Ein Bus fährt durch die Dunkelheit.
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Der Fahrdienst hat die 22 Jahre alte Tiffany am frühen Montagmorgen einfach stehenlassen. (Symbolbild)

Wirrwarr um Corona-Regeln

Fahrdienst lässt Autistin (22) am Straßenrand stehen - Vater: „Wie weit sind wir gekommen?“

  • Suria Reiche
    VonSuria Reiche
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Gert Moritz ist konsterniert. Der Grund: Seine geimpfte Tochter wurde vom Fahrdienst ihrer Behinderteneinrichtung am Straßenrand stehengelassen. Der Fahrer war der Meinung, dass die Regel 2G plus gelte. „Wie weit sind wir schon gekommen?“, fragt Moritz.

Fulda/Künzell - Montagmorgen, halb sieben, es ist nasskalt und noch dunkel. Trotzdem macht sich Gert Moritz‘ 22-jährige Tochter Tiffany auf den Weg, verlässt ihre betreute WG in Künzell und wartet in der Turmstraße auf den Fahrdienst, der sie an ihren Arbeitsplatz bringen soll.

Tiffany ist schwer autistisch, spricht nicht. Die Welt um sie herum nimmt sie anders wahr als andere. „Wenn sich etwas in ihrem Tagesablauf ändert, sie zum Beispiel nicht mit dem Bus fahren darf, bricht für sie die Welt zusammen. Sie dachte, sie verliert ihren Job“, sagt ihr Vater.

Corona in Fulda: Autistin an Haltestelle stehengelassen - Vater: Ein Schock

Auf dem Antoniushof in Fulda ist Tiffany als Kartoffelschälerin angestellt, die Arbeit und die Fahrt dorthin sind ihre Highlights. „Umso schlimmer war es, als sie am Montagmorgen in den Bus einsteigen wollte und der Busfahrer ihr sagte, dass sie ohne negativen Test nicht mitfahren darf – obwohl sie doppelt geimpft ist“, sagt ihr Vater Gert Moritz.

Ohne die Arbeit von antonius diskreditieren zu wollen, hat er sich nach diesem Vorfall gefragt, was Corona und die damit einhergehenden Restriktionen aus den Menschen machen, sagt Moritz.

Für seine Tochter Tiffany war der Vorfall an der Bushaltestelle ein Schock, sagt Gert Moritz.

„Der Fahrer eines Busses für Menschen mit Behinderung hat doch einen sozialen Auftrag. Wie kann er also Menschen im Regen stehen lassen?“ Ein Verhalten wie das des Busfahrers erlebe er derzeit in vielen Bereichen des Lebens, er selbst könne aber damit umgehen. „Aber die Schwächeren in der Gesellschaft eben nicht. Für meine Tochter war das ein Schock.“

Der Vorfall sei ein „ganz blödes Missverständnis“ gewesen, heißt es dazu aus der Pressestelle von antonius. In Bussen des Fahrdienstes gelte – genau wie in anderen Bussen auch – derzeit die 3G-Regel.

„Blödes Missverständnis“ - Wirrwarr um Corona-Regeln

„Blöderweise war die Mitarbeiterin auf der Liste des Fahrers als ungeimpft vermerkt.“ Und dann bräuchte sie wie im Stadtbus in Fulda einen negativen Test für die Beförderung. „Montags achtet der Fahrer des Busses ganz genau auf die vorgeschriebenen Regeln.“

Dass diese ständig geändert werden, mache das Arbeiten auch für Busfahrer nicht leichter. „Es ist ein enormer organisatorischer Aufwand, immer überprüfen zu müssen, wer getestet sein muss oder nicht“, so die antonius-Pressestelle.

Video: 3G in öffentlichen Verkehrsmitteln: Das müssen Fahrgäste jetzt wissen

Für Moritz keine Entschuldigung. Er beklagt eine regelrechte „Regel-Manie.“ „Einen Menschen, der auf Hilfe angewiesen ist, kann man nicht einfach allein im Dunkeln und im Regen am Straßenrand stehenlassen. Geimpft oder getestet hin oder her.“ Moritz findet: „Corona darf doch keinen solchen Riss in der Gesellschaft entstehen lassen.“

Hinweis: Online erscheint eine gekürzte Fassung des Artikels. Den kompletten Text lesen Sie in der Printausgabe der Fuldaer Zeitung vom 9. Dezember und im E-Paper.

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