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Defizite durch Corona? So läuft die Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie in Fulda

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Von: Sarah Malkmus

Ausbildung in der Gastronomie
Hotels und Gastronomiebetriebe leiden in der Corona-Krise besonders. Die Ausbildung - hier eine junge Köchin - geht aber weiter. © Sebastian Gollnow/dpa

Gastronomie und Hotellerie in Fulda sind von der Corona-Pandemie nach wie vor stark gebeutelt. Die Ausbildung leidet darunter aber wohl nicht. Es wird weitergearbeitet – wenn auch anders als zuvor.

Fulda - „Die Ausbildungsbetriebe haben die Pflicht auszubilden“, betont Dehoga-Sprecher Steffen Ackermann. Das gelte auch in der Corona-Pandemie. Aus diesem Grund hätten die Nachwuchsgastronomen und -hoteliers viele Aufgaben übernommen von Mitarbeitern, die nach wie vor in Kurzarbeit sind, sodass der gleiche Arbeitsumfang wie zuvor bestehe.

Während des Lockdowns im vergangenen Jahr habe man kreativer werden müssen, schließlich waren viele Betriebe komplett geschlossen, Bewirtung oder Beherbergung fielen komplett weg. „In dieser Zeit waren die Azubis trotzdem in der Berufsschule“, sagt Ackermann. (Lesen Sie hier: Corona-Hilfszahlungen reichen nicht: Gastronomen „am Ende ihrer Kräfte“)

Fulda: Corona-Defizite? So läuft die Ausbildung in Gastronomie und Hotel

Wenn keine Schule war, dann hätten die Schülerinnen und Schüler oftmals Aufgaben im Hintergrund – also im Lager, der Verwaltung oder Organisation – übernommen. „Wir haben sie nicht alleine gelassen“, sagt der Dehoga-Sprecher. Dass Ausbildungsinhalte durch die Pandemie verloren gegangen sein könnten, glaubt Ackermann nicht. „Wir standen in engem Kontakt mit den Berufsschulen. Alle Inhalte, die vermittelt werden müssen, sind vermittelt worden“, sagt er.

Das sieht auch Dieter Hörtdörfer, Direktor des Esperanto-Hotels in Fulda, so. „Bei den Lehrlingen stelle ich keine Defizite fest.“ Dadurch, dass das Esperanto während der Pandemie zu keiner Zeit komplett geschlossen war, habe es auch immer Arbeit gegeben, sagt Hörtdörfer. Insgesamt beschäftigt das Esperanto derzeit 19 Auszubildende.

Sicherlich habe es hier und da mal Anpassungen der Arbeitszeit geben müssen, aber das hätten die Auszubildenden in dieser besonderen Zeit anstandslos hingenommen. Auch entlassen werden musste niemand, sagt der Direktor. Im Gegenteil: „Es werden viele Auszubildende übernommen.“ Mehr als im betrieblichen Bereich habe er von Problemen im schulischen Bereich gehört: „Der Distanzunterricht ist vielen schwer gefallen“, weiß er. Die Umstellung sei nicht für alle immer einfach gewesen.

„Ich habe eine Verantwortung übernommen und der werde ich auch nachkommen“, sagt auch Michael Glas, Inhaber der Kneshecke. Auch er berichtet davon, dass so gearbeitet werde, dass keine Inhalte auf der Strecke bleiben – auch wenn das heißt, dass manchmal ganz ohne Gäste gekocht wird. Das Essen ist dann für die Mitarbeiter, die Familien und manchmal wird es auch gespendet.

Nico Appel (links) und Hülya Aydin machen eine Ausbildung im Esperanto in Fulda.
Nico Appel (links) und Hülya Aydin machen eine Ausbildung im Esperanto in Fulda. © Sandro Prasch

Im Lockdown im vergangenen Jahr, so erzählt er, habe er vor größeren Problemen gestanden als jetzt. Weil die Schließung zu dieser Zeit länger andauerte, habe er mit Peterchens Mondfahrt, dem Hotel Fulda Mitte und Genuss hoch drei einen Ausbildungsverbund gegründet, durch den die Auszubildenden gebündelt wurden und die anderen Häuser kennenlernen durften.

Aktuell ist die Kneshecke drei Wochen betrieblich geschlossen, denn durch die 2G-plus-Regelung sei es schwierig, kostendeckend zu arbeiten. Am 12. Februar wird wieder geöffnet, sagt Glas – vorerst für drei Tage. So lange haben die Auszubildenden Urlaub beziehungsweise Berufsschule. Dann wolle Glas sich „vorsichtig herantasten“ und neue Erfahrungswerte sammeln.

Video: Ausbildung im Lockdown: Wie Hotel-Lehrlinge um ihre Zukunft kämpfen

Wenn dann noch einmal geschlossen werden müsse, weil eine kostendeckende Arbeit nicht möglich sei, habe er vor, den Ausbildungsverbund zu reaktivieren. Er ist sicher: „Wir bilden weiter aus – trotz aller Sorgen und Ängste.“ (Mit unserem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Im Platzhirsch in Fulda werden aktuell drei Personen ausgebildet, berichtet Hoteldirektor Dirk Schütrumpf. Auch dort läuft alles nach Ausbildungsplan. „Ausbildung ist für uns ein wichtiges Thema“, betont er. Zwar falle weniger Arbeit an, aber dadurch, dass einige Mitarbeiter in Kurzarbeit seien, könnten die Lehrlinge teilweise deren Aufgaben übernehmen. Ähnlich wie die anderen glaubt auch er, dass keine Defizite entständen. „Sie werden alle einen ordentlichen Abschluss machen“, ist er sicher.

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