert, ein Bürgerzentrum entstand. Heute engagieren sich hier viele, so wie Nezam Kiniki und Christoph Eisermann. Beide sind Streetworker auf dem Aschenberg und doch viel mehr als „nur“ Sozialarbeiter: Sie helfen Jugendlichen bei Bewerbungen und sind immer da, wenn sie gebraucht werden.

Vor fünf Jahren gründeten die zwei Freunde gemeinsam mit anderen Engagierten auf dem Aschenberg den Fußballverein SV Aschenberg United, der in der Kreisliga B spielt. Er soll vor allem jungen Migranten eine Heimat geben, die von anderen Vereinen abgelehnt wurden. Doch der SV Aschenberg United ist selbst „ohne Heimat“. Seit langem kämpfen die beiden Streetworker um einen eigenen Fußballplatz, um ihre Heimspiele dort austragen zu können.

Doku-Reihe über den Aschenberg: Fünf Folgen erscheinen in der ZDF-Mediathek

Auch die 73-jährige Katharina Hilkevic, von vielen nur Babuschka genannt, setzt sich für die Gemeinschaft ein: Die Spätaussiedlerin aus Kasachstan kämpft gegen Schimmel und Müll im Treppenhaus ihres Hochhauses und gegen die stetig steigenden Nebenkosten. Dabei war die helle und renovierte Wohnung, als sie vor zwanzig Jahren hier herzog, für sie und ihren Mann ein Volltreffer. Und das, obwohl der Aschenberg so berüchtigt war: „Aschenberg hat sich früher nicht gut angehört, da ist doch die Mafia“, sagt Katharina Hilkevic.

Die Corona-Krise hat auch den sonst so lebendigen Aschenberg zum Stillstand gezwungen. Wie überall im Land waren Schulen, Kitas und Spielplätze geschlossen. Auch die Dreharbeiten für die Doku-Serie mussten unterbrochen werden. In dieser Zeit dokumentierten die Protagonisten ihren Alltag mit selbstgedrehten Homevideos.

Aschenberg“ ist die Langzeitbeobachtung eines Mikrokosmos mitten in Deutschland, erklärt das ZDF. Die Doku biete Platz und Raum, um ungeschminkt das Leben der Menschen hier zu zeigen, mit all seinen Zwischentönen.

Die Dokumentations-Reihe – fünf Folgen à circa 30 Minuten – wurde für die ZDF-Mediathek entwickelt und ist ab dem 2. September online abrufbar. (sam)

Lesen Sie hier: Schüsse am Fuldaer Aschenberg: Betrunkener schießt sich selbst in die Hand. Wenige Tage später hat ein Jugendlicher am Aschenberg eine Schreckschusswaffe abgefeuert.

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