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Minutenlang reanimiert: Autobahnpolizisten retten Mann (62) auf A7-Parkplatz das Leben

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Von: Eike Zenner

Der Vize-Chef der Autobahnpolizei Christian Hickl (links) und Klaus Wittich (rechts), Leiter Abteilung Einsatz der Fuldaer Polizei, danken Paulina Böhm und Marven Bau für den Einsatz.
Der Vize-Chef der Autobahnpolizei Christian Hickl (links) und Klaus Wittich (rechts), Leiter Abteilung Einsatz der Fuldaer Polizei, danken Paulina Böhm und Marven Bau für den Einsatz. © Polizei Osthessen

Der Einsatz begann wegen Nötigung im Straßenverkehr und endete in minutenlangen Reanimationsmaßahmen. Zwei junge Autobahnpolizisten aus Petersberg haben einem Mann aus den Niederlanden das Leben gerettet.

Neuenstein/Petersberg - Polizeioberkommissar Marven Bau (28) und Polizeikommissaranwärterin Paulina Böhm (21) haben einem Autofahrer aus den Niederlanden wohl das Leben gerettet. Der Leitende Kriminaldirektor Klaus Wittich hat den beiden jungen Polizisten der Autobahnpolizei Petersberg für den Einsatz gedankt.

Fulda: Minutenlang reanimiert - Junge Autobahnpolizisten retten Mann (62) das Leben

Dauerhaft dichtes Auffahren, Schlangenlinien und riskante Überholmanöver auf der rechten Spur sowie dem Standstreifen: Gegen 14 Uhr informierte am Dienstag ein Verkehrsteilnehmer die Einsatzzentrale über einen niederländischen Mercedes-Fahrer, der auf der A7 in Richtung Norden unterwegs sei und immer wieder durch Nötigung auffallen würde.

Einsatz für Oberkommissar Marven Bau und Kommissaranwärterin Paulina Böhm. Das Streifenteam war gerade in südliche Richtung unterwegs - und musste dementsprechend erst einmal einiges an Strecke aufholen. Am Parkplatz Fuchsrain konnte das niederländische Fahrzeug schließlich gestoppt werden.

Gemeinsam mit einer weiteren Streife und dem Zeugen verschafften sich die Polizisten einen Überblick über die gemeldete Nötigung im Straßenverkehr. „Am Ende waren wir nur noch zu zweit und haben die Beschuldigtenvernehmung durchgeführt“, blickt Bau zurück.

Dann nahm der Einsatz, über den die Polizei Fulda in einer Pressenotiz berichtet, eine unerwartete Wendung. Aufgrund der Wärme setzte sich die Streife mit dem Mann in den Schatten an einen Tisch des Rastplatzes. „Nachdem alle Formulare unterschrieben waren, haben wir dem niederländischen Fahrer noch einmal verdeutlicht, wie es sich gehört, auf Deutschlands Autobahnen zu überholen und wie nicht.“ Beim Aufstehen fing der Mann plötzlich an zu krampfen und knallte mit seinem Kopf auf den Tisch.

Ein Schockmoment. Eine Situation, mit der in diesem Moment auch die Polizisten nicht gerechnet haben. „Wir haben ihn aufgefangen und auf den Boden gezogen“, so Bau. (Lesen Sie hier: Ehrliche Finder: Vier Jungs geben Geldbörse mit fast 1000 Euro Bargeld bei Polizei ab)

Während seines Abiturs hatte sich der 28-Jährige einige Zeit im Rettungsdienst engagiert. Erfahrungen, die ihm nun zu Gute kamen. Der 62-Jährige hörte nach einiger Zeit zunächst auf zu krampfen. „Er ist in die typische Nachschlafphase verfallen. Doch dann ging sein Atem unregelmäßig.“ Es wurde nachalarmiert. „Als er aufgehört hat zu atmen, mussten wir ihn umgehend aus der stabilen Seitenlage holen, ausziehen und anfangen zu reanimieren. Wenn man einmal anfängt mit der Reanimation, dann hört man nicht mehr auf.“

Nach Kontrolle: Autofahrer krampft - Polizisten reanimieren ihn

Als das Rettungsteam eintraf, arbeiteten die Einsatzkräfte Hand in Hand. Der Mann musste mehrfach defibrilliert werden, wurde schließlich in die Klinik gebracht. Die Kollegen des Nachtdienstes erhielten Stunden später einen Anruf: „Der Notarzt hat sich noch einmal bedankt und war schwer beeindruckt von dem Handeln unserer Kollegen. Ohne sie wäre der Mann höchstwahrscheinlich verstorben“, sagen der stellvertretende Leiter der Polizeiautobahnstation Petersberg, Christian Hickl, sowie Dienstgruppenleiter Michael Adomeit.

Die jungen Kollegen hätten einen kühlen Kopf bewahrt und dabei alles richtig gemacht. Das Ergebnis: Als Team hätten sie einem Menschen das Leben gerettet.

„Bei so Nachrichten geht mir das Herz auf“, sagt auch Klaus Wittich anerkennend. Der Leiter der Abteilung Einsatz und Abwesenheits-Vertreter der Behördenleitung ließ es sich nicht nehmen, der Streife am frühen Morgen auf der Polizeiautobahnstation Petersberg einen Besuch abzustatten. „Ich bin sehr stolz darauf, solche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. Sie haben selbstlos und voller Tatendrang gehandelt und damit Leben gerettet“, wird Wittich in der Pressenotiz zitiert.

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